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Mit dem Job-Turbo in Arbeit kommen

Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten im Kreis Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Mit der Einführung des „Job-Turbo“ wollen das Bundesministerium und die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten beschleunigen. Grundsätzlich gilt: Wer einen Integrationskurs absolviert hat, soll so schnell wie möglich erste Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sammeln, soll sofern möglich und notwendig weiterqualifiziert werden und berufsbegleitende (Sprach-)Fördermöglichkeiten nutzen können.

Umgesetzt werden soll der „Job-Turbo“ im Rahmen eines „Drei-Phasen-Modells“, das nach einer ersten Orientierung und dem grundständigen Erwerb der deutschen Sprache eine schnellstmögliche Arbeitsaufnahme in Kombination mit beschäftigungsbegleitender Qualifizierung vorsieht. Die letzte Phase definiert sich durch die Ziele der beruflichen Beschäftigungsstabilisierung und potentiellen Weiterentwicklung zu Fachkräften.

„Auf den ersten Blick stellen die Erfordernisse der Arbeitsmarktintegration für uns als Zuwanderungskreis mit langjähriger Migrationserfahrung kein grundsätzliches Novum dar“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan. Ob Sprachvermittlung, Anerkennung oder der Erwerb beruflicher Qualifikationen, Arbeitsaufnahme und weitergehende soziale Fragen einer gelingenden Integration – im Allgemeinen liegen hier ähnliche Bedarfslagen vor. „Es sind aber weitere Faktoren, die im Fluchtkontext berücksichtigt werden müssen: Es kommen vergleichsweise viele Menschen kurzfristig – und das stellt die gesamte Infrastruktur unterstützender Leistungen vor enorme Herausforderungen“, so Oyan.

Elke Rothenheber, Bereichsleitung „Arbeitsmarkt und Integration“ des Kommunalen Jobcenters (KJC), skizziert die aktuellen Ergebnisse der Arbeitsmarktintegration am Beispiel der geflüchteten Ukrainer*innen im Kreis Groß-Gerau: „Seit dem 1.6.2022, dem Zeitpunkt der Übernahme der Zuständigkeit durch die Jobcenter, haben wir 254 Integrationen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen bzw. Ausbildung erzielt. Das ist, gemessen an der Tatsache, dass wir allein mit dieser Personengruppe rund 1500 Menschen zusätzlich und mit allen erforderlichen flankierenden Unterstützungsmaßnahmen in die Regelbetreuung aufgenommen haben, eine Leistung, die Respekt verdient.“

Gerade am Beispiel der ukrainischen Geflüchteten (häufig Frauen in Erziehungsverantwortung) lasse sich jedoch auch nachzeichnen, in welchem Ausmaß sich grundlegend bestehende Engpässe – wie der bundesweite Mangel an Kinderbetreuungsplätzen – bei der Integration dieser Personengruppe in den Arbeitsmarkt niederschlügen.

Die Zielsetzung des proklamierten Job-Turbos unterstützt Elke Rothenheber uneingeschränkt, auch die Einführung weiterer berufsbegleitender (Sprach-)Fördermöglichkeiten begrüßt sie ausdrücklich. Dass zwischen den Elementen des Job-Turbos und dem bereits praktizierten Vorgehen im KJC wesentliche Unterschiede auszumachen sind, kann sie aus praktischer Erfahrung heraus nicht durchgängig bestätigen: „Auch bislang erhöhten unsere Integrationsfachkräfte die Kontaktdichte der Beratungsgespräche mit Geflüchteten nach beendetem Integrationskurs, denn an diesem Punkt setzt unsere Vermittlungsarbeit ja richtig ein. Ob durch einen Direkteinstieg, eine Teilnahme an einem Kursangebot aus den regulären Maßnahmen oder eine (Teil-)Qualifikation, ein Einstiegspraktikum bei einem Arbeitgeber, ein berufsbegleitendes Coaching oder durch die bewerberorientierte Vermittlung unseres Arbeitgeberservice – bislang waren die Instrumente sehr vielfältig und die Wege zum Ziel unterschiedlich zeitintensiv.“ 

Verstärkte Möglichkeiten des unmittelbaren Einstiegs in den Arbeitsmarkt wünscht das Jobcenter auch den geflüchteten Leistungsempfängern. „Darum greifen wir die begleitenden Fördermöglichkeiten des Job-Turbos gern auf, um mit vereinten Kräften von Agentur für Arbeit, Jobcenter, Unternehmen und Sozialpartnern den Direkteinstieg in den Arbeitsmarkt zu befeuern.“ Eine intensive Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, Bad Homburg legt dafür einen guten Grundstein: Zur passgenauen Vermittlung von Geflüchteten richten beide Institutionen bereits Hand in Hand branchenspezifische Bewerbertage mit Unternehmen aus.

Nicht zuletzt kann der schnellere Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht ohne ausgeprägte Motivation und Engagement der Geflüchteten selbst gelingen.

Neben allen bereits benannten Angeboten findet im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche zum Job-Turbo am 25. April im Kommunalen Jobcenter – Servicebüro Groß-Gerau – unter dem Titel „Mit dem Turbo in Arbeit“ eine Gruppeninformation für Geflüchtete mit absolviertem Integrationskurs statt.

Weitere Informationen zur Veranstaltung auf: https://jobcenter-gg.de/leistungsberechtigte-arbeitsuchende/veranstaltungen.

Informationen zum Job-Turbo veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter: https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Migration-und-Arbeit/Flucht-und-Aysl/Turbo-zur-Arbeitsmarktintegration-von-Gefluechteten/turbo-zur-arbeitsmarktintegration-von-gefluechteten.html

 

Zahlen, Daten, Fakten für einen Hintergrundkasten mit Bezug zu ukrainischen Leistungsempfängern im Kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau

Im Dezember 2023 (letztgültiger gesicherter Datenstand nach einer Wartezeit von drei Monaten) betreute das Kommunale Jobcenter Kreis Groß-Gerau 1110 Haushalte (sog. „Bedarfsgemeinschaften“) mit 1559 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, davon 1017 Frauen. 314 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern wurden durch Alleinerziehende geführt, 204 weitere Bedarfsgemeinschaften mit Kindern im Rahmen einer Partner-Bedarfsgemeinschaft. Unter den 672 nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten waren 79 Kinder unter drei Jahren, 116 Kinder zwischen drei und sechs Jahren und 477 Kinder, die sechs Jahre und älter waren.

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