Hilfen suchen und finden
KREIS GROSS-GERAU – Die modulare Wanderausstellung „Weil Pflege Zukunft braucht“ ist aktuell im Foyer des Groß-Gerauer Landratsamts zu sehen. Sie wird von der AOK Hessen kostenfrei zur Verfügung gestellt und ist Teil der Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren - Die hessische Initiative“, die von der AOK entwickelt wurde. Bis Freitag, 14. Juli, können sich die Beschäftigten der Kreisverwaltung sowie Besucher*innen, die sich mit dem Thema befassen, dort informieren.
Zentrale Funktion der Wanderausstellung ist die Aufklärung und damit die Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Als Hingucker dienen Cartoons. Die künstlerisch gestaltete Bebilderung zieht in die Präsentation hinein.
Die fünf Schwerpunktthemen sind:
• Pflege in Deutschland – Wie verändert Pflege unsere Gesellschaft?
• Aufgabe der Unternehmen – Warum ist das Thema für Unternehmen wichtig?
• Betriebliche Lösungsansätze – Zeigen wie es geht!
• So viel Hilfe gibt es schon – Wo und wie findet man Rat, Hilfe und Unterstützung?
• Angehörigen wird geholfen – Entlastung für Betroffene (pflegende Angehörige).
„Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Partnern bedanken, die uns bei der Umsetzung dieser wichtigen Initiative unterstützen“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Adil Oyan zur Eröffnung am Montag. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Pflegestützpunkts, der Altenhilfeplanung im Kreis Groß-Gerau und den Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten / Pflege-Guides der Kreisverwaltung. Adil Oyan betonte, dass der demographische Wandel in Deutschland ein wesentlicher Faktor bei der Situation der Pflege heute sei. Schon vor drei Jahrzehnten sei bekannt gewesen, dass die Bevölkerung stark altert, dass Arbeitskräfte fehlen werden, dass gesteuerte Zuwanderung nötig ist, um die entstehenden Lücken - nicht nur, aber gerade auch in der Pflege - auszugleichen. Denn die familiären Strukturen sind nicht mehr so, dass Angehörige (allein) die Pflege von alten und kranken Menschen in der Familie leisten könnten. Wer voll seinem Beruf nachgeht, kann nicht nebenbei voll betreuen und pflegen.
Das sagte auch die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Alina Bonsen in ihren einführenden Worten. Umso wichtiger sind die Unterstützungsangebote - auf die in der Ausstellung hingewiesen wird. Stefanie Steinfeld von der Altenhilfeplanung im Kreis Groß-Gerau beschrieb, welche Unterstützung und Maßnahmen für pflegende Beschäftigte wichtig sind, damit sie die Doppelbelastung zumindest für eine gewisse Zeit bewältigen können. Zehn Punkte seien dafür wichtig: Abgrenzung (Was kann ich tatsächlich leisten?), Unterstützung durch den Arbeitgeber, Information und Beratung, ein verlässliches Hilfenetz, Schulung und Training, finanzielle Unterstützung (z.B. Hilfe bei Antragstellung), emotionale Unterstützung, Entlastung, Netzwerke und soziale Kontakte (um nicht in Isolation zu landen) sowie digitale Unterstützung (z.B. durch Telemedizin).
Im Kreis Groß-Gerau gibt es bereits ein gutes Netzwerk an Hilfen. Niemand sollte sich scheuen, es in Anspruch zu nehmen, so Stefanie Steinfeld. Sie übergab mit diesen Worten an Vicky Gering-van Husen vom Pflegestützpunkt, die die Anlaufstelle für alle Fragen im Bereich Pflege kurz skizzierte. Besonders wichtig: Beraten wird trägerneutral und kostenlos für die Ratsuchenden. „Für jede Pflegesituation muss eine individuelle Lösung gefunden werden - und deshalb ist ein persönliches Gespräch im Pflegestützpunkt sinnvoll“, ermunterte Vicky Gering-van Husen Betroffene, sich an diese Stelle im Landratsamt zu wenden.
Die Ausstellung „Weil Pflege Zukunft braucht“ ist zu den Öffnungszeiten des Landratsamts zugänglich.
