Sexuelle Belästigung - Catcalling

Hinter sexueller Belästigung steht häufig der Versuch, Macht und Kontrolle auszuüben – indem Grenzen anderer ignoriert oder bewusst überschritten werden. Es reduziert Menschen auf ihren Körper und kann deren Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigen.

Catcalling - sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt

Pfeif- oder Kussgeräusche, aufdringliche Blicke, anzügliche Sprüche oder übergriffige Nachrichten auf Social Media wie „Ey, geiler Arsch“ oder „Komm doch mal rüber, mit mir ist es nachts immer lustig“:

Dies sind noch eher harmlose Beispiele für die recht niedliche Bezeichnung „Catcalling“. Der Begriff stammt aus der englischen Umgangssprache und bedeutet in etwa „Katzen-Rufen“. Es kann auch verstanden werden, als das unerträgliche Geschrei paarungswilliger Kater.

Darunter werden alle sexuell konnotierten Verhaltensweisen bzw. verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt zusammengefasst, die meist Frauen und Mädchen gelten. 

  • Pfeifen, Anstarren, Anhupen, obszöne Laute, Kussgeräusche
  • Sexuelle Gesten, bei sich in den Schritt fassen/ massieren
  • Sexuelle Kommentare, Witze, Aufforderungen oder Fragen 
  • Sexistische Beleidigungen und Beschimpfungen
  • Körperliche Distanz wird nicht gewahrt, Weg wird blockiert, Verfolgung

Körperbezogene Zuschreibungen können Unsicherheitsgefühle sowie Ekel gegenüber dem eigenen Körper auslösen. Daraus resultieren oftmals Anpassungen im Verhalten, etwa bei der Kleiderwahl, Essen und Sport. Catcalling sorgt dafür, dass Betroffene Ängste entwickeln, Orte vermeiden und sich nicht mehr unbefangen in der Öffentlichkeit bewegen.

Als berührungslose, aber unzumutbar aufgedrängte Sexualität ist Catcalling derzeit kein eigener Straftatbestand bzw. keine Ordnungswidrigkeit. Gerne möchten wir euch ermutigen erlebte Vorfälle zu schildern und dadurch auf die Missstände hinzuweisen. Ihr könnt eure Erfahrungen anonym über unseren CATCALLMELDER melden oder diese selbst am Aktionstag ankreiden. 

Catcalling ist ein gesamtgesellschaftliches Problem! Dies soll nicht so bleiben und so hat bereits die „#Me-Too“- Bewegung das Problem sexueller Belästigungen im Alltag, überwiegend durch Männer, in den Blick der internationalen Öffentlichkeit gerückt.

Bundesweiter Aktionstag gegen sexuelle Belästigung am zweiten Freitag im Juni

✏️ Catcalling ankreiden

Bei dieser Aktionsform werden Situationen von grenzüberschreitendem Verhalten mit Kreide auf den Boden geschrieben – oft genau dort, wo sie passiert sind. Ergänzt wird dies durch den Hinweis #keinkompliment. So werden Erfahrungen sichtbar gemacht, die sonst häufig überhört oder verdrängt werden.

Viele Betroffene können in der Situation selbst nicht reagieren – häufig aus Angst oder Überforderung. Das Ankreiden bietet die Möglichkeit, Kontrolle zurück zu gewinnen, Erlebtes auszudrücken und still zu protestieren. Die Zuschreibung und Sexualisierung kann so zurückgewiesen werden.

Oftmals werden Erzählungen von Catcalling belächelt und als Einzelfälle abgetan, obwohl viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen. Aktionen wie diese machen sichtbar, dass es sich nicht um vereinzelte Vorfälle handelt, sondern um ein verbreitetes gesellschaftliches Problem.


📍 Gemeinsame Ankreide-Aktionen im Landkreis Groß-Gerau in 2026

09.06. Haupteingang Landratsamt in Groß-Gerau von 11-13 Uhr

12.06. am Rathaus Mörfelden und Rathaus Walldorf um 11 Uhr

12.06. am Bahnhofsplatz Rüsselsheim von 11-12 Uhr

Dabei werden anonymisierte, echte Erlebnisse von Betroffenen sichtbar gemacht.

Was kann ich gegen sexuelle Belästigung tun?

Hinschauen statt wegsehen.
Ignorieren hilft den Betroffenen nicht – Aufmerksamkeit und Zivilcourage schon.

Betroffene unterstützen.
Frag nach, ob Hilfe gebraucht wird. Schon ein „Alles okay bei dir?“ kann viel bewirken.

Outcallen statt schweigen.
Sprich übergriffiges Verhalten an.

Nicht mitlachen.
Sexuelle Belästigung ist kein Spaß.

Eigene Grenzen und Verhalten reflektieren.

Wie fühlen sich Personen die sex. Belästigung erleben? Kommentare aus unserem Vorfall-Melder:

"Dieser Vorfall liegt schon Jahre zurück und trotzdem hat es mich nie ganz losgelassen." 

"Dieses Gaffen führt dazu, dass man sich als Frau wie ein Objekt fühlt."

"Ich war eingeschüchtert und hatte Angst."

"Ich war über die Situation erschrocken und angeekelt von dem Mann."

"Ich bin schockiert, was Menschen sich rausnehmen."

"Ich war wütend, dass mich die anderen nicht geschützt haben, und dass sie es eher lustig fanden."

"Seit dem habe ich in der Öffentlichkeit ein enormes Problem Männern zu vertrauen. Ich weiß, dass nicht alle Männer so sind, aber eine gewisse Angst herrscht da trotzdem."

"Ich bin wütend auf mich, dass ich in dieser Situation war und mich nicht schützen konnte."

"Es war mir sehr unangenehm."

"Der Vorfall hinterließ Wut und Ekel bei mir."

"Ich war in dem Moment auch einfach nur froh, dass er "nur" diesen Satz gesagt hat und nicht körperlich aufdringlich wurde."

"Wenn ich an die Situation denke, fühle ich mich unwohl."

"Dieses Verhalten empfinde ich als unangemessen und grenzüberschreitend."

"Seitdem habe ich Angst, alleine Bus zu fahren."

"Einfach nur ekelhaft!"

"Ich fand das einfach nur widerwärtig."

"Mein Kleidungsstil hat sich auch teilweise verändert dadurch, obwohl ja nicht ich das Problem bin, sondern die anderen, die sowas ekelhaftes machen. Nicht ICH sollte mich verändern, sondern SIE!"