Wer bin ich? Wer sind Wir?
KREIS GROSS-GERAU – „Wer bin Ich? Wer sind Wir?“ Diesen Titel trägt die Ausstellung zu Identitäten der Deutschen aus dem östlichen Europa, die anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Hauses des Deutschen Ostens (HDO) im Jahr 2020 erstmals gezeigt wurde und nun bis 1. September (Freitag) im Groß-Gerauer Landratsamt zu dessen Öffnungszeiten zu sehen ist. Feierliche Eröffnung war am vergangenen Freitag.
Dazu begrüßte Helmut Brandl, Mitglied der Leitungsgruppe des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau, die Gäste im Foyer der Kreisverwaltung in der Wilhelm-Seipp-Straße 4 und führte in die Ausstellung ein: Auf Roll-ups sind Informationen zu identitätsstiftenden Merkmalen zu lesen, als da sind Landschaft, Erinnerung, Architektur, Handwerk, Sprache und Literatur, Kleidung, Heimat, Brauchtum, Musik, Familie und Symbole, Religion oder auch das Essen.
Menschen, die ihre biografischen Wurzeln im Osten Europas haben, werden im Text ebenso zitiert wie Dichter und Denker, die zum jeweiligen Thema die Überschrift liefern. Mit diesen Personen wurden Interviews geführt, die jederzeit auf dem Youtube-Kanal des HDO abrufbar sind. Über ihre Identität sprechen zum Beispiel Mulo Francel (Saxophonist und Weltenbummler), Dr. Florian Roth (Stadtrat in München), Dr. Zuzana Finger (damalige Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in Bayern und Übersetzerin und Dolmetscherin), Andrea Kielburg (Mitglied im Vorstand des Vereins Deutscher Banater Jugend- und Trachtengruppen), Lukas Moj (Familienforscher) sowie die Musikerfamilie Hubert.
Landrat Thomas Will sagte in seiner Eröffnungsrede, dass Identität wichtig ist, „um sich zurechtzufinden im Alltag, im Umfeld, in der Welt. ... Wenn das Wesen der Identitäten in der Vielfalt liegt, wie die Ausstellungsmacher sagen, macht das Mut für die Zukunft. Unsere Gesellschaft ist längst vielfältig und reich an Kultur, Religion, Tradition, reich an Bräuchen und Eigenheiten“, so der Landrat.
Er erinnerte zudem daran, dass die Erfahrung vom Verlust von Heimat auch ein wichtiger Teil der Geschichte des Kreises ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele vertriebene Menschen eine neue Heimat im Kreis Groß-Gerau. 1960 etwa lag ihr Anteil an der Bevölkerung bei 21,7 Prozent. So wie sie sich damals integrierten, so tun dies Schritt für Schritt auch die Zugewanderten und Geflüchteten der Gegenwart. Der Kreis hilft ihnen dabei nach Kräften. Im vergangenen Jahr hat der Kreis Groß-Gerau insgesamt 4158 Geflüchtete aufgenommen, fast 3000 davon aus der Ukraine. Die Ausstellung „Wer bin ich? Wer sind Wir?“ regt auch vor diesem Hintergrund. zum Nachdenken über Vertreibung, Ankommen, Integration und Identität an, sagte Landrat Will.
In seinem Grußwort zur Ausstellung in Groß-Gerau formulierte der Direktor des HDO, Prof. Dr. Andreas Otto Weber, folgende Gedanken: „Wer bin Ich? – Diese Frage nach der eigenen Identität stellt sich für jeden Menschen im Laufe seines Lebens immer wieder. Die Identität einer Person bildet ihre Ordnungs- und Bezugspunkte und ist oft mit bestimmten Wertvorstellungen verbunden. Dabei ist sie nie starr und einmal für immer festgelegt, nie einfach und eindeutig, sondern vielschichtig und mit dem Umfeld, neuen Erfahrungen und Lebensabschnitten wandelbar. ... Viele Faktoren können bei der Identität eine Rolle spielen – Herkunft, Sprache(n), Religion oder das, was man als Heimat ansieht.“
Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von der BdV-Musik- und Gesangsgruppe Biebesheim/Dornheim.
Zur Eröffnung der Wanderausstellung im Landratsamt kamen zusammen (von links) Helmut Brandl vom BdV-Kreisverband Groß-Gerau, Landrat Thomas Will, Groß-Geraus Bürgermeister Erhard Walther, Jolanta Lemm, Geschäftsführerin BdV Hessen, Agnes Brügging-Lazar, Kulturreferentin des BdV Hessen, und Hans-Josef Becker, Mitglied der Leitungsgruppe des BdV-Kreisverbandes. Foto: Kreisverwaltung
