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„Kerosin jetzt entschwefeln“

KAGZRM: Aufforderung ans Umweltministerium

KREIS GROSS-GERAU – Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Zukunft Rhein-Main (KAGZRM) appelliert mit Nachdruck an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, den Schutz der Bevölkerung im Umfeld des Frankfurter Flughafen wirksam zu stärken und sich für eine deutliche Absenkung des Schwefelgehalts von Kerosin einzusetzen.

Der im Flugkraftstoff enthaltene Schwefel ist ein maßgeblicher Einflussfaktor für die Bildung ultrafeiner Partikel (UFP) im Umfeld von Flughäfen. Bei der Verbrennung wird Schwefel zu Schwefeldioxid oxidiert und kann in der Abgasfahne zu Schwefelsäure reagieren. Diese Prozesse begünstigen die Neubildung besonders kleiner Partikel, die in der Immissionsbelastung im Flughafenumfeld nachweislich eine bedeutende Rolle spielen.

Trotz der seit Jahren bekannten gesundheitlichen Risiken durch Ultrafeinstaub, der insbesondere im Nahbereich großer Verkehrsflughäfen in erhöhten Konzentrationen auftritt, fehlen bislang verbindliche Grenzwerte für Schwefel- und Aromatengehalte im Flugkraftstoff. Nach Auffassung der KAGZRM ist die technische Umsetzung einer weitergehenden Entschwefelung von Kerosin sowohl technisch realisierbar als auch wirtschaftlich vertretbar – und vor allem aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes dringend geboten.

In einem erneuten Schreiben an das Bundesministerium nimmt die KAGZRM Bezug auf die Einführung eines Monitorings im Rahmen der europäischen Verordnung ReFuelEU Aviation. Seit 2025 ist demnach ein verbindliches Monitoring des Schwefel- und Aromatengehalts von Kerosin vorgesehen. Die KAGZRM fordert Transparenz hinsichtlich der bislang erhobenen Daten sowie eine Darlegung, welche konkreten regulatorischen Schritte zur Einführung verbindlicher Grenzwerte daraus abgeleitet werden sollen. Ein weiteres Zuwarten ist aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft der betroffenen Bevölkerung nicht länger zumutbar. Der Staat ist zu einem effektiven Schutz von Leben und Gesundheit verpflichtet. Darüber hinaus ergeben sich entsprechende Verpflichtungen aus europäischen sowie menschenrechtlichen Vorgaben, die einen vorbeugenden Gesundheitsschutz gebieten.

Während für Benzin, Diesel und Schiffsdiesel seit Jahren strenge gesetzliche Schwefelgrenzwerte gelten und die hierfür erforderlichen Raffinerieverfahren etabliert sind, unterliegt Flugkraftstoff bislang einer deutlich geringeren Regulierung. Aus Sicht der KAGZRM ist es nicht nachvollziehbar, dass gesundheitliche Belastungen weiterhin hingenommen werden, obwohl geeignete technische Lösungen zur Verfügung stehen. Die KAGZRM weist zudem darauf hin, dass der volkswirtschaftliche Nutzen einer Reduzierung gesundheitsbedingter Folgekosten die mit einer weitergehenden Entschwefelung verbundenen Aufwendungen voraussichtlich übersteigen dürfte. Unabhängig davon muss der Schutz von Leben und Gesundheit jedoch stets Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen haben.

UFP sind besonders gesundheitsrelevant, da sie aufgrund ihrer geringen Größe tief in die Lunge eindringen, die Blut-Luft-Schranke überwinden und sich im gesamten Organismus verteilen können. Sie stehen im Verdacht, systemische Entzündungsreaktionen auszulösen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie weitere chronische Leiden zu erhöhen. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften werden sie bislang nicht in gleichem Maße reguliert wie größere Feinstaubfraktionen, obwohl ihre gesundheitliche Bedeutung wissenschaftlich zunehmend belegt ist.

Die KAGZRM fordert das Bundesumweltministerium daher auf, sich auf nationaler wie internationaler Ebene mit Nachdruck für die Festlegung ambitionierter und gesundheitlich wirksamer Grenzwerte für Schwefel- und Aromatengehalte im Kerosin einzusetzen. „Für einen wirksamen Gesundheitsschutz im Umfeld des Frankfurter Flughafens bedarf es klarer regulatorischer Vorgaben und entschlossenen politischen Handelns“, bekräftigen die Sprecherin und Sprecher der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft ihre Forderung.

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