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„Ei, der Lange spricht ja Englisch“

Landrat Will gratuliert Rosel und Siegfried Kugies zur Gnadenhochzeit

KREIS GROSS-GERAU – „Ei, der Lange spricht ja Englisch“ – wenn Siegfried Kugies aus seinem bewegten Leben erzählt, darf diese Episode nicht fehlen. Als junger Rangierer, der auf der Rhein-Main Air Base in Frankfurt Flugzeuge für die Berliner Luftbrücke beladen hatte, war er nämlich einer der wenigen, die sich mit den Soldaten in ihrer Sprache unterhalten konnten. Mehr als 70 Jahre liegt das zurück. Genau 70 Jahre ist es her, dass er und seine Rosel sich in Trebur das Jawort gegeben haben. Jetzt wurde Gnadenhochzeit gefeiert.

Die Fremdsprache hat ihn, der in seinem Buch „Der ostpreußische Eisenbahner und die Amerikaner“ seine Lebensgeschichte ausführlich geschildert hat, zeitlebens begleitet. Er hatte auf seinem Gymnasium in Ostpreußen Englisch, später, während der Kriegsgefangenschaft in den USA verfeinerte er die Sprachkenntnisse – und lernte im Demokratieunterricht auch viel über das deutsche NS-Regime. 1946 wurde er nach Wales verlegt, arbeitete auf einem Bauernhof. Als er erfuhr, dass es seine Familie nach Trebur verschlagen hatte, zog er 1948 ebenfalls dorthin. Einen Job fand er bei der Eisenbahn. Im Gleisbau, dann als Rangierer.

„Ich bin der letzte Zeitzeuge, der als Rangierer bei der Luftbrücke mit dabei war“, sagt der 95-Jährige. Und berichtet von der Knochenarbeit, die nötig war, um die Flugzeuge zu beladen. Die Fracht kam ganz überwiegend mit der Eisenbahn. Die Freundschaft zu den Amerikanern zog sich durch seine berufliche Karriere bei der Bahn, vielfach hatte er mit alliierten Streitkräften zu tun. Die engen Kontakte blieben. Auch privat war das Paar viel auf Reisen unterwegs, wie Frau Rosel (92) erzählt, doch der Anfang war mühsam: „Als wir 1952 heirateten, haben wir buchstäblich mit nichts angefangen.“  

Fremdsprachen-Kenntnisse waren freilich nicht vonnöten, als sie sich kennen lernten, „hier in Trebur, auf dem Tanzfest, 1948“, berichtet Rosel Kugies und lacht. Ihr Mann hat sich später auch politisch engagiert, von 1981 bis 1997 war er Vorsitzender der Gemeindevertretung in Trebur. Treffen mit der Familie des Sohnes, den drei Enkeln und einem Ureinkel, bereiten dem Paar, das auch im hohen Alter noch alleine den Haushalt führt, große Freude. „Rosel kocht mit Leidenschaft für alle, das lässt sie sich nicht nehmen“, sagt der Sohn.

Gespannt und interessiert hörten jetzt auch Landrat Thomas Will und Treburs Erster Beigeordneter Jan Bachmann, die dem Ehepaar zur Gnadenhochzeit gratulierten, den Erinnerungen zu. „Alles Gute, Glückwunsch, Klasse“, sagte Will, der mit einem sommerlichen Blumenstrauß die besten Wünsche des Kreisausschusses überbrachte. Urkunden, Glückwüsche des Landes Hessen und der Gemeinde Trebur sowie als Geschenk die Original-Niederschrift der Eheschließung gab es von Jan Bachmann.

Gnadenhochzeit Foto

Blumen am Ehrentag: Landrat Thomas Will (rechts) und Treburs Erster Beigeordneter Jan Bachmann gratulierten Rosel und Siegfried Kugies zur Gnadenhochzeit in Trebur. Bild: Kreisverwaltung