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Bundesweit einzigartiger Lehrgang

Neue Führungswerkstatt - Führungskraft der Kreisverwaltung (IHK)

KREIS GROSS-GERAU – Im Zuge seines Arbeitgebermarketings geht der Kreis Groß-Gerau neue Wege. Um Führungskräfte zu gewinnen und diese gut auf ihre anspruchsvollen Aufgaben vorzubereiten, hat der Kreis einen bundesweit einzigartigen Führungskräftelehrgang ins Leben gerufen. Im Zentrum stehen dabei die Stärkung des eigenen Profils, Selbstreflexion und Praxistransfer.

In Kooperation mit der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar entstand so der Lehrgang Führungskraft der Kreisverwaltung (IHK). Es ist der erste auf den Bedarf und die Herausforderungen der öffentlichen Verwaltung zugeschnittene Führungskräftelehrgang, der mit einem IHK-Zertifikat abschließt. Patrick Fiederer, Elias Weber-Ajaga und Kanya Pawlewicz-Rupp sind die geistigen Eltern und Umsetzer dieses Lehrgangs, der im Rahmen der Personalentwicklung geschaffen wurde. Der erste Durchgang fand im Juni 2023 mit Übergabe der ersten IHK-Zertifikate und einem Grillfest - bei dem der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan den Teilnehmer*innen für ihr Engagement dankte - seinen Abschluss. Aufgrund des großen Erfolgs bietet die Kreisvolkshochschule Groß-Gerau den Lehrgang allen interessierten Mitarbeiter*innen des Öffentlichen Dienstes ab Oktober öffentlich an (Informationen und Anmeldung dazu bei der KVHS).

Zur Geschichte der Führungswerkstatt:

Traditionell legt die Kreisverwaltung Groß-Gerau großen Wert auf die Führungskräfteausbildung. Ihre Bedeutung wurde im Laufe der Corona-Pandemie, mit ihren vielfältigen und teils erstmals auftretenden Anforderungen, verstärkt deutlich.
Das bisherige Programm „Führungswerkstatt“ wurde intern organisiert und von externen Dozenten ausgeführt. Es stieß jedoch 2020 an seine Grenzen. Dafür konnten sowohl organisatorische als auch inhaltliche Gründe ausgemacht werden: Das Fehlen einer verbindlichen Teilnahme in einem begrenzten Zeitraum führte zusammen mit nicht ausreichender inhaltlicher Stringenz zu Ineffizienz. Zudem war das Programm lange nicht an die aktuellen Anforderungen angepasst worden.

Teilnehmer*innen kritisierten, dass die Inhalte häufig zu weit von der Realität der Kreisverwaltung entfernt waren. Auch könnten externe Dozenten viele Vorgänge nicht im Kontext der Verwaltung verstehen oder ihre Inhalte darauf übertragen. Eine Generalüberholung wurde daher notwendig.

Patrick Fiederer (damals Fachdienstleiter Organisations- und Personalentwicklung) erkannte die Thematik und reagierte entschlossen: Es sollte ein vollständig neues Konzept entstehen, das Führungskräfte in die Lage versetzt, alltäglichen Anforderungen und Krisen gleichermaßen sicher zu begegnen. Zusammen mit Elias Weber-Ajaga (Organisationsberater im damaligen Fachdienst Organisations- und Personalentwicklung) nahm Patrick Fiederer die Arbeit auf. Nach einer gründlichen Analyse, wiederholten Betrachtungen und intensiven Abstimmungen stand das Fundament der neuen Führungswerkstatt. Es stellt in mehrfacher Hinsicht einen Paradigmenwechsel dar, wie im Folgenden aufgezeigt wird.

Das neue Konzept:

Grundlage des Konzepts ist die Überzeugung, dass jede Führungskraft bereits alles mitbringt, was sie braucht, um aus ihrer Mitte heraus sicher zu führen.

Zweitens zielt das Konzept auf Selbstwirksamkeit, anstatt auf ein Bild davon, wie Führung idealtypisch funktioniert. Es stellt bewusst die Talente jeder einzelnen Führungskraft in den Fokus und würdigt sie als Ressourcen. Die neue Führungswerkstat versteht sich gewissermaßen als Werkzeugkoffer, der den Teilnehmer*innen angeboten wird, um ihre Talente umzusetzen. Das Angebot reicht von klassischen Führungselementen über systemisches Denken bis hin zu agilen und gesundheitsbewussten Führungsansätzen.

Kritik früherer Teilnehmer*innen, die Inhalte seien zu wenig spezifisch, wurde ernst genommen. Deshalb wurde die neue Führungswerkstatt aus dem Verständnis des Hauses heraus entwickelt. Dafür wurden die gesellschaftlichen Mega-Trends (Demografie, Gesundheit, Wertewandel, Generationenkonflikt etc.) vor der Frage geprüft, wie sie auf das Haus wirken. Zudem werden fortan fast alle Module von internen Dozenten vermittelt.

Mit Blick auf die Effektivität und die Nachhaltigkeit des Lehrgangs wurde viertens der Umfang der Führungswerkstatt von sechs auf acht Module erweitert, mit nunmehr 16 Präsenztagen. Ziel war es dabei, Themen und Diskussionen Raum zu geben, um den Praxistransfer zu fördern. Weiter wurde der zuvor kaum verbindliche Rahmen durch ein Pflicht-Curriculum mit Zeitlimit ersetzt. Die insgesamt acht Module sind innerhalb eines Jahres zu absolvieren, wobei es grundsätzlich möglich ist, versäumte Module nachzuholen. Zuvor war ein Zeitraum von zwei Jahren empfohlen, um sechs Module zu besuchen - was so nicht funktionierte.

Das Bild der Führungskraft als Einzelkämpfer*in wird abgeräumt. Stattdessen wird das Selbstverständnis gefördert, Teil eines Teams von Ermöglicher*innen in vielfältigen Rollen zu sein. Konsequent wird auf ein Verständnis der Führungskräfte als Netzwerk hingearbeitet.

Zusammengenommen bietet die neue Führungswerkstatt ihren Teilnehmer*innen ein beachtliches Instrumentarium sowie einen geschützten Raum, um aktuelle Themen zu diskutieren und sie vor dem Hintergrund der eigenen Arbeitswirklichkeit sowie der gebotenen Perspektiven und Methoden zu reflektieren.

Kooperation mit der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar:
Der Lehrgang hält jedem Vergleich mit marktgängigen Führungskräfte-Lehrgängen Stand. Elias Weber-Ajaga beschloss daher, eine Kooperation mit der IHK Darmstadt Darmstadt Rhein Main Neckar zu initiieren - mit dem Ziel, den Teilnehmer*innen den Erwerb eines IHK-Zertifikats zu ermöglichen. Zwar hatte es eine Kooperation zwischen einer Kreisverwaltung und einer Industrie- und Handelskammer bisher nicht gegeben. Doch die IHK ist vom Konzept mit seinem hohen Anspruch und Umfang überzeugt, worauf die bundesweit erste Kooperation dieser Art entstand.

Mithin sind die Teilnehmer*innen die bisher einzigen im Öffentlichen Dienst in Deutschland, denen es möglich ist, im Zuge eines dienstlichen Lehrgangs ein IHK-Zertifikat zu erwerben. Erforderlich ist dafür die Teilnahme an mindestens 80 Prozent der Präsenzen, das Einreichen einer schriftlichen Ausarbeitung sowie deren Verteidigung. Anschließend wird das Zertifikat „Führungskraft der Kreisverwaltung (IHK)“ verliehen.

Positives Fazit:

„Es ist erfreulich zu sehen, wie gut das Konzept angenommen wurde. Dafür sprechen die durchweg positiven Rückmeldungen der Teilnehmer*innen“, sagt Elias Weber-Ajaga dazu. „In den Abschlussarbeiten und den mündlichen Verteidigungen kam zudem sehr schön hervor, wie tief die Inhalte reflektiert wurden und wie breit der Transfer gelungen ist. Unser Ansatz, neue Wege zu gehen, individuelle Profile und Stärken herauszuarbeiten, hat sich gelohnt.“

Auch die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen sind eindeutig: Sie sind sich einig, dass die neue Führungswerkstatt die bestmögliche Vorbereitung auf ihre Führungsrolle war oder, sofern sie schon in Führungsverantwortung waren, die beste Weiterbildung.

Mittlerweile verantwortet und gestaltet Kanya Pawlewicz-Rupp - die im Januar 2023 den neu zugeschnittenen Fachdienst Personalentwicklung von Patrick Fiederer übernommen hat - die Führungswerkstatt. Sie zieht ein erstes, positives Fazit: „Insbesondere das Engagement, die Leidenschaft und Begeisterung der Teilnehmenden haben mich sehr beeindruckt. Unsere Führungskräfte waren nicht nur bereit, sich intensiv mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen, sondern sie haben Themen und Fragestellungen sofort auf ihre eigene berufliche Praxis angewendet. Ich bin überzeugt, dass sowohl sie selbst als auch die Mitarbeitenden und unsere Kund*innen von den gemachten Erfahrungen profitieren werden.“

 

 

Führungswerkstatt Foto

Die Teilnehmer*innen beim Grillfest zum Abschluss der neuen Führungswerkstatt der Kreisverwaltung Groß-Gerau. Foto: Kreisverwaltung