
Preisübergabe Foto: Kreisverwaltung
Kreativer Einsatz in Klimawoche
KREIS GROSS-GERAU – Was normalerweise achtlos auf Straßen, Gehwegen oder im Gebüsch landet, ist derzeit im Fritz-Bauer-Foyer der Kreisverwaltung Groß-Gerau zu sehen: Zigarettenkippen. Allerdings nicht einfach weggeworfen, sondern rund um die Schulen gesammelt und zu Kunstwerken verarbeitet. Im Rahmen der diesjährigen Klimawochen hatte der Fachdienst Klimaschutz der Kreisverwaltung Schulen ab der Mittelstufe im Kreis zur Teilnahme an einer Kippen-Kunst-Challenge aufgerufen. Die Beruflichen Schulen Groß-Gerau und die Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim haben sich beteiligt.
Innerhalb weniger Wochen entstanden eindrucksvolle Plakate und Skulpturen. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich darin kreativ mit den Folgen achtlos weggeworfener Zigarettenkippen für Umwelt und Natur auseinander. Verklebte Herzen und Lungen machen zugleich deutlich, dass Rauchen nicht nur ein Umweltproblem darstellt, sondern auch gesundheitliche Folgen hat.
Bei der Arbeit an den Kunstwerken hatten die Schülerinnen und Schüler trotz des ungewöhnlichen Materials viel Spaß. „Die Beteiligten fanden das Projekt großartig“, erzählt Julia Haunschild, Lehrerin an den Beruflichen Schulen Groß-Gerau. Die Aktion soll deshalb keine einmalige Sache bleiben: Die Klasse möchte das Kippensammeln wiederholen und künftig jedes Jahr durchführen. „Auch wenn nach den Kunstarbeiten im Klassenzimmer noch viel gelüftet werden musste, war es eine spannende und aufschlussreiche Erfahrung“, so Haunschild.
Wie viele Kippen dabei tatsächlich zusammenkamen, wurde bei der Ausstellungseröffnung deutlich. „Wir haben allein bei dem einen Aktionstag 1,4 Kilo Zigarettenstummel eingesammelt“, berichtet Sebastian Wilhelm, Studienleiter für Biologie und Informatik der beteiligten Klassen der Gustav-Heinemann-Schule. Eimer- und flaschenweise brachten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen die gesammelten Kippen zur Ausstellungseröffnung mit. Die LK-Kunst gestaltete dazu passende Poster. Dabei wurden sehenswerte und zugleich wichtige Fragen und Ideen der Jugendlichen zur Umweltverschmutzung und zu ihrer Zukunft auf Papier gebracht.
Bei der Ausstellungseröffnung und Preisverleihung dankte Erster Kreisbeigeordneter Adil Oyan den Beteiligten für ihr Engagement. Allein in Deutschland landen Schätzungen der WHO und dem BUND zufolge jährlich rund 50 Milliarden Zigarettenkippen in der Umwelt – mehr als 100 Millionen pro Tag. Rein rechnerisch entspricht das bei 275.000 Einwohnerinnen und Einwohnern rund 3.400 Zigarettenkippen pro Tag im Kreis Groß-Gerau – und etwa 1,24 Millionen pro Jahr.
Zigarettenkippen enthalten unter anderem Nikotin und Schwermetalle. Werden sie achtlos in der Umwelt entsorgt, können Schadstoffe durch Regen ausgewaschen und in Böden und Gewässer eingetragen werden. Eine einzelne Kippe kann dabei – abhängig von den jeweiligen Bedingungen – erhebliche Mengen Wasser mit Schadstoffen belasten und damit insbesondere für kleine Wasserorganismen problematisch sein. Auch eine Belastung des Grundwassers kann nicht ausgeschlossen werden.
Zum Abschluss der Challenge überreichte Oyan beiden beteiligten Schulen einen Geldpreis von jeweils 250 Euro für die Klassenkasse.
Die beeindruckenden Kunstwerke sind zu den Öffnungszeiten des Landratsamts noch bis zum 12. Oktober 2026 im Fritz-Bauer-Foyer der Kreisverwaltung zu sehen.