
Appell: Nutrias nicht füttern
KREIS GROSS-GERAU – Sie wirken putzig, sind zutraulich und häufig an Gewässern zu beobachten: Nutrias haben sich in den vergangenen Jahren auch im Kreis Groß-Gerau zunehmend ausgebreitet. Die ursprünglich aus dem subtropischen und gemäßigten Südamerika stammenden Nagetiere sind in Deutschland eine gebietsfremde Art. Die heutigen Bestände gehen überwiegend auf Tiere zurück, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus den damals zahlreich vorhandenen Pelztierfarmen entkommen sind.
Da Nutrias hier kaum natürliche Feinde haben und sich mehrmals im Jahr fortpflanzen können, haben sich ihre Bestände in vielen Regionen Deutschlands deutlich vergrößert.
Die Nutria stellt zunehmend eine Herausforderung für den Natur- und Artenschutz, die Landwirtschaft sowie den Hochwasserschutz dar. Sie ernährt sich vor allem von Wasser- und Uferpflanzen, frisst aber auch Feldfrüchte und Obst. Darüber hinaus gräbt sie weitverzweigte Baue in Uferböschungen und Deichen. Dadurch können Böschungen instabil werden und Deiche sowie andere wasserbauliche Anlagen, die dem Hochwasserschutz dienen, beschädigt werden. Auch Schilf- und Röhrichtbestände, die zahlreichen Vogel-, Fisch- und Amphibienarten als Lebensraum dienen, werden durch Nutrias beeinträchtigt. Aufgrund dieser Auswirkungen wird die Nutria als invasive gebietsfremde Art von unionsweiter Bedeutung eingestuft.
Auch im Kreis Groß-Gerau werden Nutrias inzwischen regelmäßig an Fließgewässern und Seen beobachtet. Sie werden häufig mit Bibern verwechselt. Im Gegensatz zum Biber sind Nutrias kleiner und besitzen einen langen, runden Schwanz statt einer flachen Kelle. Auffällig sind außerdem ihre weißen Schnurrhaare. Immer wieder kommt es durch Nutrias zu Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen sowie an Uferbereichen und Böschungen.
Besonders problematisch ist die gezielte Fütterung der Tiere durch Menschen. Die Untere Naturschutzbehörde appelliert deshalb eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, Nutrias nicht zu füttern. Nutrias sind Wildtiere und finden in ihren Lebensräumen ausreichend Nahrung. Eine zusätzliche Fütterung ist daher weder notwendig noch sinnvoll. Durch das zusätzliche Nahrungsangebot können sich Nutrias auch dort dauerhaft ansiedeln, wo die natürlichen Lebensbedingungen eigentlich nicht ausreichen würden. Dies begünstigt ihre Vermehrung und fördert die weitere Ausbreitung der Bestände.
Gleichzeitig verlieren Nutrias ihre natürliche Scheu vor dem Menschen, suchen gezielt die Nähe von Menschen und werden zunehmend aufdringlich. Dies kann zu Konflikten führen und die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten beeinträchtigen. Auch offen zugängliche Futterquellen, beispielsweise Komposthaufen oder Tierfutter in Gewässernähe, können Nutrias anlocken und sollten deshalb möglichst vermieden werden.
Die Untere Naturschutzbehörde bittet daher alle Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung. Mit dem Verzicht auf das Füttern kann jede und jeder einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die weitere Ausbreitung der Nutria einzudämmen und Schäden an Gewässern, Deichen, landwirtschaftlichen Flächen sowie wertvollen Lebensräumen zu begrenzen.
Weitere Informationen zur Nutria, ihren Erkennungsmerkmalen und Möglichkeiten zur Schadensvermeidung enthält das Merkblatt des Kreises Groß-Gerau.