
„Wälder sind keine Rohstofflager“
KREIS GROSS-GERAU – Der Kreis Groß-Gerau sieht die geplante Änderung des Hessischen Waldgesetzes kritisch: Der Schutz des Bannwaldes droht erheblich verwässert zu werden.
Bislang sind die Voraussetzungen für Eingriffe in den Bannwald klar definiert, zum Beispiel für den Ausbau von Schienen- oder Radverkehr. Der neue Entwurf lässt diese Regeln offen – auch für den Rohstoffabbau. „Unsere Wälder sind keine Rohstofflager, sie sind Lebensraum, Klimapuffer und Erholungsraum zugleich“, sagt Adil Oyan, Erster Kreisbeigeordneter des Kreises Groß-Gerau.
Rohstoffabbau geht regelmäßig mit großflächigen Rodungen und tiefgreifenden Eingriffen in die Böden einher. Zusammenhängende Waldflächen werden zerschnitten, ökologische Funktionen wie Wasserfilterung, Klimaregulation und Schutz vor Überhitzung gehen verloren. Auch die Erholungsfunktion für die Menschen leidet. Besonders betroffen sind die sandigen Böden im Norden des Kreises, die empfindlich auf Erosion und Austrocknung reagieren.
Bannwälder im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet dienen zudem als Lärm- und Luftschutz entlang stark belasteter Verkehrsachsen und wirken als Puffer rund um den Flughafen Frankfurt. „Diese Schutzwirkungen sind flächengebunden und lassen sich nicht einfach ersetzen“, betont Oyan.
Die Novelle dient offenbar vor allem dazu, Rohstoffabbau zu erleichtern, kritisiert der Kreis. Dass dies dem Wohnungsbau zugutekommen soll, hält Oyan für vorgeschoben: „Der Kostenanteil von Kies und Sand beim Wohnungsbau ist verschwindend gering. Dafür wertvolle Bannwälder zu opfern, ist nicht nachvollziehbar.“ Oyan betont, dass es deutlich effizientere Instrumente gibt, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen (etwa die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen oder gezielte Förderprogramme) – ohne die Wälder zu gefährden.