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Feierstunde Foto

Die Geehrten der Feierstunde auf einen Blick: Landrat Thomas Will gratulierte Karl Norbert Merz, Walter Seeger, Edeltraud Rech, Günter Baral und Michael Moise (von links). Foto: Kreisverwaltung

Außerordentlich engagiert

Fünf Menschen erhalten den Landesehrenbrief im Landratsamt

KREIS GROSS-GERAU – Unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen ehrte Landrat Thomas Will am vergangenen Freitag, 26. Juni, fünf Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet wurden. Die Feierstunde fiel auf einen Tag, der als einer der bisher heißesten in der Region wie im gesamten Land in die Geschichte eingehen wird. Das tat der guten Stimmung im Georg-Büchner-Saal allerdings keinen Abbruch.

Die Geehrten und ihre Gäste hörten die wertschätzenden Worte des Landrats und die wunderschön dargebotenen Musikstücke von Carolin Grün aus Biebesheim (Geige), Trägerin des Kulturförderpreises des Kreises, und Xiaomeng Wang (E-Piano). Den Landesehrenbrief erhielten an diesem Nachmittag Edeltraud Rech aus Bischofsheim, Karl Norbert Merz aus Nauheim, Günter Baral aus Mainz, Michael Moise aus Ginsheim-Gustavsburg und Walter Seeger aus Groß-Gerau. Und am Ende gab es für alle ein kühlendes Eis am Stiel.

„Schwierige Zeiten lassen uns Entschlossenheit und innere Stärke entwickeln“, zitierte Landrat Will zu Beginn seiner Rede den Dalai Lama.  „Wir leben in der Tat in schwierigen Zeiten. In Zeiten von Krisen, Kriegen, Unsicherheit und gesellschaftlicher Polarisierung brauchen Demokratien nicht nur schnelle Antworten, sondern Haltung.“ Das Zitat des Dalai Lama erinnert laut Will daran, dass schwierige Zeiten auch eine Art Bewährungsprobe sind. In ihnen sollte Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft entstehen, gemeinsam Lösungen zu finden.

Dabei kann das Ehrenamt helfen. Es darf dabei aber nicht allein gelassen werden, darf nicht zum Lückenfüller werden, wenn der Staat nicht mehr weiterweiß, betonte der Landrat. Ziel müsse sein, Engagement und Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Darum unterstützt der Kreis das Ehrenamt, wo er nur kann. Und darum lässt es sich der Landrat nicht nehmen, mehrmals im Jahr verdiente Menschen aus dem Kreis eigenhändig die Landesehrenbriefe zu überreichen.

Karl Norbert Merz – für den die beiden Musikerinnen aus gegebenem Anlass noch ein Geburtstagsständchen spielten – erhielt die Auszeichnung für seinen Einsatz in der Kommunalpolitik, in der Gewerkschaft ver.di, als ehrenamtlicher Richter, als Ortsgerichtsvorsteher oder als Personalratsvorsitzender bei der Kreissparkasse.  Von 2002 bis 2014 war er Vorsitzender des ver.di-Bezirks Südhessen. Er hat im Verwaltungsausschuss der Zusatzversorgungskasse mitgewirkt, war lange in der Arbeitsgemeinschaft der Personal- und Betriebsräte der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen aktiv, leitet das Ortsgericht Nauheim und engagiert sich als Kassenwart beim Sozialpsychiatrischen Verein Groß-Gerau. „Vierzig Jahre als demokratisch gewählter, ehrenamtlich tätiger Personalratsvorsitzender — das ist nicht einfach eine Amtszeit. Das ist eine Ära“, so der Landrat. Im Mittelpunkt des Engagements von Karl Norbert Merz stehe stets, gute Arbeitsbedingungen, faire Strukturen und soziale Sicherheit für die Menschen zu schaffen und erhalten.

Günter Baral stellt seit 1995 sein Fachwissen dem TV 1883 Bischofsheim zur Verfügung. Im fünfköpfigen Vorstand verwaltet er eigenständig die Finanzen. „Das klingt zunächst nüchtern — Buchhaltung, Jahresbilanz, Abrechnungen mit Krankenkassen, finanzielle Steuerung. Aber wer einmal näher hinschaut, erkennt schnell: Hier geht es um ein Gesamtvolumen, das durchaus an ein mittelgroßes Unternehmen erinnert. Nur eben mit einem entscheidenden Unterschied: Sie machen das ehrenamtlich“, lobte der Landrat.

Der Geehrte engagiert sich außerdem als Wanderwart und Vorsitzender beim Vogelsberger Höhenclub, Sektion Mainz. Er ist als Sitzungspräsident bei der Pfarreifastnacht St. Peter/St. Emmeran in Mainz aktiv, war und ist als Wahlhelfer im Einsatz und hat Kinder- und Jugendfreizeiten geleitet.

Edeltraud Rech prägt seit mehr als zwei Jahrzehnten die deutsch-französische Städtefreundschaft in Ginsheim-Gustavsburg „mit außergewöhnlichem Engagement und spürbarer Herzlichkeit. Sie sind Motor und Seele des Vereins für Städtepartnerschaften Ginsheim-Gustavsburg.“ Was im Jahr 2002 mit der ersten Teilnahme an einer Sprachreise begann, entwickelte sich schnell zu einer echten Herzensangelegenheit: zur tiefen Verbundenheit mit der französischen Partnerstadt Bouguenais und zu einem Engagement, das weit über das Gewöhnliche hinausgeht.

Seit 2008 bringt Edeltraud Rech ihre Energie, Erfahrung und ihr Organisationstalent in die Arbeit des Vereins ein. Seit 2014 gehört sie als Beisitzerin dem Vorstand an und verantwortet dort die Bürger- und Sprachreisen. Ihr Tun ist gelebte Völkerverständigung, sagte Thomas Will. Durch ihr Wirken habe sie wesentlich dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen Ginsheim-Gustavsburg und Bouguenais zu vertiefen und den europäischen Gedanken mit Leben zu erfüllen.

Michael Moise wirkt seit 1986 in leitender Funktion im Sport: zunächst beim Karate Dojo Shotokan Frankfurt, später und bis heute bei der TSV Ginsheim. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Gesamtvereins: „Damit tragen Sie Verantwortung für einen der großen Sportvereine im Kreis Groß-Gerau — mit rund 1.900 Mitgliedern und einem beeindruckend breiten Angebot.“ Denn die TSV Ginsheim deckt heute eine enorme Vielfalt ab: Eltern-Kind-Turnen, Leichtathletik, Krafttraining, Wassergymnastik, Gesundheitssport für parkinsonerkrankte Menschen und vieles mehr.

Der Geehrte war Landespressereferent beim Hessischen Karate-Verband, Landesleistungsreferent und Mitglied der Technischen Kommission des Landesverbands Karate. Er hat Trainerlizenzen erworben und war auch selbst sportlich erfolgreich.  „Zugleich haben Sie immer den Gesamtverein im Blick behalten. Sie haben eine Tagung initiiert, um die TSV Ginsheim an die heutige Nachfrage nach Freizeitsportangeboten anzupassen. Auch die Idee einer Geschäftsstelle im Ortsmittelpunkt als Treffpunkt für Mitglieder und als Informationsangebot für Interessierte geht auf Ihre Initiative zurück.“

Am Ende überreichte der Landrat Walter Seeger den Landesehrenbrief. Seeger war 39 Jahre im Verein Kulturcafé in Groß-Gerau aktiv, davon elf Jahre als Vereinsvorsitzender und 17 Jahre als Geschäftsführer — ehrenamtlich. Dazu kommt sein jahrzehntelanges Engagement im Freundeskreis der Volkshochschule. Seit 2012 leitet er das Kommunale Kino: mit der Auswahl der Filme, der Gestaltung des Programmhefts, der Kommunikation mit Stadt und Kreissparkasse, mit Kooperationen mit sozialen Organisationen „und mit all den vielen Aufgaben, die man nur sieht, wenn sie einmal nicht erledigt werden“.

Außerdem, zählte Thomas Will weiter auf, gibt Walter Seeger kontinuierlich das Kultur- und Veranstaltungsmagazin „Dibbegugger“ journalistisch heraus. Damit informiere er nicht nur über Kultur. Er schaffe Aufmerksamkeit, stifte Verbindung: „Sie sorgen dafür, dass Menschen wissen, was in ihrer Stadt und in ihrem Kreis passiert — und dass sie Lust bekommen, dabei zu sein.“ Walter Seeger hat kulturelle Vielfalt gefördert, Begegnungsräume eröffnet und vielen Menschen Zugang zu kulturellen Angeboten ermöglicht, so der Landrat in seiner Laudatio.