
Aus Konzept wird Bewegung vor Ort
KREIS GROSS-GERAU – Sportentwicklungsplanung ist kein Konzept für die Schublade. Im Kreis Groß-Gerau wird sie Schritt für Schritt in konkrete Bewegung vor Ort übersetzt – in Schulen, Vereinen, Kommunen und auch in der frühkindlichen Förderung. Beim jüngsten Runden Tisch des Sports in der vergangenen Woche ging es daher vor allem um die Frage: Was ist aus den Plänen entstanden – und wie werden daraus dauerhafte Strukturen? Die Antwort: Kooperation.
Grundlage ist die gemeinsam mit dem Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) erarbeitete Sportentwicklungsplanung. 11.000 Menschen, alle Schulen und Sportvereine im Kreis waren beteiligt. Daraus entstanden 17 Handlungsempfehlungen für mehr Bewegung und die Weiterentwicklung von Sport- und Bewegungsräumen. Sportkreis Groß-Gerau und Sportförderung des Kreises bilden den gemeinsamen Rahmen. Die Bewegungskoordination des Kreises vernetzt, koordiniert und entwickelt weiter. Daraus sind bereits konkrete Ansätze und Projekte entstanden:
Eine wichtige Ressource ist der Übungsleiter-Pool mit rund 50 qualifizierten Menschen. Die interkulturelle Übungsleiter-C-Ausbildung der Sportjugend Hessen wurde bereits zum zweiten Mal dezentral im Kreis durchgeführt – auch als neuer Weg der Ehrenamtsgewinnung.
Der Hessische Bewegungscheck hat sich vom Motoriktest für Drittklässler zu einem wichtigen Baustein der Bewegungsförderung entwickelt. Gemeinsam mit Schulen wurden Angebote und Bedarf betrachtet, Lehrkräfte fortgebildet und Eltern informiert. So wurde der Check zum Türöffner für mehr Bewegung im Alltag und den Weg in den Sportverein. Die Zahl der bis 14-Jährigen in Sportvereinen ist gestiegen.
Die Ergebnisse des Bewegungschecks und der Schuleingangsuntersuchungen zeigen einen hohen Bedarf bei der Bewegungsförderung bereits im frühen Kindesalter. Auch hier wird die Sportentwicklungsplanung konkret: Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen und der Gesundheitskoordination wird die frühe Bewegungsförderung weiterentwickelt. Das Engagement des Kreises gab auf Landesebene den Impuls für einen interdisziplinären Pilotansatz der frühen Förderung über die Frühen Hilfen.
Ein erstes Pilotprojekt startet nun in Rüsselsheimer Kitas. Das Projekt ist eine Kooperation von Stadt Rüsselsheim, SC Opel und Kreis Groß-Gerau und knüpft an Erfahrungen mit einer wöchentlichen Ballschule an. Ein Förderantrag über 90.000 Euro beim GKV-Spitzenverband wurde bewilligt. Geplant sind wöchentliche Bewegungsangebote, ein Netzwerk aus Sportvereinen, Schulen, Kitas, Stadt und Quartiersarbeit sowie die Ausbildung von Bewegungsmultiplikatoren.
Für die Generation 60+ bringt der Sportkreis Groß-Gerau gemeinsam mit der Sportförderung des Kreises und kommunalen Partnern Bewegung direkt zu den Menschen – mit einer kreisweiten Aktionstournee und Alltags-Fitness-Testungen. Die Resonanz ist groß: 140 Interessierte meldeten sich in einzelnen Kommunen pro Aktionstag. Auch auf Landesebene findet das Engagement Beachtung: Die Hessische Familienministerin besucht am 29. Oktober 2026 einen Alltags-Fitness-Aktionstag in Geinsheim.
Erkenntnisse und Kontakte aus den Bewegungsprojekten fließen in die aktuelle Gesundheitsstrategie ein – von „Gesund aufwachsen“ über „Gesund leben“ bis „Gesund altern“. Beim Runden Tisch wurden erste Antworten zu wichtigen Handlungsfeldern gegeben: von der Vernetzung der Sportverwaltung und der Bewegungsförderung für Kinder und Ältere über die Sicherung von Sport- und Bewegungsflächen bis zur Unterstützung der Vereine. Auch die Online-Plattform www.freizeitimkreisgg.deerleichtert den Zugang zu Sportstätten, Bewegungsflächen und Freizeitangeboten.
Sportentwicklung ist damit mehr als die Frage, wo ein neuer Sportplatz entsteht. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, Menschen zusammenzubringen und Bewegung in unterschiedlichen Lebensphasen zu ermöglichen. Darum verknüpft der Kreis Groß-Gerau Sport- und Gesundheitsförderung zunehmend.