Nach dem Sex wird der Gatte gegrillt
KREIS GROSS-GERAU – Sie war das Insekt des Jahres 2017: Die Gottesanbeterin, die den wissenschaftlichen Namen Mantis religiosa trägt. Die Art stammt ursprünglich aus Afrika, ist jedoch mittlerweile in vielen Ländern Europas beheimatet. In Deutschland kommt Sie in nahezu allen Bundesländern vor. Es handelt sich um ein tagaktives, räuberisches Insekt aus der Familie der Fangschrecken. Bevorzugt werden warme Lebensräume im Bereich von Böschungen oder in Hausgärten, wo viele Pflanzen blühen und reichlich Insekten zur Jagd vorkommen. Experten gehen davon aus, dass sich die Art aufgrund des Klimawandels weiter ausbreiten wird. In Südhessen kann die Art seit 2004 beobachtet werden, auch im Kreis Groß-Gerau kommt sie bereits vor.
Seinen Namen verdankt die Gottesanbeterin der Haltung ihrer vorderen Fangarme während des Lauerns auf Beute, die an eine Gebetsposition menschlicher Hände erinnert. Wörtlich übersetzt bedeutet Mantis religiosa „religiöse Seherin“ und deutet auf eine starke Symbolkraft hin, welche ihr Menschen im Altertum im Mittelmeerbereich zugesprochen haben.
Diese anmutige Pose darf jedoch nicht verschleiern, dass die Gottesanbeterin in dieser Lauerhaltung bei Sichtung einer geeigneten Beute ihre Fangarme blitzschnell ausstreckt und das Insekt schnappt. Durch die mit kleinen Stacheln besetzen Arme kann sie ihre Beute gut festhalten und vor einer Flucht hindern. Sie ernähren sich unter anderem von Schmetterlingen, Motten, Wanzen oder auch Raupen. Eine Besonderheit von Fangschrecken ist, dass sie als einzige Insekten ihren Kopf von einer Seite zur anderen drehen können, ohne dabei ihren Körper zu bewegen. Das hat sich im Laufe der Zeit als ein entscheidender Vorteil bei der Jagd heraus entwickelt.
Vielen Naturinteressierten ist die Gottesanbeterin wegen ihres Paarungsverhaltens und dem damit verbundenen Schicksal des Männchens bekannt. Weibchen werden als „böse Verführerin“ dargestellt und sind dafür berüchtigt, nach der Paarung das Männchen aufzufressen. Das kann passieren, muss aber nicht in jedem Fall so sein. Fest steht, dass es sich bei dieser besonderen Art um Kannibalen handelt, wo auch mal das Weibchen ein Weibchen oder ein Männchen ein anderes Männchen frisst.
Nach erfolgter Paarung legen die Weibchen im Spätsommer oder Herbst 100 bis 300 Eier in Behältern an Blättern oder Halmen ab. Nach überstandener Überwinterung schlüpfen im Frühjahr die Nymphen. Diese sehen aus wie eine winzige Version einer erwachsenen Fangschrecke. Nach mehreren Häutungsdurchgängen sind die Tiere ausgewachsen und etwa zwei Wochen nach der letzten Häutung auch geschlechtsreif.
In Hessen wird die Ausbreitung der Gottesanbeterin kontinuierlich dokumentiert. Informationen dazu kommen aus einem Citizen Science Projekt, welches das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zusammen mit der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e. V. (HGON) initiiert hat. Bürgerinnen und Bürger können bei einem solchen Projekt Beobachtungen und Fundorte der Art – möglichst mit Belegfoto – zur Dokumentation über ein Meldeportal auf der Internetseite der HLNUG über folgenden Link Gottesanbeterin | Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (hlnug.de) melden.
