
Szene aus dem „Radiosender“ im Jugendzentrum. Foto: Stadtverwaltung GG
„Wir machen Radio!“
KREIS GROSS-GERAU – Das Jugendzentrum Anne Frank in Groß-Gerau gleicht einem Radiosender: Im großen Saal wird an Laptops fleißig recherchiert, in der Lounge-Ecke werden Texte geübt, in einem der Pavillons Beiträge für Sendungen in ein professionelles Mikro eingesprochen.
„Wir machen Radio!“ hieß das Projekt, bei dem elf Schülerinnen und Schüler einer Klasse für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) der Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau eine Sendung für Radio Rüsselsheim produzierten. Kooperationspartner dabei: das Jugendbildungswerk des Kreises Groß-Gerau, die Kommunale Jugendarbeit der Stadt Groß-Gerau, die Martin-Buber-Schule und das Medienpädagogische Zentrum von Radio Rüsselsheim.
Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 12 und 16 Jahre alt, stammen aus Äthiopien, dem Iran, Pakistan, der Türkei und der Ukraine. Im Rahmen einer Projektwoche vom 4. bis 8. Mai 2026 haben sie zum Auftakt Radio Rüsselsheim besucht, eine Einführung in die Sendetechnik bekommen, Radiojingles produziert und sich beim Moderieren erprobt.
In den Folgetagen ging es darum, zu recherchieren, eigene Radiobeiträge zu schreiben und anschließend einzusprechen – so wie Fatima, die sich mit der pakistanischen Kultur auseinandergesetzt hat. „Viele setzen sich mit Unterschieden, aber auch Verbindungen zwischen ihrem Herkunftsland und ihrer neuen Heimat auseinander“, berichtet Jan Ruland von der Kommunalen Jugendarbeit der Kreisstadt.
Es gehe darum, die Schülerinnen und Schüler zu stärken und ihnen die Scheu zu nehmen, Deutsch zu reden, sagt Alexandra Zerl vom Jugendbildungswerk des Kreises. „Wir wollen Ängste abbauen, Brücken bilden und den Ankommensprozess unterstützen. Viele können viel mehr, als sie sich zunächst selbst zutrauen.“ Eine ähnliche Beobachtung hat auch Jan Ruland gemacht. „Die Schülerinnen und Schüler bekommen hier einen richtigen Schub, entwickeln Selbstvertrauen. Das ist immer schön zu sehen.“
Die Betreuung und Begleitung der Jugendlichen übernahmen mehrere Mitarbeitende des Jugendbildungswerks, die Kommunale Jugendarbeit Groß-Gerau, Lehrerin Carolin Buhl von der Martin-Buber-Schule und Radio Rüsselsheim.
Ziele des Projekts sind Sprachförderung, die Überwindung von Sprachbarrieren, um innerhalb einer Woche einen kurzen Radiobeitrag zu erstellen, die Orientierung in der neuen Lebenswelt, das Kennenlernen und Hinterfragen unbekannter Strukturen und die Förderung der Integration.
Für ihre Beiträge machten die Schülerinnen und Schüler auch Experten- oder Straßeninterviews. Ein Mädchen aus Pakistan traf eine Landfrau aus Wallerstädten, eine andere Jugendliche verglich die Situation von Frauen im Iran und in Afghanistan mit der in Deutschland und führte dazu ein Interview mit der Kreis-Frauenbeauftragten Judith Kolbe.
Die Themenbeiträge wurden vorproduziert, die Redebeiträge vor der Aufnahme intensiv geübt. Durch das Hören der eigenen Beiträge wurde den jungen Menschen einerseits deutlich, wie gut sie bereits Deutsch können, andererseits achten sie nun bewusster auf die Aussprache und ihre Sprachmelodie. Darüber hinaus wurden sie motiviert, sich sprachlich weiter zu verbessern. Die inhaltlichen Auseinandersetzungen mit der neuen Lebenswelt und das neugierige Zugehen auf fremde Menschen sind wichtige Bausteine zur Integration.
Möglich wurde das Projekt dank der Unterstützung durch die Sparkassen-Stiftung Groß-Gerau und von Radio Rüsselsheim. Gesendet wurden die Beiträge am 11. Mai aus dem Studio von Radio Rüsselsheim. Vier Schülerinnen und Schüler übernahmen die Live-Moderation. Der Beitrag ist noch in der Mediathek von Radio Rüsselsheim abzurufen.
Informationen über die Radioseminare gibt es bei der Kreisverwaltung Groß-Gerau: Jugendbildungswerk, Alexandra Zerl (06152-989468) oder per E-Mail an jbw@kreisgg.de.