Grundwasserbelastungen

Im Kreis Groß-Gerau befinden sich viele alte Industriestandorte, durch deren Betrieb es zu Grundwasserschäden gekommen ist. Diese Schäden sind saniert worden oder sind noch in der Sanierung. In der Vergangenheit wurde die Bevölkerung über öffentliche Bekanntmachungen über die schädliche Grundwasserverunreinigung informiert. Da diese teilweise schon Jahrzehnte her sind, hat sich der Kreis Groß-Gerau in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Darmstadt dazu entschieden, in einem Pilotprojekt diese Informationen neu aufzuarbeiten und digital der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Bei einem gemeinsamen Bürger*Innendialog wurden am 25.10.2021 in der Stadthalle Groß-Gerau 8 von 22 Grundwasserverunreinigungen exemplarisch vorgestellt.

In folgenden Orten befinden sich diese Verunreinigungen:

Biebesheim

Im Industriegebiet von Biebesheim sind zwei Grundwasserschäden (17 und 18) bekannt.

Schaden 17

Der Schaden 17 mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) und Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole (BTEX) liegt auf einem ehemaligen Betriebsgelände. Bis 2006 wurde eine Lösemitteldestillation auf dem Gelände betrieben. Der Schaden entstand in den 1970er bis 2000er Jahren durch unsachgemäße Abfüllvorgänge angelieferter flüssiger verbrauchter Lösungsmittel im Bereich des Tanklagers. Die Bodenkontaminationen im Bereich des Tanklagers und der Abfüllanlagen wurde durch einen Bodenaushub in den Jahren 2016/2017 saniert. Eine dauerhafte hydraulische Sanierung wird auf dem Standort seit 2019 betrieben.

Schaden 18

Der Schaden 18 mit Bleialkylen im Grundwasser betrifft das ehemalige Betriebsgelände eines Chemiebetriebes. Der Schaden entstand während der Produktion von Tetraethylblei und Tetramethylblei (sog. Antiklopfmittel für Ottomotoren) für die Mineralölindustrie in den Jahren 1966 bis 1989. Seit 2002 werden hydraulische Sicherungsmaßnahmen am Standort durchgeführt. Im Jahr 2003 erfolgte eine Hot-Spot-Sanierung mittels Großlochbohrungen.

Bischofsheim

In Bischofsheim gibt es zwei Grundwasserschadensfälle mit Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole (BTEX), Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Diese drei Stoffgruppen sind wesentliche Bestandteile von Mineralölen.

Beim Schaden 10 wurde auf einem eher kleinräumigen Grundstück im Zeitraum von 1911 bis 2011 eine Lack- und Farbenfabriken betrieben. Im Rahmen umwelttechnischer Untersuchungen in den 1990er Jahren wurden Belastungen der ungesättigten und gesättigten Bodenzone mit diversen Schadstoffen, wie aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX), Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), Testbenzin und polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nachgewiesen. Diese lagen hauptsächlich im Bereich der ehemaligen Tankanlagen vor.

Um die aufgefundenen Schadstoffe zu entfernen wurden Bodenluft- und Grundwassersanierungen auf dem Gelände ausgeführt. Im Anschluss an die Sanierungsarbeiten wurde noch ein abschließendes Grundwassermonitoring durchgeführt, welches in 2020 beendet werden konnte. In der Schadstofffahne liegen teilweise noch hohe Konzentrationen vor, die sich jedoch nicht weiter ausbreiten und somit stationär vorliegen. Mit verhältnismäßigen Mitteln ist eine weitere Reduzierung der Schadstoffe nicht zu erreichen.

Der Schaden 11 befindet sich im Bereich des Bahnhofs Bischofsheim. Auf diesen Betriebsflächen waren über einen längeren Zeitraum verschiedene Gewerbebetriebe ansässig.

Bei verschiedenen umwelttechnischen Untersuchungskampagnen im Bahnhofsbereich wurden Verunreinigungen mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) im Gleisbereich – im Umfeld einer ehemaligen Betriebstankstelle - nachgewiesen, die bis in die gesättigte Bodenzone reichen. Bei der gesättigten Bodenzone sind die Porenräume vollständig mit Wasser gefüllt (Grundwasser). Bei Grundwasseruntersuchungen wurden Schadstoffbelastungen mit MKW und mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) bestätigt. Durch eine mehrjährige Untersuchung dieser Schadstoffe im Grundwasser, kann die Schadstofffahne jedoch als stationär und ohne Tendenz für ein weiteres Ausbreiten bezeichnet werden. Mit verhältnismäßigen Mitteln ist eine weitere Reduzierung der Schadstoffe nicht zu erreichen.

Gernsheim

In Gernsheim spiegelt sich die alte Industriegeschichte sehr deutlich in den Boden- und Grundwasserverunreinigungen wieder. Insgesamt gibt es drei Schadensfälle mit jeweils unterschiedlichen Schadstoffen.

Der Schaden 7 wurde auf dem Gelände eines Tanklagers festgestellt. Hier kam es durch Handhabungsverluste und undichten Anlagenteilen zu Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW). Nach langjähriger hydraulischer Sanierung des Grundwassers wurde die Oberfläche des Geländes vollständig versiegelt (Sicherungsmaßnahme), wodurch es zu keiner weiteren Mobilisierung des Schadens aus dem Boden in das Grundwasser mehr kommt. Die Funktionsfähigkeit der versiegelten Fläche wird regelmäßig durch Sachverständige überprüft.

In der langen Produktionsgeschichte einer Chemiefirma in Gernsheim (Schaden 8) wurden die unterschiedlichsten Chemikalien hergestellt, verwendet und auch Produktionsrückstande abgelagert. In den Jahren ab 1930 kam es zu Verunreinigungen durch die Schadstoffe Hexachlorcyclohexan (HCH), Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole (BTEX), leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) und Chlorbenzol.

Es besteht Sanierungsbedarf für den Boden und das Grundwasser. Der Boden wird im Rahmen der Werksentwicklung immer dann saniert, wenn Gebäude zurückgebaut werden. Eine hydraulische Sanierung des Schadens findet seit etwa den 1990er Jahren statt. Das Grundwasser unter dem Werksgelände wird hydraulisch vollständig über Förderbrunnen erfasst und gereinigt. Dadurch können sich die Schadstoffe im Grundwasser nicht weiter ausbreiten (Sicherung).

Der Schaden 9 befindet sich auf einem ehemaligen Industriegelände. Hier wurden deutlich erhöhte Konzentration von Arsen im Grundwasser vorgefunden. Eine Sanierung des Bodens wurde bereits durchgeführt. Somit ist ein Nachschub von Schadstoffen aus dem Boden in das Grundwasser nicht mehr möglich. Für das Grundwasser, das hohe Arsenbelastungen aufweist, besteht Sanierungsbedarf. Die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen müssen nun vom Sanierungspflichtigen umgesetzt werden.

Groß-Gerau

Im Stadtgebiet Groß-Gerau befinden sich zwei Grundwasserverunreinigungen. Diese Schadensfahnen sind in der Karte gelb und braun eingefärbt. Weitere Untersuchungen durch die untere Wasserbehörde an privaten Gartenbrunnen aus den Jahren 2020 und 2021 haben ergeben, dass auch zwischen den beiden Fahnen erhöhte LHKW-Werte vorliegen. Die genaue Abgrenzung ist analytisch nicht nachgewiesen worden, von daher ist auch für Grundstücke in der unmittelbaren Nähe außerhalb des markierten Bereiches eine erhöhte Vorsicht in der Verwendung von Brunnenwasser geboten. Die Fragezeichen zeigen, dass es für diesen Bereich keine Datengrundlage gibt. Es wird empfohlen, auch außerhalb der LHKW-Fahne (schraffierter Bereich), Kontakt mit der unteren Wasserbehörde aufzunehmen und Untersuchungen des Grundwassers vor dessen Nutzung durchführen zu lassen.

Wichtig: Innerhalb des schraffierten Bereiches soll das Grundwasser nicht zu Trinkwasserzwecken genutzt werden. Auch soll das Grundwasser nicht zum Zwecke der Gartenbewässerung verwendet werden, wenn es sich hierbei um Pflanzen handelt, die der Nahrungsaufnahme dienen (Nutzpflanzen). Sträucher, Bäume, Rasenflächen, Rabatten etc. können dagegen bedenkenlos mit dem Grundwasser bewässert werden. Planschbecken für Kinder sollen mit dem Grundwasser ebenfalls nicht befüllt werden.

Das gesamte Stadtgebiet von Groß-Gerau ist an das Trinkwassernetz angeschlossen, daher kann das Trinkwasser bedenkenlos genutzt werden. Das Trinkwasser wird außerhalb von Groß-Gerau in einem Wasserschutzgebiet gewonnen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie auf der Webseite des Wasserwerkes Gerauer-Land.

Hintergrund der Grundwasserverunreinigungen sind zwei Betriebe die in den 1960-1970er Jahren in Groß-Gerau existiert haben. Dabei handelt es sich um einen metallverarbeitenden Betrieb und eine nicht mehr existierende Maschinenfabrik. Bei beiden Betrieben sind LHKW (leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe) in das Grundwasser gelangt. LHKWs werden in der Metallindustrie, in chemischen Reinigungen und in der Textilverarbeitung als nicht brennbare Lösungsmittel für Reinigungs-, Entfettungs- und Extraktionsprozesse verwendet. Sie weisen eine hohe Mobilität auf und können aufgrund ihrer hohen Dichte bis auf den Grundwasserstauer absinken. Sie sind gesundheitsgefährdend und einige auch krebserregend und weisen ein großes umweltgefährdendes Potential auf.

Die gelbe Schadensfahne wurde bis 2013 saniert. Im Zuge dessen wurde durch einen Bodenaushub auf dem ehemaligen Betriebsgelände auch die Quelle des Schadens beseitigt. Trotz der hydraulischen Sanierung, die 25 Jahre betrieben wurde, liegen die Werte noch über dem sogenannten Geringfügigkeitsschwellenwert (GFS-Wert) von 20 µg/l für LHKW. Der Wert sagt aus, ab welcher Konzentration eine Gefährdung und ein Gesundheitsrisiko möglich sind. Der Grundwasserschaden der Maschinenbaufabrik (braun) konnte auf Grund eines Rechtstreites bisher noch nicht saniert werden. Im Jahr 2021 wurden weitere Untersuchungen - finanziert mit Landesmitteln – durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt aktuell vorgelegt wurden. Da die weiteren Untersuchungsmaßnahmen dem Grundstückseigentümer (braune Fahne) nicht aufgegeben werden können, wurde die Maßnahme zwischenzeitlich dem Träger der Altlastensanierung, der HIM ASG zur Ausführung übertragen. Ziel ist es, mit der westlichen Eingrenzung der Schadstofffahne eine abschließende Gefährdungsabschätzung zu erstellen und die Frage zu beantworten, ob für das Grundwasser Sanierungsbedarf besteht.

Die Ergebnisse der Brunnenbeprobung sowie die oben abgebildete Gefährdungspotentialkarte hat die untere Wasserbehörde in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Darmstadt bei einer Bürgerversammlung am 25.10.2021 vorgestellt.

    Ginsheim-Gustavsburg

    In Ginsheim-Gustavsburg liegen zwei Schadensfälle auf Bahnflächen und zwei Schadensfälle auf Industrieflächen vor. Die Ursachen der Schadensfälle auf dem Bahngelände sind aufgrund der intensiven Nutzungshistorie nicht mehr nachvollziehbar.

    Schaden 13

    Beim Schaden 13 liegt eine Verunreinigung mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Quecksilber auf einem Bahngelände vor. In den Jahren 2000 bis 2016 wurden Detailuntersuchungen zur Ermittlung der Schadensgröße und des Gefährdungspotentials durchgeführt. Der Sanierungsbedarf konnte anhand der hohen Schadstoffgehalte im Grundwasser festgestellt werden. Eine Bodensanierung wurde im Jahr 2023 duchgeführt.

    Schaden 14

    Der Schaden 14 liegt ebenfalls auf einem Bahngelände in direkter Nähe zu Schaden 13. Hierbei handelt es sich um eine Verunreinigung des Grundwassers mit Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole (BTEX). In den Jahren 2000 bis 2018 wurden Detailuntersuchungen durchgeführt. Es konnte bestätigt werden, dass es sich um einen kleinräumigen und quasistationären Grundwasserschaden handelt, von dem keine verlagernde Schadstofffahne ausgeht. Ein Eintrag über die Bodenpassage konnte bisher nicht nachgewiesen werden, d.h. der Eintragsort ist nicht bekannt. Das Grundwasser wurde bis 2021 durch ein Monitoringprogramm überwacht.

    Schaden 15

    Auf dem ehemaligen Betriebsgelände einer Maschinenfabrik wurde eine Verunreinigung des Grundwassers mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) festgestellt. Dieser Schaden ist in den 1960er bis 1970er Jahren entstanden und wurde von 1987 bis 2018 hydraulisch saniert. Nach Einstellung der aktiven Sanierungsmaßnahme wurde das Grundwasser mit einem Monitoringprogramm überwacht.

    Schaden 16

    Der Grundwasserschaden liegt in der Innenstadt von Ginsheim-Gustavsburg auf einem ehemaligen Kupferwerk Gelände. Bedingt durch die Produktionsprozesse sind in den 1960er bis 1970er Jahren leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) in den Boden und das Grundwasser gelangt. Bodensanierungen auf dem ehemaligen Betriebsgelände erfolgten in den Jahren 1996 und 2000. Eine hydraulische Sanierungs-/Sicherungsmaßnahme findet seit 1989 statt.

    Kelsterbach

    Mönchhofgelände

    In Kelsterbach ist es, bedingt durch Leckagen und Handhabungsverlusten bei der Herstellung von Kunststoffen, zu Austritten von Trioxan, Dioxolan sowie Dioxan in den Boden und in das Grundwasser gekommen. Der Schaden entstand im Zuge der Nutzung des Geländes ab den 1960er Jahren bis zur Betriebseinstellung 2011. Es besteht Sanierungsbedarf für den Boden und das Grundwasser. Alle Schadstoffe sind extrem gut wasserlöslich und als kanzerogen eingestuft.

    Der Schadensfall ist erst seit dem Jahr 2009 bekannt. Für die genannten Schadstoffe gab es weltweit bislang keine erprobte Sanierungstechnologie. Um eine solche zu entwickeln, wurde im Rahmen eines Forschungsvorhabens ein Verfahren zur Bodensanierung entwickelt. Der Pilotversuch verlief erfolgreich. Die Umsetzung im Gelände ist geplant.

    Im Rahmen des behördlichen Verfahrens wird derzeit die Erprobung einer Technologie zur Sanierung des Grundwassers vorbereitet und parallel wird ein Konzept zum Schutz des angrenzenden Trinkwasserschutzgebietes Hattersheim fortgeschrieben und umgesetzt.

      Nauheim

      Auf dem ehemaligen Betriebsgelände eines Instrumentenherstellers in Nauheim sind in den 1950er Jahren leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) ausgetreten, die zu einem Grundwasserschaden führten. Der Grundwasserschaden wurde von 2009 bis 2011 hydraulisch saniert. Im Anschluss an die aktive Sanierungsmaßnahme erfolgte ein Überwachungsprogramm, das 2012 beendet werden konnte. Das ehemalige Betriebsgelände ist saniert. Bei Eingriffen in den Boden ist eine Überwachung durch einen Fachgutachter erforderlich.

      Raunheim

      In Raunheim gibt es zwei Grundwasserschäden (3 und 4) mit den Schadstoffen Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole (BTEX). Es handelt sich um leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe, die sowohl als Löse- und Entfettungsmittel oder auch als Rohstoffe in der chemischen Industrie eingesetzt werden und in Kraftstoffen enthalten sind.

      Der Schaden 3 hat sich auf dem Gelände einer Raffinerie in den 1960- bis 1980er Jahren ereignet. Der Schaden wird seit 1985 mit Hilfe von Grundwasserbrunnen hydraulisch saniert. Dies ist ein Verfahren, bei dem Grundwasser gefördert, gereinigt und anschließend versickert oder in das nächstgelegene Gewässer eingeleitet wird. Die weitere Sanierung wird mit Hilfe des Monitored Natural Attenuation (MNA) fortgeführt. Dies ist ein Verfahren, bei dem die verbliebenen geringen Schadstoffverunreinigungen durch natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse reduziert werden. Die Entwicklung wird durch ein Monitoring überwacht.

      Der Schaden 4 betrifft ein Tanklager. Hier sind in den 1990er Jahren erhöhte Kraftstoffmengen, die die Schadstoffe BTEX enthalten, in das Erdreich und in das Grundwasser gelangt. Der Schadensfall wird seitdem durch ein hydraulisches Verfahren saniert. Die Schadstoffkonzentrationen sind weiterhin so hoch, dass das Grundwasser nach wie vor hydraulisch saniert werden muss. Ein Abschluss der Sanierung ist derzeit noch nicht absehbar.

      Der Schaden 5 liegt in der Innenstadt von Raunheim und betrifft das ehemalige Betriebsgelände einer Lederfabrik. Bedingt durch die Produktionsprozesse sind in den 1970- bis 1980er Jahren leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) in das Grundwasser gelangt. LHKW wurden seit den 1960er Jahren als nicht brennbare Lösungsmittel für Reinigungs- und Entfettungsprozesse in der Lederindustrie verwendet. Ein langjähriges Grundwassermonitoring wurde im Jahr 2015 eingestellt. Aufgrund geringer Schadstoffkonzentrationen besteht kein Sanierungsbedarf mehr für das Grundwasser.

      Rüsselsheim

      Im Stadtgebiet Rüsselsheim sind drei größere Grundwasserschäden, die Schadstofffahnen ausgebildet haben, bekannt.

      Schaden 19

      Der Schaden 19 entstammt aus der ehemaligen Zentral-Wäscherei eines Automobilherstellers. Der Schaden mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) entstand in den 1960er Jahren. Dabei gelangten die Schadstoffe über die Bodenpassage ins Grundwasser. Es konnte sich eine lange Schadstofffahne ausbilden, die über die Grundstücksgrenzen hinausreicht. Seit 1982/83 wird eine hydraulische Sanierung im Schadensherd und in der Fahne betrieben.

      Schaden 20

      Der Schaden 20 befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände. Nach Aufgabe des Standortes sind Schadstoffe im Grundwasser wie Mineralölkohlenwasserstoffe, Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylole (BTEX), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW), die u. a. auf den Betrieb einer Tankstelle zurückzuführen sind, nachgewiesen worden. Der Grundwasserschaden wird seit 2007 saniert.

      Schaden 21

      Im Zustrom der ehemaligen Kaserne (Schaden 20) konnten leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW), deren Ursprung unbekannt ist, gemessen werden. Die Untersuchungsergebnisse sollen verifiziert werden. Von einem Grundwasserschaden ist aufgrund der vorliegenden Ergebnisse derzeit nicht auszugehen.

       

      Stockstadt

      In Stockstadt liegt westlich der Bahntrasse im Bereich zwischen der nördlichen Lindenstraße bis zur Vorderstraße eine Grundwasserbelastung mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) vor. Die Grundwasserbelastung ist auf LHKW-Schadensfälle eines in Stockstadt ansässigen metallverarbeitenden Betriebes seit den 1960er Jahren zurückzuführen. Ein Grundwassermonitoring des Abstroms wurde im Jahr 2020 beendet, da die LHKW-Konzentrationen im Grundwasser stark zurückgegangen sind und die Fahne sich deutlich zurückgebildet hat. Die Schadensquellen auf dem ehemaligen Betriebsgelände Nold wurden in der Vergangenheit jeweils erfolgreich saniert. Es ist damit zu rechnen, dass sich die noch vorhandene Grundwasserbelastung im Abstrom durch natürliche Abbauprozesse weiter verringert.