Der frühe Blüher fängt das Licht
KREIS GROSS-GERAU – Kaum werden die Tage im Frühjahr länger und erste Sonnenstrahlen erwärmen den Boden, erscheinen sie plötzlich überall: Winterlinge, Bärlauch, Scharbockskraut oder Buschwindröschen. All diese sogenannten Frühblüher nutzen die wenigen Wochen, bevor sich das Blätterdach der Bäume schließt. Darüber informiert die Untere Naturschutzbehörde.
In unseren Laubwäldern gelangt im zeitigen Frühjahr noch viel Licht bis zum Waldboden. Sobald Bäume und Sträucher austreiben, wird es dort deutlich dunkler. Für viele kleine Pflanzen wäre dann nicht mehr genug Sonnenlicht vorhanden, um genug Energie für ihr Wachstum und die Blütenbildung zu gewinnen. Frühblüher haben deshalb eine besondere Strategie entwickelt: Sie wachsen, blühen und bilden ihre Samen, bevor die Bäume vollständig austreiben.
Der schnelle Start im Frühjahr gelingt den Pflanzen nur, weil sie bereits im Vorjahr vorsorgen. Frühblüher speichern Energie in unterirdischen Pflanzenteilen wie Zwiebeln, Knollen oder Rhizomen. In diesen Speicherorganen werden Reservestoffe, insbesondere Stärke, gelagert. Im Frühjahr wird die Stärke wieder zu Zuckern abgebaut und liefert Energie für Wachstum und Blütenbildung.
Dank dieser Vorräte können die Pflanzen bereits sehr früh austreiben, auch wenn die Temperaturen noch niedrig sind und die Sonneneinstrahlung gering ist. Innerhalb weniger Wochen entwickeln sie ihre Blüten. Wenn sich im späten Frühjahr das Blätterdach der Bäume schließt, ziehen sich die Pflanzen wieder zurück. Die oberirdischen Teile welken und verschwinden. Unter der Erde überdauern die Speicherorgane bis zum nächsten Jahr.
Auch die niedrigen Temperaturen im Spätwinter stellen für viele Frühblüher kein Problem dar. Einige Arten bilden natürliche „Frostschutzmittel“, etwa durch Zucker oder spezielle Proteine, die das Gefrieren des Zellwassers verhindern. Manche Frühblüher nutzen die Sonnenwärme besonders geschickt: Beim Winterling wirkt die schalenförmige Blüte wie ein kleiner Sonnenkollektor. Die Temperatur in der Blüte kann einige Grad über die der Umgebungstemperatur steigen und lockt so auch bei kühlem Wetter die ersten Bestäuber an.
So spielen Frühblüher auch für die Tierwelt eine wichtige Rolle. Zu dieser Jahreszeit blühen nur wenige Pflanzen. Für die ersten aktiven Insekten, etwa Wildbienen, Hummeln oder Fliegen, sind die Blüten daher eine wichtige Nahrungsquelle nach dem Winter. Im Gegenzug sorgen die Insekten für die Bestäubung der Pflanzen. Dieses Zusammenspiel gehört zu den ersten sichtbaren Zeichen des erwachenden Frühlings.
