Lebenslanger Blick über den Tellerrand
KREIS GROSS-GERAU – Das Bundesverdienstkreuz erhielt der Mörfelden-Walldorfer Klaus-Ludwig Müller am Freitag, 3. Dezember, aus den Händen von Landrat Thomas Will. Müller war dazu mit seiner Frau und seinen Gästen ins Landratsamt gekommen, wo es unter den geltenden Corona-Regeln eine kleine, würdevolle Feierstunde gab. Der Landrat begrüßte dazu auch Mörfelden-Walldorfs Bürgermeister Thomas Winkler, dessen Vorgänger Heinz-Peter Becker (der Müller für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hatte), den stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden Maximilian Gegenheimer und das Trio Tastenstreich, das für die musikalische Umrahmung sorgte.
Landrat Thomas Will beschrieb in seiner Rede kurz die Ausnahmesituation, die durch die Corona-Pandemie auch im Kreis Groß-Gerau herrscht, nannte aktuelle Beispiele fürs Krisenmanagement, betonte aber auch, dass es wichtig ist, sich immer wieder einmal aus dem „Würgegriff der Pandemie“ zu befreien und „in echt“ zu treffen. Soziales und gesellschaftliches Leben seien eingeschränkt, aber nicht zum Stillstand gekommen. „Solidarität macht keine Pause“, betonte er. So wie auch der Einsatz des Geehrten für Demokratie und Zusammenhalt in der Gesellschaft keine Pause machte, wie der Laudatio zu entnehmen war.
Früh gehörte es für Klaus-Ludwig Müller dazu, über den Tellerrand seines eigenen beruflichen Werdegangs hinauszuschauen. Als SPD-Mitglied setzt er sich ebenso für nachhaltige Kommunalpolitik ein wie als Sprecher der Regionalgruppe Südhessen des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie für Geschichtsbewusstsein und historische Bildung. Der Pädagoge, der u.a. Geschichte, Politik und Soziologie studiert hat und am Ende seiner Schullaufbahn von 2001 bis 2009 Leiter der Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim am Main war, übernahm in jeder Phase seines Lebens an herausragender Stelle Verantwortung, so auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, wo ihn sein Engagement in den Landesvorstand führte; zehn Jahre (1983-1993) war er dann auch hauptamtlicher Landesvorsitzender.
Mit Beginn des Ruhestands blieb Klaus-Ludwig Müller unverändert aktiv und widmete sich der Organisation der Bildungsfahrten der Stadt Mörfelden-Walldorf (zum Beispiel zur Gedenkstätte Point Alpha oder zum Hambacher Schloss) und der Erinnerungsarbeit im Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie. Auch als Mitglied der Historischen Kommission der SPD Hessen Süd sowie als Teil der AG Geschichte der SPD in Mörfelden-Walldorf brachte und bringt Klaus Müller sich ein dafür, dass Menschen - gerade auch junge - aus der Geschichte lernen, dass Erinnerungen wachgehalten und Demokratie gefährdende Entwicklungen in der heutigen Gesellschaft frühzeitig erkannt werden, sagte der Landrat.
Besonders die Aufklärungsarbeit über die Schrecken der Nazizeit und das DDR-Unrechtsregime liegt ihm am Herzen, sagte Klaus-Ludwig Müller in seiner Dankesrede, in der er auch auf die Vorbilder und menschlichen Begegnungen einging, die ihn zu seinem historisch-politischen Engagement gebracht haben.
Durch seinen vielfältigen Einsatz jedenfalls hat er die Kriterien für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes bestens erfüllt, die da lauten: Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen.
