
Bei der Pressekonferenz im Landratsamt (von links): Peter Schneider, Jennifer Rudka und Dr. Katrin Stein vom Veterinäramt des Kreises, Erster Kreisbeigeordneter Adil Oyan, Klaus Velbecker von HessenForst und Horst Müller vom Regionalbauernverband Starkenburg. Foto: Kreisverwaltung
Fortschritt bei Kampf gegen Tierseuche
KREIS GROSS-GERAU – 15. Juni 2024: Das ist das Datum, das sich eingebrannt hat bei all denjenigen, die im Kreis Groß-Gerau mit dem Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest zu tun haben. Denn damals wurde dort der erste Fall von ASP bei einem Wildschwein registriert. Zwei Jahre später nun ist ein Aufatmen spürbar, sind die Auswirkungen der Tierseuche nicht mehr so gravierend.
Dies ist vielen Menschen zu verdanken, wie der Erste Kreisbeigeordnete Adil
Oyan anlässlich des Jahrestags zu Pressevertreterinnen und -vertretern sagte: den Mitarbeitenden im Landwirtschaftsministerium, bei Forst, Jägerschaft, Landwirten, Kommunen und dem Kreis-Veterinäramt. „Nur durch die gute Zusammenarbeit von Anfang an, durch die gegenseitige Unterstützung konnten wir so schnell so weit kommen“, formulierte Adil Oyan seinen Dank.
„So weit“ bedeutet zum Beispiel, dass Landwirte seit Herbst 2025 ihre Felder nicht mehr vor der Ernte mittels Drohnenbeflug auf Wildschweine hin untersuchen lassen müssen. Dass der Bau von Zäunen und die Einrichtung wildschweinfreier Weißer Zonen fortgeschritten sind. Oder dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner nicht mehr prinzipiell anleinen müssen. Oder dass die Jagd wieder erlaubt, ja sogar sehr erwünscht, ist und dass es 20 Mensch-Hund-Teams (von insgesamt 25) gibt, die nach eigenem Konzept des Kreises für die Suche nach Wildschweinkadavern ausgebildet wurden.
Seit fast einem Jahr bereits gab es keinen ASP-positiven Fund mehr – mit einer Ausnahme Mitte April. Allerdings handelte es sich dabei um einen uralten Knochen. „Der wirft uns nicht zurück, was die Rückstufung durch die EU angeht“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete. Amtstierärztin Dr. Katrin Stein skizzierte beim Pressegespräch die nächsten Schritte, die hinausführen sollen aus der ASP-Ausnahmesituation: Nach einem Jahr ohne neuen Fall wird voraussichtlich Ende August der Antrag auf Rückstufung von Sperrzone II zu Sperrzone I beim Bund abgegeben, über den dann im Dezember dieses Jahres von der EU entschieden werden könnte.
Der nötige Antrag wird in Abstimmung mit dem Land Hessen und dem Regierungspräsidium formuliert. Sperrzone I bedeutet dann immer noch Einschränkungen, so Dr. Stein, die Beispiele nannte. Zwar würde die Pflicht zur Kadaversuche entfallen, aber jedes gejagte Wildschwein müsste weiterhin auf ASP untersucht werden.
Bei der Pressekonferenz informierten auch Klaus Velbecker von HessenForst sowie Horst Müller, Kreissprecher des Regionalbauernverbands Starkenburg, sowie Jennifer Rudka und Peter Schneider vom Veterinäramt über die Entwicklungen der vergangenen zwei ASP-Jahre. Dazu ein paar Fakten: Insgesamt wurden 3455 Tiere geborgen und beprobt, davon seit 15. Juni vergangenen Jahres 1447. Positiv auf ASP getestet wurden insgesamt 644, seit dem 15. Juni 2025 nur noch vier. Erlegt wurden insgesamt 1475 Tiere, davon seit dem 15. Juni 2025 864. Seit dem 1. April 2025, dem Beginn des Jagdjahrs, waren es 1100 Wildschweine, ergänzte Klaus Velbecker. Seit dem 1. Februar bis heute wurden rund 300 Tiere erlegt.
Bei der Kadaversuche unterstützen nicht nur die genannten Hundeteams, sondern auch 26 Drohnenpiloten. Die Suche findet in Drohnengebieten alle vier Wochen statt, Suchen mit Hunden je nach Risikobewertung (z.B. Vitalsichtungen, Lage des Suchgebiets). Vor allem in Crumstadt, Kelsterbach, Mörfelden-Walldorf und entlang des Rheins werden Wildschweine noch vermehrt gesichtet.
Durch die Afrikanische Schweinepest ist der Bestand an Hausschweinen im Kreis Groß-Gerau fast völlig verschwunden. Von ehemals rund 4000 Tieren sind nun noch 55 Schweine in 14 Betrieben übrig. Dabei handelt es sich zum Großteil um Hobbyhaltungen. Zudem gibt es ein Wildschweingehege mit 11 Tieren in Raunheim.
Im vergangenen Jahr hat den Kreis die Bekämpfung der ASP rund 2,2 Millionen Euro gekostet. 2006 sind es bislang rund 641000 Euro.