
Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer, die viele Fragen stellten, hatte Christian Kehrenberg von HessenForst bei der Führung auf dem Kühkopf am vergangenen Freitag. Christian Kehrenberg zeigte am Beispiel der Walnuss auf, wie sich die Vegetation auf dem Kühkopf ändert. Fotos: Kreis Groß-Gerau
Rundgang im „Versuchslabor“
KREIS GROSS-GERAU – „Gestern, heute, morgen – der Kühkopf im Wandel der Zeit“: So lautete der Titel der Führung auf dem Kühkopf, die der Kreis gemeinsam mit dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, HessenForst und der Kreisvolkshochschule am Nachmittag des 18. September anbot. 20 Interessierte kamen dazu ans Umweltbildungszentrum (UBZ) „Schatzinsel Kühkopf“, wo Christian Kehrenberg von HessenForst sie begrüßte. Er informierte die Gruppe im Lauf von gut zwei Stunden an verschiedenen markanten Stellen im und um das UBZ über verschiedene Aspekte des größten hessischen Naturschutzgebiets Kühkopf-Knoblochsaue.
Zu den interessanten Details, die Christian Kehrenberg vermittelte, zählte zum Beispiel der Hinweis darauf, dass der Name Knoblochsaue von der Patrizierfamilie Knobloch aus Frankfurt herrührt. Oder dass der Altrhein – früher der eigentliche Fluss – einmal 350 Meter breit war. Die Rheinbegradigung vor rund 200 Jahren habe viele Effekte gehabt: von der Verbesserung des Schifffahrtswegs bis zur Entwässerung der angrenzenden Gebiete, die dadurch einfacher für Besiedelung und Landwirtschaft zu nutzen waren.
Christian Kehrenberg wies während der Tour darauf hin, dass es sich beim Naturschutzgebiet nicht um pure Natur, sondern um eine immer wieder vom Menschen veränderte Kulturlandschaft handelt. Denn auch auf dem Kühkopf wurde einst intensiv Landwirtschaft betrieben, wurden Dämme errichtet und wieder aufgegeben, Bäume gepflanzt und Wiesen geschaffen. Die mittlerweile laufende Sukzession, die Veränderung der Artenzusammensetzung an einem Ort, wird auf dem Kühkopf beobachtet und wissenschaftlich begleitet.
Der Klimawandel – der sich mit zunehmend heißeren und trockeneren Sommern bemerkbar macht, wie auch mit häufigeren Starkregenereignissen – trägt ebenfalls zu Veränderungen im Auwald bei. Beim Rundgang nannte und zeigte Christian Kehrenberg eine Reihe Beispiele, wie sich die Vegetation nach und nach ändert, wenn es etwa seltener längere Hochwasser gibt. Licht und Wasser spielen eine wichtige Rolle dabei, welche Baumarten sich in der Weichholzaue nahe dem Ufer und welche in der Hartholzaue in Zukunft behaupten werden. Während Esche, Ulme und Ahorn (durch Pilzkrankheiten wie die Rußrindenkrankheit) auf dem Rückzug sind, vermehrt sich etwa die Walnuss verstärkt.
„Wohin die Reise am Ende geht, wissen wir nicht. Wir befinden uns auf unbekanntem Terrain. Der Klimawandel entwickelt sich immer schneller; der Rheinpegel hat einen historischen Tiefstand, der Zufluss zum Altrhein ist trockengefallen. Das Waldökosystem dagegen ändert sich eigentlich sehr langsam“, so Christian Kehrenberg. Darum sei das Rhein-Main-Gebiet – das trockenste und heißeste Gebiet in Deutschland – quasi ein Versuchslabor für das restliche Land. „Hier im Naturschutzgebiet, können wir zuschauen, was passiert“, da es dort keine ökonomische Nutzung gibt. Aber planmäßiger Waldbau funktioniere in unserer Gegend nicht mehr. Und auch die Landwirtschaft müsse sich wohl umstellen.