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Frauen fahren Bus Foto

Aktionstag Frauen fahren Bus in Wiesbaden: Sylia Niebling-Metzger, Recruiterin bei der ESWE Verkehrsgesellschaft mbH (links), und Iris, die mit Unterstützung des Jobcenters Kreis Groß-Gerau gerade einen neuen Job sucht. Foto: KJCGG

Jobcenter bringen Frauen ans Steuer

Aktionstag bei Eswe Verkehr in Wiesbaden

KREIS GROSS-GERAU/WIESBADEN – Neue Berufe sichtbar machen, regionale Arbeitgeber mit Fachkräften versorgen, und vor allem Frauen (zurück) in Beschäftigung bringen – drei Ziele, mit denen die drei kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau, Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis jetzt rund 20 Frauen mit der Eswe Verkehr zusammengebracht haben: beim Aktionstag „Frauen fahren Bus“ in Wiesbaden.

Schaltung, Bremsweg, Funkverbindung zur Zentrale: Iris, 55, Gernsheimerin mit großer Leidenschaft für größere Fahrzeuge und nach einjähriger beruflicher Zwangspause auf der Suche nach einem Job hinter dem Steuer, war eine ebenbürtige Gesprächspartnerin für Sylia Niebling-Metzger. Die Recruiterin von Eswe Verkehr hatte Iris und eine Gruppe von Frauen mitgenommen in die Ausbildung und den Arbeitsalltag als Busfahrerin. Einen Vormittag lang ging es in Wiesbaden um Bustypen und Führerscheinklassen, um Verkehrsschilderwissen und Staukompetenz, Deeskalationsstrategien und Pünktlichkeit. Eben um „Frauen fahren Bus“.

Für den gleichnamigen Aktionstag hatten die kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau, Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis rund 20 Frauen zusammengebracht, die mit Unterstützung ihrer jeweiligen Jobcenter gerade dabei sind, beruflich (wieder) Fuß zu fassen. Bei unterschiedlichsten Voraussetzungen der Teilnehmerinnen ging es in Wiesbaden nicht nur darum, dass alle sofort die siebenmonatige Ausbildung zur Busfahrerin beginnen. „Es geht darum, neue Perspektiven aufzuzeigen, die Teilnehmerinnen zu ermutigen, sich mit neuen, vielleicht bisher nicht gedachten Möglichkeiten auseinanderzusetzen“, sagt Simon Stöhr, Leiter des Arbeitgeber-Services des Groß-Gerauer Jobcenters, der regelmäßig Kooperationen mit Arbeitgebern in der Region organisiert. „Wichtig ist uns, dass die Teilnehmerinnen sich ein eigenes Bild machen, Klarheit bekommen, ob dieser Bereich für sie in Frage kommt oder was ihnen dafür noch fehlt – und wenn nicht, welcher Bereich dann vielleicht stattdessen passt.“

Mit diesem Ziel tourt die Jobcenter-Initiative „Frauen fahren Bus“ derzeit bundesweit und hat in Hessen zum Beispiel schon in Offenbach Station gemacht. „Die Eswe bot sich für eine Kooperation mit uns drei Jobcentern an, wegen des gemeinsamen Einzugsgebiets und der bestehenden partnerschaftlichen Zusammenarbeit“, sagt Simon Stöhr. „Außerdem haben wir nach vielen Kooperationen mit dem Unternehmen nun erstmals ein Format speziell für Frauen auf die Beine gestellt.“

„750 Mitarbeitende fahren bei uns Busse“, sagt Sylia Niebling-Metzger. „50 davon sind Frauen – damit liegen wir bereits über der Quote, die viele andere Betriebe in unserer Branche haben.“ Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Arbeit in Hessen bezifferte den Frauenanteil in der Berufsgruppe Führung von Fahrzeug- und Transportgeräten zuletzt mit 4,9 Prozent.

Für Eswe-Busfahrerin Shirin Rana, die beim Aktionstag erzählte, wie sie zu dem Job kam, war der nachgeholte Schulabschluss vor drei Jahren der Türöffner zur Ausbildung bei Eswe – und damit zum ersten regulären Job. Ihre Kollegin Sanela Hofmann hatte ihr gesamtes Berufsleben bei einer großen Kaufhaus-Kette gearbeitet, bis es dort für sie nicht mehr weiterging. „Ich war 48. Die Ausbildung zur Busfahrerin war meine Chance auf einen Neustart“, sage sie.

Auch wenn die Frauenquote bei Busfahrern besonders niedrig ist: Die Herausforderung, gerade Frauen und Arbeitgeber zusammenzubringen, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel zu begegnen, stellt sich branchenübergreifend. Die Erwerbstätigenquote hessischer Frauen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren lag laut LAG zuletzt bei 72,3 Prozent, acht Prozentpunkte unter der der Männer – und hält sich in diesem Abstand stabil seit 2021. „Um den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarkts gerecht zu werden, ist die gezielte Förderung von Frauen zentral“, sagt Elke Rothenheber, Leitung des Bereichs Markt und Integration im Jobcenter Kreis Groß-Gerau. „Wir begleiten unsere Kundinnen deshalb gezielt – mit speziellen Angeboten, individueller Beratung und Unterstützung, etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Sandra Landermann, unterstützt Frauen mit regelmäßigen Angeboten aus dem Jobcenter heraus, und stand Teilnehmerinnen auch rund um „Frauen fahren Bus“ beratend zur Seite.

Am Ende des Aktionstags wechselten mehrere Lebensläufe den Besitzer. „Da waren einige gute Bewerbungen dabei“, fasst Sylia Niebling-Metzger zusammen. Andere Teilnehmerinnen gingen mit konkreten Hinweisen nach Hause: welches Sprachzertifikat noch fehlt, oder ob die Dienstzeiten und Schichtmodelle eine Ausbildung näher am Wohnort sinnvoller machen. Vor dieser Entscheidung steht jetzt auch Iris. „Inhaltlich ist die Ausbildung auf jeden Fall ein starkes Angebot“, sagt sie. Bestärkt von dem Tag in Wiesbaden will sie nun, unterstützt vom Jobcenter, genau schauen, was für sie machbar ist, und parallel ihre Suche nach einem ähnlichen Angebot in ihrer Nähe fortsetzen. Ihr Ziel ist klar: „Ich will raus aus dem SGB II – zurück ins Leben.“ Der Fahrdienst könnte eine Chance sein.