Mit Erfolg eine Nische besetzt
KREIS GROSS-GERAU – Zur Kunststoff- und Farben-Gesellschaft mbH (KFG) Biebesheim führte der jüngste Betriebsbesuch von Landrat Thomas Will. Der geschäftsführende Gesellschafter Heitho Geipert und Geschäftsführer Reiner Nittmann empfingen ihn, Biebesheims Bürgermeister Marcus Rahner und Anna Ruthmann von der Wirtschaftsförderung des Kreises vor wenigen Tagen.
Der Betrieb wurde vor 51 Jahren von Heitho Geiperts Vater gegründet und hat heute rund 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Mittlerweile spielt das „F“ im Firmennamen keine Rolle mehr, Farben werden nicht mehr produziert. KFG Biebesheim hat sich voll und ganz auf die Herstellung von (Grund-)Produkten auf Acryl-Basis spezialisiert. Diese Produkte sind: Pulver, Mahlgüter und Harze. Daraus entstehen zum Beispiel Autoscheinwerfer, orthopädische Einlagen, Küchenspülen, Arbeitsplatten und Bodenbeschichtungen oder auch Material fürs Bauwesen, wie etwa Schleifscheiben.
„Wir liefern nachhaltige Produkte“, sagt Heitho Geipert, und Reiner Nittmann ergänzt: „Der Trend zur Kreislaufwirtschaft spielt uns in die Karten.“ Das Recycling von Acrylglas (Handelsname u.a. Plexiglas, chemisch PMMA) bildet den Schwerpunkt bei KFG in Biebesheim, erfuhr der Landrat. Das gebrauchte Material oder Ausschussware erhält der Betrieb aus der Industrie und von Verarbeitern; neben Plattenmaterial sind z.B. die optische und medizinische Branche als Rohstoffquellen zu nennen.
Das Acrylglas wird in Mühlen, Mischern und Extrudern, welche in mehreren Hallen auf dem Werksgelände stehen, zu Pulver verarbeitet. „Das ist eine echte Nische, das macht weltweit so keiner außer uns“, beschreiben die beiden Geschäftsführer den Produktionsprozess. So sitzen die Kunden, zu denen es oft langjährige enge Bindungen gibt, denn auch nicht nur in Europa, sondern ebenso in Asien und in Südamerika. Rund 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht die Firma. Allerdings nicht mit Endverbrauchern. Die KFG mbH ist nur im B2B-Geschäft aktiv.
Es gibt Dutzende Acrylglasarten und Dutzende Hersteller, aber „wir können mit allen Acrylglasarten auf der Welt umgehen“, sagt Reiner Nittmann nicht ohne Stolz. Die Mitarbeitenden in der Produktion müssen übrigens für ihren Job nicht unbedingt Chemikanten sein. Sie werden über mehrere Jahre für die spezielle Arbeit ausgebildet und haben dann - egal, welche Berufe sie vorher ausgeübt hatten - die nötige Erfahrung und das nötige Spezialwissen. Das ist auch nötig, denn „das Ganze funktioniert nur 100 Prozent sortenrein“.
Zum Sortieren zählt auch das Defolieren - das Abziehen von Schutzfolien auf dem Acrylglas. Diese Aufgabe wird meist an soziale Einrichtungen fremdvergeben, etwa an Behindertenwerkstätten.
Der Landrat zeigte sich wie die anderen Gäste beeindruckt von der Betriebsbeschreibung: „Sie haben in der Tat mit viel Erfolg eine spezielle Nische besetzt.“ Im Anschluss konnten sich alle, ausgestattet mit Sicherheitsbrillen und -schuhen, bei einem Rundgang noch ein Bild vom Produktionsprozess machen.
