Neues Domizil für Beratungsstelle
KREIS GROSS-GERAU – Groß war das Interesse an den neuen Räumen der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche am vergangenen Freitag. Die Einrichtung des Kreises war vor ein paar Monaten innerhalb Groß-Geraus umgezogen und hat ihr Domizil nun in der Odenwaldstraße 2B, wo jetzt Einweihung gefeiert wurde. Rund 70 Gäste waren der Einladung gefolgt, die die Gelegenheit zum Austausch und zum Kennenlernen der Räumlichkeiten nutzten. Sie kamen aus den umliegenden Kommunen, von den Kooperationspartnern der Erziehungsberatungsstelle, wie z.B. Caritas, Diakonie, SPV gGmbH, Schulsozialarbeit oder Polizei, und aus der Politik.
Landrat Thomas Will sprach in seiner Begrüßung von der Bedeutung, die die Beratungsstellen - im Südkreis gibt es eine weitere des Kreises - für Familien haben. „Sie sind dringend nötig, wenn wir uns die Veränderungen in der Gesellschaft anschauen“, sagte der Landrat. Er erwähnte die haushaltspolitisch zugespitzte Lage, in der die Kommunen sich derzeit befinden - und zwar hessen- und deutschlandweit. Wer die Geldbeträge kenne, die in der Pflichtaufgabe Jugendhilfe manchmal für ein einziges Kind nötig werden - sechsstellige Summen, bis in den oberen Ziffernbereich -, der wisse, „dass frühzeitiges Einschreiten umso wichtiger ist“. Umso unverständlicher, dass Präventionsarbeit als freiwillige Aufgabe gilt.
„Ein Tropfen Prävention ist besser als ein Liter Heilung“ betonte denn auch Christine Plenzig, Fachbereichsleiterin Jugend und Familie der Kreisverwaltung. Sie dankte all ihren Mitarbeiter*innen in den Fachdiensten der Jugendhilfe dafür, dass sie trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für die Familien da sind: „Es ist beeindruckend, was Sie auf die Beine stellen.“ Christine Plenzig sprach von Systemen, die überlastet sind, vom „Instituts-Hopping“ junger Menschen, von nachlassender Bildungs- und Erziehungsfähigkeit von Eltern. Umso wichtiger seien Prävention, Netzwerkarbeit und die passende Umgebung für die Beratung von Eltern, Kindern und Jugendlichen. Und „es braucht vorbeugende Sozialpolitik“.
Nicole Liederbach, Leiterin des Fachdiensts Erziehungsberatung, skizzierte kurz die Angebote: von den Frühen Hilfen über Präventionsarbeit in Schulen und Gruppen bis zu den offenen Sprechstunden. Fabio Attardo vom Fachbereich Jugend und Familie nannte in seinem kurzen Vortrag über „Bedeutung und Wirkungsweisen von Prävention in der Jugendhilfe“ Daten zu den sozioökonomischen Rahmenbedingungen im Kreis Groß-Gerau und betonte: „Am Ende geht es bei unserer Arbeit darum, die Familien zu stärken.“
Wie viele Menschen zusammen an dieser Aufgabe arbeiten, wurde bei der Veranstaltung am Freitag deutlich. Um die vorbeugenden Hilfen noch stärker in den Fokus zu rücken, soll es im kommenden Jahr einen Präventionstag geben, für den am Freitag bereits Ideen gesammelt wurden.
