Zeichen für Zusammenhalt
KREIS GROSS-GERAU – Am Ende wurde es voll auf der Bühne des Georg-Büchner-Saals im Landratsamt: Alle Preisträger*innen des Come-Together-Preises kamen noch einmal zum Abschlussfoto zusammen. Zuvor waren sie von Landrat Thomas Will und von Sedef Yıldız, Leiterin des Büros für Integration, für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte geehrt worden. Alle erhielten neben ihrer Urkunde einen sogenannten EcoCube samt Sonnenblumensamen, um in dem Holzwürfel die Pflanzen zu ziehen. Ein Symbol für Nachhaltigkeit und Solidarität, wie Sedef Yıldız sagte, denn der Erlös aus dem Kauf der Samen geht an die Ukraine-Hilfe.
Zum 25. Mal zeichnete der Kreis Groß-Gerau Menschen aus, die in vorbildlicher Weise für respektvolles Zusammenleben stehen, für Chancengerechtigkeit und Teilhabe arbeiten, sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung wenden, sich für die Unterstützung von Schutzsuchenden engagieren. „Beim Come Together setzen wir ein Zeichen gegen Engstirnigkeit und Ausgrenzung, für Zusammenhalt und Einigkeit“, sagte Landrat Will, der am Ende allen Beteiligten dankte, die die Veranstaltung möglich gemacht hatten.
Zum Beispiel wurden an dem Abend die vorab produzierten Videos präsentiert, die die Laudator*innen zu Wort kommen ließen und die Arbeit der Geehrten verdeutlichten. Etwa die von Samadoon Mohamed (Groß-Gerau), der - 2013 nach Deutschland gekommen - seit 2015 bei den „Teachers on the road“ mitwirkt. Seit diesem Jahr ist er auch Sportcoach. Er arbeitet in der Integrationskommission der Stadt Groß-Gerau mit und unterstützt als Sprachlotse und Kulturmittler das Sozial- und Integrationsbüro der Kreisstadt.
Walter Ullrich (Trebur) tritt seit Jahrzehnten mit seinem Einsatz gegen das Vergessen nationalsozialistischer Untaten und gegen Antisemitismus in Erscheinung. Schon in den achtziger Jahren, als Pfarrer in Geinsheim, hat er verdeutlicht, dass es eine Erinnerungskultur braucht - und sorgte unter anderem dafür, dass die Kornsandmorde nicht in Vergessenheit geraten. Auch für das Verlegen von Stolpersteinen, die an verfolgte und vertriebene Einwohner*innen der Kreiskommunen erinnern, engagierte sich der langjährige Vorsitzende des Fördervereins jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau, der auch im Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus mitarbeitet.
Als Einzelpersonen wurden zudem am vergangenen Freitag Rosi Clemenz (Trebur) und Albert Kling (Raunheim) mit dem Come-Together-Preis ausgezeichnet - stellvertretend für die mehr als 2500 Menschen im Kreis, die sich um geflüchtete Menschen kümmern, bei der Suche nach Unterkünften und bei Behördengängen helfen, die Spenden sammeln und die die Zugewanderten beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen. Die beiden geben den Schutzsuchenden aus der Ukraine durch ihre Arbeit so etwas wie „ein Stück Heimatgefühl wieder“, sagte Landrat Thomas Will.
Er erwähnte bei der Gelegenheit ein weiteres Beispiel für gelebte Solidarität im Kreis: Die Stadt Raunheim wollte - auf deren Bitte hin - ihrer ukrainischen Partnerstadt ein gebrauchtes Müllfahrzeug spenden. Für das dafür benötigte Geld legten die Kreiskommunen, wie in einer Bürgermeisterdienstversammlung abgesprochen, zusammen. Es war innerhalb von 14 Tagen komplett.
Zwei Organisationen wurden beim Come Together ebenfalls ausgezeichnet. Eine davon ist die Initiative Menschsein, die sich gegen Alltagsrassismus und Antifeminismus einsetzt. Sie hat zum Beispiel anlässlich des zweiten Jahrestags des Anschlags in Hanau, bei dem neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordet wurden, eine Gedenkveranstaltung in der Kreisstadt organisiert. Stellvertretend für die jungen Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, nahm Celine Georg den Preis entgegen.
Die größte Gruppe des Abends bildeten die ehrenamtlichen Helfer*innen von Kaffee- und Werkstatt-Team vom Waldenser Hof in Walldorf. Auch die Mitglieder einer Spenden AG und ein Team, das den Garten dort pflegt, gehören zu den Aktiven. An und in der Begegnungsstätte treffen sich einmal in der Woche Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Stellung. Mehr als 100 Leute können da zusammenkommen. Der Laudator dankte dem „Netzwerk miteinander“ für die Unterstützung der städtischen Integrationsarbeit.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von „Benyonca“ - der Sängerin Yonca Ҫakar und dem Gitarristen Benjamin Geyer. Am Ende trafen sich die rund 50 Gäste zum Plausch am Buffet im Foyer des Georg-Büchner-Saals.
