
Kritik an neuer Luftfahrtstrategie
KREIS GROSS-GERAU – Die Bundesregierung hat kürzlich ihre neue Luftfahrtstrategie beschlossen. Ziel ist es, Deutschland als führende Luftfahrtnation zu etablieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken. Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Zukunft Rhein-Main (KAGZRM) sieht jedoch erhebliche Defizite beim Klima- und Fluglärmschutz. Der Arbeitsgemeinschaft gehören 36 Kommunen aus dem Rhein-Main-Gebiet sowie das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) und der BUND Hessen an.
Aus Sicht der KAGZRM stellt die Strategie das Wachstum des Luftverkehrs in den Vordergrund, während Umwelt- und Gesundheitsbelange nicht ausreichend berücksichtigt werden. Zwar wird die Klimaneutralität bis 2050 als Ziel genannt, konkrete Maßnahmen und verbindliche Vorgaben zur Umsetzung fehlen jedoch weitgehend. Allein auf technologischen Fortschritt und finanzielle Anreize zu setzen, reicht nach Auffassung der KAGZRM nicht aus, um die notwendigen Umweltziele zu erreichen. Stattdessen drohen steigende Treibhausgasemissionen sowie zusätzliche gesundheitliche Belastungen für die Menschen im Flughafenumland.
„Eine zukunftsfähige Luftfahrtstrategie muss die Einhaltung ambitionierter Klimaziele sicherstellen und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen. Gleichzeitig braucht es klare und verbindliche Ziele zur Verringerung der Fluglärmbelastung“, erklärt Thomas Will, Vorstandsvorsitzender der KAGZRM.
Besonders kritisch bewertet die KAGZRM die Auswirkungen der Strategie auf den Flughafen Frankfurt. Durch die Inbetriebnahme des Terminals 3 wurden zusätzliche Kapazitäten geschaffen, die weiteres Verkehrswachstum ermöglichen. Zudem fordert das Strategiepapier mehr Flexibilität bei den Betriebszeiten von Flughäfen. Künftig sollen mehr Flughäfen im 24-Stunden-Betrieb arbeiten und als zivile sowie militärische Ausweichflughäfen dienen können.
Die KAGZRM befürchtet, dass hiervon auch der Flughafen Frankfurt betroffen sein könnte. Es besteht die Gefahr, dass die geltenden Nachtflugbeschränkungen aufgeweicht und Ausnahmen häufiger genehmigt werden. Vielmehr fordert die KAGZRM seit Jahren eine Ausweitung des Nachtflugverbots von derzeit 23 bis 5 Uhr auf 22 bis 6 Uhr. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass nächtlicher Fluglärm besonders gesundheitsschädlich ist.
Bereits heute konzentrieren sich zahlreiche Flugbewegungen auf die Randstunden zwischen 22 und 23 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr, was einen erholsamen Schlaf vieler Anwohnerinnen und Anwohner erheblich beeinträchtigt.
Die KAGZRM lehnt jede über die genehmigten Zahlen hinausgehende Steigerung der Flugbewegungen am Flughafen Frankfurt entschieden ab. Mehr Flugverkehr bedeutet mehr Lärm, mehr Luftschadstoffe und zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung der Region. Darüber hinaus fordert die Arbeitsgemeinschaft die Abschaffung aller finanziellen Anreize, die auf ein weiteres Wachstum des Luftverkehrs am Frankfurter Flughafen abzielen. „Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht länger auf Kosten der Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in der Region verfolgt werden“, betont die KAGZRM abschließend.