Absichtserklärung unterzeichnet
KREIS GROSS-GERAU – Der Kreis Groß-Gerau will sich an einem Forschungsprojekt zur wissenschaftlichen Untersuchung der Abgabe von Konsumcannabis in Apotheken beteiligen. Im Januar 2025 soll der Antrag bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgegeben werden. Ziele des über fünf Jahre angelegten Projekts sind die wissenschaftlich begleitete Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken in Apotheken und die Gewinnung von Erkenntnissen zu Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft.
Darüber informierten die drei Projektpartner am Donnerstag, 19. Dezember, bei einer Pressekonferenz im Groß-Gerauer Landratsamt. Neben dem Kreis sind dies die Cansativa Group aus Mörfelden-Walldorf, ein erfahrenes Unternehmen auf dem Medizinalcannabis-Markt, und für die wissenschaftliche Begleitung die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Unterschriften unter die auch vom Landrat unterzeichnete Absichtserklärung setzten am Donnerstag der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan und die beiden Cansativa-Geschäftsführer Benedikt und Jakob Sons. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass die Ergebnisse des Forschungsprojekts deutschlandweit und auch in europäischen Nachbarstaaten Interesse finden werden.
Adil Oyan verwies auf den Beschluss des Kreistags vom 8. Juli dieses Jahres, der eine Bewerbung des Kreises Groß-Gerau als Modellregion vorsah. Dieser politische Auftrag könne nun erfüllt werden. Für das Projekt biete sich der Kreis wegen seiner Standortvorteile an (Nähe zum Flughafen, bestehende Infrastruktur mit erfahrenen Logistikern und Großhändlern). „Durch die Beteiligung können wir die gesellschaftliche Akzeptanz von Cannabis fördern und mögliche positive Effekte auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt evaluieren“, zitierte der Erste Kreisbeigeordnete aus der Begründung zum Kreistagsbeschluss.
Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Justus Haucap, der die wissenschaftliche Leitung des Forschungsprojekts innehat, erklärte das Interesse der Forscher: Es gehe nicht um rein medizinische Forschung, sondern um gesellschaftswissenschaftliche Fragen. Etwa: Wie schnell gelingt es, durch die kontrollierte Abgabe von Cannabis den Schwarzmarkt zurückzudrängen? Welche Bezugsquellen werden genutzt und wie ändert sich möglicherweise durch das neue Angebot das Verhalten der Konsumenten? Gibt es Unterschiede bei verschiedenen soziodemographischen Gruppen? Wie sieht es mit der Bereitschaft aus, für legal erworbenes und qualitätsgesichertes Cannabis (mehr) Geld zu bezahlen? Ist eine Besteuerung möglich? Entstehen Arbeitsplätze durch den legalen Markt?
Benedikt und Jakob Sons stellten Cansativa kurz vor und betonten den verantwortungsvollen Umgang mit dem Produkt, den ihre Firma mit rund 60 Mitarbeitenden beim Import und Vertrieb von Medizinalcannabis seit Jahren praktiziere. Es gebe Geschäftsbeziehungen zu rund 2000 Apotheken in ganz Deutschland, die regelmäßig in Kontakt mit Medizinalcannabis sind. Einige dieser Apotheken, aus dem Kreis Groß-Gerau, hätten bereits Interesse signalisiert, am Forschungsprojekt mitzuwirken. „Wir haben pharmazeutische Erfahrung, sichern Qualität und haben schon viel Vorarbeit für die Forschung geleistet“, sagte Jakob Sons. Darum wolle Cansativa bei dem Modellprojekt dabei und ein „starker Partner für das komplexe Genehmigungsverfahren“ sein.
Als Cannabiskonsumenten an der Studie beteiligen können sich nur Einwohner*innen des Kreises Groß-Gerau. Sie müssen zudem über 18 Jahre alt sein. Sie werden sich über eine App registrieren können. Die Daten werden anonymisiert.
Einzelheiten des geplanten Projektablaufs werden für den Antrag beim BLE noch gemeinsam formuliert.
