
Neues System „Hebamme vor Ort“
KREIS GROSS-GERAU – Wenn eine Geburt so schnell voranschreitet, dass die Zeit für den Transport in den Kreißsaal nicht mehr ausreicht, ist schnelles Handeln gefragt. Im Kreis Groß-Gerau wird der Rettungsdienst jährlich zu rund 10 bis 15 solcher ungeplanten, präklinischen Geburten gerufen – mit steigender Tendenz. Um in diesen Ausnahmesituationen die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, startet der Kreis nun das in anderen Bereichen etablierte Konzept „Hebamme vor Ort“.
Jede werdende Mutter hat in Deutschland unter der Geburt den gesetzlichen Anspruch auf die Hinzuziehung einer Hebamme. Bei Entbindungen zu Hause oder im Rettungswagen ließ sich dies in der Praxis bislang kaum realisieren. Hier setzt das neue System an: Zukünftig werden teilnehmende Hebammen über eine Smartphone-App georeferenziert zeitgleich zum regulären Rettungsdienst an den Einsatzort alarmiert, sofern sie sich in einem Radius von etwa 20 Minuten Fahrzeit befinden.
„Die medizinische Expertise einer Hebamme ist in dieser kritischen Phase unersetzlich“, erklärt Dr. Marco Renth, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) des Kreises Groß-Gerau. „Mit dem System stellen wir sicher, dass Mutter und Kind auch bei präklinischen Geburten die bestmögliche fachliche Begleitung erhalten. Gleichzeitig schaffen wir für unser Rettungsdienstpersonal eine enorme medizinische und rechtliche Handlungssicherheit, wenn sie Hand in Hand mit den Expertinnen für Geburtshilfe arbeiten können.“
Technisch wird die Alarmierung über die bewährte Infrastruktur der „Mobilen Retter“ abgewickelt, die an die Zentrale Leitstelle des Kreises angebunden ist. Falls die Einsatzstelle durch die teilnehmende Hebamme nicht schnell genug selbst erreichbar ist, greift eine besondere Maßnahme: Die Mitarbeitenden der Leitstelle kümmern sich in diesen Fällen um den raschen Transport dorthin mit einem Einsatzfahrzeug.
Zum Start haben sich bereits fünf engagierte Hebammen aus dem Kreisgebiet registriert, die ab sofort für Notfälle bereitstehen. Um das Netz künftig noch engmaschiger zu knüpfen, würde sich der Kreis über weiteren Zuwachs freuen: „Das System lebt vom Mitmachen. Je mehr Hebammen sich registrieren, desto schneller ist im Notfall fachliche Hilfe an Ort und Stelle“, betont Dominik Landau, Koordinator der Mobilen Retter im Kreis Groß-Gerau. „Es gibt dabei keinerlei Einsatzverpflichtung: Wer alarmiert wird und gerade keine Zeit hat, kann den Einsatz in der App ganz einfach ablehnen.“
Interessierte Hebammen, die Teil von „Hebamme vor Ort“ werden möchten, können sich ab sofort unverbindlich per E-Mail unter mobileretter@kreisgg.de informieren und registrieren.