Leben im Zentrum von Walldorf
KREIS GROSS-GERAU – An Heiligabend 1924 zur Welt gekommen ist die Walldorferin Katharine Haas, geborene Jourdan. Den besonderen Geburtstag beging die Hundertjährige - von allen Kätha genannt - mit ihrer Familie und weiteren Gästen am Dienstag, 24. Dezember, im Altenhilfezentrum in Mörfelden, wo sie seit fünf Jahren lebt. Für weihnachtlich-festliche Musikbegleitung während des Zusammenkommens sorgte ein Trio mit den Instrumenten Querflöte, Klarinette und Kontrabass.
Unter den Gratulanten waren auch Mörfelden-Walldorfs Bürgermeister Thomas Winkler, der die Familie als alter Nachbar gut kennt, und Landrat Thomas Will, der zu seinen Glückwünschen einen großen Blumenstrauß und die Urkunde des Kreises mitbrachte. „Vor 100 Jahren - da war noch Weimarer Republik. Wenn man sich vorstellt, wie viele historische Wendepunkte und gesellschaftliche Veränderungen man da im Lauf dieser Jahrzehnte in seinem persönlichen Leben mitgemacht hat“, sagte der Landrat im Gespräch mit dem älteren der beiden Söhne, Dr. Roland Haas.
Dessen Mutter stammt aus einer alten Walldorfer Familie. Einer ihrer Großväter war Abraham Coutandin III, der „Schlappewirt“. Ihre Familie betrieb nach dem 2. Weltkrieg den Waldenserhof in der Unteren Langstraße - den Treffpunkt im Ort, ob bei Tanzveranstaltungen, Fußballspielen, Vereinstreffen oder Ausstellungen von Tierzüchtern. Die Mutter der Jubilarin führte zudem ein Kolonialwarengeschäft, was auch zur Bekanntheit der Familie beitrug.
Ebenfalls nach dem Krieg lernte Kätha Haas ihren bereits im Jahr 2011 verstorbenen Mann Ferdinand kennen - „auf der Gass`“. Er stammte aus dem Sudetenland, machte noch seinen Maurergesellen und arbeitet zusätzlich zu den Diensten in der Dorfgaststätte Waldenserhof fürs amerikanische Militär im Frachtbereich am Frankfurter Flughafen.
Roland Haas erinnert sich lebhaft an das manchmal beengte Familienleben mit drei Generationen im Waldenserhof. Es endete, als Vater Haas seinen Wunsch umsetzte und - mit der Hilfe eines der ersten italienischen Gastarbeiters, mit Gino - sein eigenes Haus in der Emil-von-Behring-Straße in Walldorf baute. Als die Söhne bereits groß waren, zog das Ehepaar Haas noch für ein paar Jahre in den Odenwald.
Prägend war aber in jedem Fall die Zeit im Waldenserhof. „Meine Mutter war noch lange danach wie die lebende Ortschronik“, so Roland Haas. Sie hatte das soziale Leben des alten Walldorf im Kopf - auch noch viele Jahre nach der Beendigung des Gaststättengeschäfts.
