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Besuch im Traditionsbetrieb

Landrat besichtigt Schollmayer Holz GmbH in Gustavsburg

KREIS GROSS-GERAU – Bei der Schollmayer Holz GmbH stand der jüngste Betriebsbesuch von Landrat Thomas Will an. Das 1853 gegründete, Holz verarbeitende Traditionsunternehmen aus Kostheim ist seit Anfang der 2000er Jahre in Gustavsburg ansässig und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stets weiterentwickelt, wie der Landrat erfuhr. Begleitet wurde er bei der Betriebsbesichtigung, die Geschäftsführer Daniel Schollmayer und sein Vater Franz Schollmayer ermöglichten, von Jonas Margraff, dem Leiter des Fachdiensts Wirtschaft in der Kreisverwaltung, und Wirtschaftsförderer Andreas Klopp von der Stadt Ginsheim-Gustavsburg.

Inzwischen besteht der Betrieb in der sechsten Generation. Mit der Holzverarbeitung fing alles an, damals bei der Gg. H. Schollmayer KG. Ab 1904 stand das Sägewerk am Floßhafen Kostheim; es wurde Mitte der 90er Jahre geschlossen, erfuhren die Gäste. Ab dem Jahr 1925 produzierte Schollmayer Autositze aus Holz für Opel, ab 1950 fertigte man CKD-Verpackungen für die Autoindustrie. 1985 kamen die verleimten Gerüstbauteile hinzu und rund ein Jahrzehnt später die Tochtergesellschaften ALC GmbH und Schollmayer Logistics GmbH.

Neueste Weiterentwicklung ist die Marke loopwood. Unter der Überschrift „Jedes Stück eine Geschichte“ entstehen Tische, Fußböden und Akustikpaneele aus gebrauchten Dielen aus dem Gerüstbau. Daniel Schollmayer erklärte an einzelnen Hölzern und auch anhand des Tisches, um den sich die Gruppe versammelt hatte, wie die Bretter - die nach etwa zehn Jahren Gebrauch als Gerüstboden am Ende sind - gereinigt und bearbeitet werden, sodass etwas Neues aus ihnen entstehen kann.

Aktuell hat die Firma im Holzbereich rund 25 Mitarbeiter. Auf 5000 Quadratmetern Produktionsfläche können bis zu 30.000 Kubikmeter Holz im Jahr verarbeitet werden. Vor allem entstehen Bordbretter und Holzböden für Systemgerüste am Gerüstmarkt. Rund ein Drittel der Baugerüste haben Holzbretter - und von diesen stammen auf dem deutschen Markt rund 80 Prozent vom Unternehmen Schollmayer, hörte der Landrat von Franz Schollmayer. „Wir sind maximal auf Gerüstbau spezialisiert“, ergänzte Daniel Schollmayer.

Als Dienstleister und Zulieferer für die Automobilindustrie beschäftigt der Betrieb rund 200 Mitarbeiter. Sie montieren und sequenzieren Autoteile, zum Beispiel Stoßfänger oder Kraftstofftanks. Auch die Tochterunternehmen in der Industriedienstleistung machen, wie die Holzverarbeitung, rund 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Beim Gespräch mit anschließendem Rundgang durch die Betriebshallen erfuhr Landrat Will noch mehr: Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion werden großgeschrieben bei der Schollmayer GmbH. 60 Prozent des benötigten Stroms, im Sommer sogar bis zu 90 Prozent, werden über die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert. Die Hallen heizt das Unternehmen mit selbstgefertigten Briketts. Das Fichtenholz für die Dielen stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Zu Beginn des Zyklus` wird es in der Produktionshalle zurechtgeschnitten, gelocht, gefärbt und verleimt, Jahre später kommt es zum Upcyceln zurück. „Wir glauben an Holz als nachwachsenden Rohstoff“, beschriebt Daniel Schollmayer den Unternehmensgedanken.

Pläne hat der Juniorchef noch reichlich. Die Möbel aus recycelten Dielen gehen nun in die Vermarktung, „wir sind auf Messen präsent, wollen auch im Ausland aktiv werden und natürlich online.“ Die Möbellinie lässt sich noch erweitern, außerdem könnte das Altholz für Außenfassaden verwendet werden. Die Ideen gehen dem Unternehmen auch nach 170 Jahren nicht aus.

Betriebsbesuch Schollmayer Holz GmbH Foto

Daniel Schollmayer erklärt Landrat Thomas Will und Jonas Margraff von der Kreisverwaltung (von links) den Weg, den das Fichtenholz vom Sägewerk über seinen Betrieb zum Baugerüst und zurück nach Gustavsburg zur Wiederverwertung geht - und welche Arbeitsschritte jeweils nötig sind. Rechts Seniorchef Franz Schollmayer. Foto: Kreisverwaltung