Warum sind Frauen in der Politik wichtig?
Die Vertretung von Frauen* in Parlamenten ist von zentraler Bedeutung für eine funktionierende Demokratie. Frauen machen etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, daher ist es notwendig, dass ihre Interessen und Perspektiven in politischen Entscheidungsprozessen angemessen berücksichtigt werden. Studien zeigen, dass eine ausgewogene Beteiligung beider Geschlechter zu vielfältigeren Lösungsansätzen und zu einer höheren Qualität von politischen Entscheidungen führt. Darüber hinaus trägt eine stärkere Repräsentation von Frauen dazu bei, bestehende Ungleichheiten in Politik und Gesellschaft abzubauen und das Vertrauen der Bürger*innen in demokratische Institutionen zu stärken.
In einer Demokratie ist es unabdingbar, dass alle Perspektiven der Bevölkerung repräsentiert sind und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenssituationen in die Gesetzgebung einfließen.
100 Jahre Frauenwahlrecht
Das Frauenwahlrecht wurde erst vor gut 100 Jahren eingeführt! Das sind nur vier Generationen. Das Wahlrecht für Frauen wurde 1918 zur Gründung der Weimarer Republik eingeführt. Während der NS-Zeit (1933-1945) wurde Frauen das passive Wahlrecht und somit deren Existenz in Parlamenten und Ämtern entzogen, da sie sich auf Ihre Rolle als Mutter und Hausfrau beschränken sollten. Dieses Frauenbild prägt noch heute die deutsche Gesellschaft.
Weibliche* Abgeordnete sind in vielen Parlamenten nach wie vor unterrepräsentiert. Neben grundsätzlichen Herausforderungen wie frauenfeindlichen Äußerungen, struktureller Benachteiligung und mangelnder Sichtbarkeit ist ein Mandat besonders für Frauen mit familiären Verpflichtungen schwer zu vereinbaren. Zwar wurden die Regelungen im Deutscher Bundestag zuletzt gelockert, sodass Abgeordnete ihre Babys leichter mit in den Plenarsaal bringen können; dennoch bestehen strukturelle Hürden fort. Arbeitszeiten, die häufig bis in die späten Abendstunden reichen, sind oft schwer mit Care-Arbeit vereinbar. Dies kann dazu führen, dass Frauen in bestimmten Lebensphasen – etwa während der Familiengründung oder bei späteren Pflegeverpflichtungen – faktisch von einer politischen Tätigkeit ausgeschlossen werden. Junge Frauen mit familiären Verpflichtungen sind daher deutlich unterrepräsentiert. Angesichts der Bedeutung ausgewogener Repräsentation in der Politik ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Das BFC setzt sich dafür ein, den Kreistag Groß-Gerau und dessen Gremien durch die „Leitlinien zu familienfreundlichen Parlamenten“ für Frauen mit Kindern zugänglicher zu machen und so ein repräsentativeres Abbild der Bevölkerung des Kreises Groß-Gerau zu unterstützen.
Die folgende Ausstellung „Mir koche vor Wut – Engagierte Frauen als Erfolgsrezept für die Politik im Kreis Groß-Gerau“ möchte innerparlamentarisch und außerparlamentarisch engagierte Frauen, soziale Bewegungen und Ereignisse im Kreis Groß-Gerau zeigen und vor dem Hintergrund des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts auf die gesellschaftliche Bedeutung von Engagement aufmerksam machen. Ehrengästin zur Ausstellungseröffnung war Prof. Dr. Rita Süssmuth.


















