Plädoyer fürs Zusammensein
KREIS GROSS-GERAU – Die Autorin Hadija Haruna-Oelker war Ende März zu Gast im Groß-Gerauer Landratsamt, um aus ihrem zweiten Buch „Zusammensein. Plädoyer für eine Gesellschaft der Gegenseitigkeit“ zu lesen. Darin zeigt sie als Verbündete ihres Sohnes, dass Inklusion weit mehr ist als nur ein Schlagwort, sondern bedeutsam für die Zukunft der Demokratie. Ganz nach der afrikanischen Lebensphilosophie Ubuntu: „Ich bin, weil wir sind“.
Der Erste Kreisbeigeordnete Adil Oyan nahm diesen Satz in seiner Begrüßung der rund 50 Gäste der Lesung auf: „Ubuntu ist eine Philosophie und Haltung, die in der heutigen Zeit, in der gesellschaftliche Brüche tiefer werden und antidemokratische Töne lauter, wichtiger ist denn je. Hadija Haruna-Oelker zeigt, dass eine solidarische Gesellschaft kein Geschenk ist, sondern tägliche Arbeit an unseren Denk- und Sprachmustern erfordert. Menschlichkeit entsteht durch Gemeinschaft.“
Eingeladen zur Veranstaltung hatten vom Kreis Groß-Gerau Nilüfer Aldmeri (Fachstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus im Büro für Integration), Judith Kolbe (Büro für Frauen und Chancengleichheit) sowie Patrick Diefenbach (Fachdienst Sozialplanung, Inklusion und Teilhabe). Moderiert wurde der Abend von Saima Malik von theaterperipherie e.V. aus Frankfurt. Sie und die Autorin agierten im Wechsel: Erst wurde ein Abschnitt aus dem Buch vorgelesen und direkt im Anschluss wurde er anhand gezielter Fragen besprochen, um die Inhalte zu vertiefen. Die beiden hörenden Gebärdensprachen-Dolmetscherinnen Yvonne Barilaro-Boracchia und Alessia Bibus sowie die taube Dolmetscherin Kristine Walter übersetzten das Gesprochene. Nach dem offiziellen Teil der Lesung gab es die Möglichkeiten, Fragen an die Autorin zu stellen und an den Info- und Büchertischen ins Gespräch zu kommen.
Hadija Haruna-Oelker möchte mit ihren Büchern dazu anregen, gesellschaftliche Strukturen kritisch zu reflektieren und neue Perspektiven für ein solidarisches, inklusives Miteinander zu eröffnen. Das Besondere an ihren Werken ist, dass sie sowohl Wissen vermittelt als auch aus ihren eigenen Erfahrungen berichtet - und gleichzeitig Ideen und Möglichkeiten zeigt, wie die Gesellschaft sich weiterentwickeln und was jede*r Einzelne dazu beitragen kann. Hadija Haruna-Oelker wünscht sich ein umfassendes gesellschaftspolitisches Nach- und Umdenken, einen Perspektivwechsel und ein Verständnis für Menschenrechte.
„Sie ist eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen Diversitätsforschung. Sie hinterfragt konsequent strukturelle Diskriminierungen und unsere Sprachgewohnheiten. Es bereitet uns große Freude, sie in Groß-Gerau begrüßen zu dürfen“, sagte Judith Kolbe. „Inklusion beschreibt eine Gesellschaft, in der Vielfalt als Stärke verstanden wird und alle Menschen die gleichen Chancen auf Teilhabe haben“, ergänzte Patrick Diefenbach.
Nilüfer Aldmeri wies auf das Verständnis von Intersektionalität, also auf Mehrfachdiskriminierungen hin. Menschen sind häufig nicht nur wegen eines zugeschriebenen Merkmals Diskriminierungen ausgesetzt. Diese überschneiden sich, wie z.B., dass eine Person wegen der Religion, der Hautfarbe und des Geschlechts gleichzeitig diskriminiert werden kann.
Viele Gäste seien gestärkt aus der Veranstaltung gegangen: „Denn, wie auch die Autorin in ihren Büchern immer wieder betont, wir haben schon viel geschafft. Wir haben als Gesellschaft Veränderung bewirkt und wir machen weiter“, sagte Nilüfer Aldmeri am Ende der Veranstaltung.
