Wertvolles Gut: das Wasser
KREIS GROSS-GERAU – Das Motto des diesjährigen Tages des Wassers, der von der UN veranstaltet wird, lautet „Valuing water: Wert des Wassers“. Die Untere Wasserschutzbehörde des Kreises Groß-Gerau nutzt die Gelegenheit, die Bürger*innen des Kreises darüber zu informieren, wie viel jeder Einzelne, gerade hier im Ried, im Alltag mit Wasser zu tun hat.
Ein Blick in die Geschichte der Besiedlung des hessischen Rieds zeigt, dass das Leben dort eng mit dem Umgang mit Wasser verbunden war. Als Sumpflandschaft waren große Teile des Rieds spärlich besiedelt und die landwirtschaftliche Bewirtschaftung war beschwerlich. Die Ernte wurde immer wieder durch Überschwemmungen durch den Rhein vernichtet. Dies besserte sich erst mit der Rheinbegradigung in den Jahren 1817-1876. Die mäandrierenden Flussschlingen, die heute sogenannten Altarme, wurden vom Flussverlauf abgeschnitten und das jetzige Hauptbett des Rheins durch Einengen und Begradigung geformt. Mit dieser enormen Arbeitsleistung entstand ein besserer Schutz vor Überschwemmungen.
Die abgeschnittenen Altarme entwickelten sich allerdings zu Seuchenherden. Zum Schutz der Bevölkerung wurden diese trockengelegt. Neues, wertvolles fruchtbares Ackerland wurde gewonnen. Der nächste entscheidende Schritt war der Generalkulturplan für das hessische Ried aus dem Jahr 1929. Mit dessen Umsetzung sollten die Land- und Bodenverhältnisse verbessert werden. Dies wurde erreicht durch den Bau vieler kleiner Entwässerungsgräben. Diese unterstützen die bereits vorhandenen großen Gräben, wie zum Beispiel den Hauptgraben, der parallel zum Rhein vom Pumpwerk Wächterstadt, an der Hessenaue vorbei bis nach Astheim führt und dort in den Altrhein entwässert.
Die Trockenlegung der feuchten Wiesen und Äcker legte den Grundstein für die heutige intensive landwirtschaftliche Nutzung im Ried. Neben der Landwirtschaft profitierten auch die Gemeinden von der Trockenlegung. Durch diese wurde neues Bauland erschlossen und die Gemeinden vergrößerten sich.
Die damals angelegten Gräben, das Schilf und Wasser prägen auch heute noch das Landschaftsbild des Hessischen Rieds. Gerade in den Wintermonaten können die vollen Entwässerungsgräben beobachtet werden. Diese sind ein deutliches Zeichen dafür, wie hoch das Grundwasser im Ried ansteht und wie eng das Leben der hier wohnenden Bevölkerung weiterhin mit dem Element Wasser verwoben ist. Diese technischen Baumaßnahmen der vergangenen Jahrhunderte, nicht zu vergessen die Erhöhung der Rheinwinterdeiche, haben das Ried zu einem sicheren Wohnort gemacht.
Jetzt kann jeder die Nähe des Wassers auf seine Weise für sich nutzen: Das hohe Grundwasser ermöglicht das Baden in den ehemaligen Baggerseen. Die vielen nassen Wiesen und Wasserflächen machen das Beobachten seltener Tierarten möglich, die hier einen Lebensraum gefunden haben. In den Gärten ist ein Gartenbrunnen eine Selbstverständlichkeit, der die kostengünstige Bewässerung des Gartens erlaubt. Waren die hohen Grundwasserstände in der Vergangenheit eine Erschwernis für die Landwirtschaft, profitiert diese nun von dem leicht verfügbaren Wasser, indem spezielle Kulturen wie der Gemüseanbau beregnet werden können.
Nicht zuletzt erleichtert das vorhandene Nass die Trinkwasserversorgung – und die Nutzung des Wassers für die persönliche Hygiene. Nicht überall auf der Welt ist es wie bei uns eine Selbstverständlichkeit, dass täglich geduscht werden kann und das Wasser für die Toilettenspülung fließt.
