
Kreis springt in die Bresche
KREIS GROSS-GERAU – Der Kreis Groß-Gerau will dafür sorgen, dass die bestehenden Strukturen in der Binnendifferenzierung an den Integrierten Gesamtschulen (IGS) beim Schulträger Kreis Groß-Gerau erhalten bleiben können. „Wir übernehmen für ein Jahr die Ausfallkosten, die durch die Entscheidung des hessischen Kultusministeriums entstehen, ab dem Schuljahr 2026/2027 den IGS in Hessen den Zuschlag für die Binnendifferenzierung erheblich zu kürzen“, gibt Landrat Thomas Will bekannt.
Auch wenn das Land seine ursprünglichen Pläne reduziert hat und die Kürzung nun nur für ein Schuljahr im Raum steht, bedeutet das für IGS in Kreisträgerschaft viel: So sind es an der Raunheimer Anne-Frank-Schule 45 gekürzte Stunden pro Woche, an der IGS Mainspitze und an der Johannes-Gutenberg-Schule in Gernsheim je 14, an der Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau 21 und an der Riedstädter Martin-Niemöller-Schule gar 70 Stunden pro Woche.
Das Konzept des Kreises sieht daher vor, die Gelder für das entsprechende Personal für das Schuljahr 2026/27 bereitzustellen, damit beispielsweise die vor Ort tätigen Menschen weiter beschäftigt werden können. Dabei werden Kooperationen mit der Kreisvolkshochschule sowie der Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft AVM geprüft. Die nötigen Finanzmittel in Höhe von knapp 460.000 Euro (191.000 Euro in 2026 bzw. 268.000 Euro in 2027) sollen aus den Etats finanziert werden; die notwendigen Beschlüsse dazu sind in Vorbereitung.
„Diese Kompensation ist alternativlos, um weitere Belastungen in der Jugendhilfe zu verhindern“, betont der Landrat, „allein eine zusätzliche stationäre Unterbringung kann in einem Jahr höhere Kosten verursachen, als die jetzt im Raum stehenden Beträge“.
Der Kreis hat sich in enger Abstimmung mit dem Sprecher der hessischen Gesamtschuldirektoren Martin Buhl (Riedstadt) zu diesem Schritt entschlossen, so Thomas Will. „Wir lassen die Schulen, anders als das Land, nicht im Regen stehen. Wir können nicht einfach zulassen, dass innerhalb eines Schuljahres Strukturen zerschlagen werden, die für die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler sehr wichtig sind.“ Die Binnendifferenzierung „ist kein pädagogischer Luxus“, sondern eine notwendige und bewährte Antwort auf aktuelle Herausforderungen: Junge Menschen werden dadurch fachlich gefordert und gefördert, in ihrer persönlichen Entwicklung gestärkt und in ihrer sozialen Kompetenz unterstützt.
„Es geht uns um die Kinder. Wir übernehmen als Kreis Verantwortung, um das Fundament vieler IGS zu erhalten. Denn Binnendifferenzierung ermöglicht gezielte Förderung, stabilisiert Bildungsbiografien und beugt Schulabbrüchen vor. Dafür sind verlässliche personelle Ressourcen unabdingbar“, betont der Landrat.