Fachkonferenz zu Veränderungen der Arbeitswelt im Kreis: Die neue Wirklichkeit ist hybrid

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Im Airport Garden Loft in Raunheim und zuhause vor ihren Bildschirmen saßen die Teilnehmer*innen des Fachtags „Neue Arbeitswelten“, den die Kreisverwaltung organisiert hat. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – „Ideenreich im Kreis Groß-Gerau“ - unter diesem Motto stand die diesjährige Fachkonferenz der Veranstaltungsreihe „Wirtschaftsförderung im Dialog“, die der Fachdienst Wirtschaft der Kreisverwaltung organisiert. Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis diskutierten in der vergangenen Woche mit Landrat Thomas Will, welche Möglichkeiten Digitalisierung bietet, die bekannten Arbeitswelten neu zu denken.

Bereits am Veranstaltungsformat zeigte sich die neue Wirklichkeit: So freute sich Landrat Will nicht nur, endlich einmal wieder Publikum persönlich empfangen zu dürfen, sondern begrüßte auch Zuschauer*innen an ihren Bildschirmen zuhause. Dies war möglich, da die Hybrid-Veranstaltung aufgezeichnet und per Livestream ausgestrahlt wurde, was für die Wirtschaftsförderung des Kreises ein Novum bedeutete. Veranstaltungsort war das Airport Garden Loft in Raunheim, Herzstück des modernen Business Campus Airport Garden auf dem Gelände der ehemaligen Lederfabrik Resart-Ihm.

Moderator Carsten Rüger, der die Konferenz mit den Worten „Alles bleibt anders“ eröffnete, sah auch hierin einen Ausdruck sich verändernder Arbeitswelten, in der Handarbeit durch Brain Work ersetzt wird. Corona habe diese Prozesse noch beschleunigt. Jutta Wittekind von der Stadt Raunheim benutzte in ihrer Begrüßung das Bild von der sich häutenden Schlange und plädierte dafür, sich von Altem zu befreien, damit neues Denken möglich wird.

In diesem Licht stand dann auch die Veranstaltung. Im ersten Vortrag nahm Prof. Rainer Danielzyk von der Leibniz Universität Hannover die, wie Rüger es nannte, Vogelperspektive ein. Er erklärte aus raumanalytischer Perspektive, wie sich derzeit die Beziehung zwischen Wohnen und Arbeiten verändert und welche Auswirkungen dies auf die Region FrankfurtRheinMain hat. Dabei zeigte er, dass wenn zunehmend Menschen flexibel im Homeoffice arbeiten, statt täglich in die großen Zentren zu pendeln, neue Chancen für deren Wohnorte entstehen.  Dort steigt dann nämlich die so genannte Tagbevölkerung, was mehr Konsum vor Ort, aber zum Beispiel auch eine höhere Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement mit sich bringt.

Da es aber selbst in der neuen Arbeitswelt nicht ganz ohne persönliche Treffen gehen wird, erwartet Danielzyk für die Zukunft weniger ein Abwandern der Bevölkerung in periphere, ländliche Räume, sondern sieht die Ränder der großen Zentren als Hauptgewinner dieses Phänomens. Dem Kreis Groß-Gerau mit seiner Lage mitten in der polyzentrischen Rhein-Main-Region bescheinigt er daher beste Chancen für künftige Entwicklungen.

Wie die neue Wirklichkeit der Arbeitswelt in der Praxis aussehen kann, stellte im zweiten Vortrag Sylvio Thunnok von Lufthansa Systems vor. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz im Airport Garden in Raunheim hat, setzt voll auf Digitalisierung und flexible Arbeitsmodelle. Dank cloudbasiertem Projektmanagement lässt sich von zu Hause aus ebenso effizient arbeiten wie im Büro. Damit löst sich die LH Systems von einer starren Raumgebundenheit, was große Vorteile bietet, wenn es darum geht, hochqualifizierte Mitarbeiter*innen zu gewinnen und zu halten. Besonders international zusammengesetzte Projektteams profitieren von den neuen Möglichkeiten, so Thunnok. Auch er sieht Corona zwar nicht als Auslöser, aber doch als extremen Beschleuniger der Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt.

Diese Meinung teilte Dr. Petruţa Tătulescu, Geschäftsführerin der Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum GmbH (TIGZ). In ihrem Vortrag zeigte sie, dass kreative Köpfe bereits seit langem die flexiblen Raumkonzepte und Netzwerkstrukturen schätzen, die sie in ihrer Start-Up Schmiede in Gustavsburg vorfinden. Tătulescu bewertet gerade in Zeiten von Corona und zunehmenden Unsicherheiten den regionalen Bezug und enge Netzwerkstrukturen als elementare Stärken für Unternehmen.

Einen Blick in die Zukunft warf dann der vierte Vortrag an diesem Nachmittag, in dem Prof. Birte Frommer von der Hochschule Darmstadt ihre Projektidee für eine Gemeinschaftsbüro-Initiative im südlichen Hessen vorstellte. Hierbei ging es darum, wie ein interkommunal getragenes Netzwerk von gemeinschaftlich genutzten Büroräumen in Klein- und Mittelstädten die Vorteile von Homeoffice und Büroarbeit miteinander verbinden können. So wären die Büros mittels kurzer Wege für die lokale Bevölkerung schnell zu erreichen. Sie könnten im Gegensatz zu so manchem Homeoffice-Platz die nötige Ruhe und professionelle Ausstattung für effektives Arbeiten bieten. Beim Publikum kam diese Idee so gut an, dass sogar bereits erste Anfragen potenzieller Mieter*innen vorgetragen wurden.

Während der Fragerunden nach jedem Vortrag und in der abschließenden Podiumsdiskussion entwickelte sich ein lebhafter Austausch mit dem Publikum. Die Zuhörer*innen wollten genau wissen, wie die hybride Wirklichkeit neuer Arbeitswelten aussehen wird und welche Vorteile sich hieraus für Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen ergeben.

Wer die Veranstaltung verpasst hat und im Nachhinein noch erleben möchte, kann sie sich in voller Länge auf dem Youtube-Kanal der Kreisverwaltung unter www.youtube.com/kreisgg anschauen (https://youtu.be/5SQuaIETVWk).

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