Köpfe der Kreisverwaltung

Angela Carstens, im Einsatz für die Gesundheit

Dr Carstens

Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Angela Carstens, ist im Kreis Aachen aufgewachsen und hat in Heidelberg Medizin studiert. Nach dem Staatsexamen  folgte eine internistische Weiterbildung am Zentrum für Innere Medizin am Bürgerhospital in Stuttgart. Kliniken in Kandel, Pforzheim und Schömberg (psychosomatische Klinik) waren weitere Stationen ihres beruflichen Werdegangs. 

1997 stand der Wechsel ins Gesundheitsamt des Kreises Groß-Gerau an.  Dort arbeitete sie bis 2007 in Teilzeit in verschiedenen Fachdiensten und schrieb in der freien Zeit ihre Dissertation zum Thema „Heilpraktikerwesen in Deutschland und öffentlicher Gesundheitsdienst“.

Im Jahr 2004 besuchte Frau Carstens für sechs Monate die Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf und qualifizierte sich zur Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen weiter. Im Jahr 2007 übernahm sie die stellvertretende Leitung, seit Januar 2009 ist sie Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz.

Angela Carstens, Jahrgang 1960, ist verheiratet und hat einen Sohn. Ihre Hobbys sind Tanzen, Skilaufen und Theater.

Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz

Ein weites Feld hat der Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz in der Kreisverwaltung zu beackern. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich auf 44 Vollzeitstellen verteilen, arbeiten in den Fachdiensten Verwaltung und Organisation, Amtsärztlicher Dienst, Gesundheitsschutz, Jugendärztlicher Dienst, Jugendzahnärztlicher Dienst, Soziale Dienste sowie Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz. Zu den damit verbundenen täglichen Arbeiten kommen immer wieder auch Sonderaufgaben, erläutert Fachbereichsleiterin Dr. Angela Carstens.

Sie denkt da zum Beispiel an die große Zahl im Kreis ankommender Flüchtlinge ab September 2015, als ihr Amt mit der hygienischen Überwachung der Erstaufnahmeeinrichtung in Biebesheim betraut war und zudem die Ankömmlinge medizinisch untersuchen musste. Aber auch Fälle von Vogelgrippe, Hepatitisviren in Lebensmitteln, Ebola, Norovirus-Erkrankungen oder das Auftreten multiresistenter Keime in Kliniken beschäftigen den Fachbereich, der auf alle Eventualitäten vorbereitet sein muss – und das oft überraschend, nach nur kurzer Vorwarnzeit.

„Der Gesundheits- und Infektionsschutz ist unsere Kernkompetenz im öffentlichen Gesundheitsdienst, der dritten Säule des Gesundheitswesens neben der ambulanten und stationären Versorgung“, sagt Angela Carstens. Wesentliche Aufgabe sei es, Schaden von der Bevölkerung abzuhalten. Dabei spielt die Prophylaxe eine große Rolle, aber auch die Suche nach etwaigen Infektionsquellen und das Unterbrechen von Infektionsketten. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist Angela Carstens wichtig. „Wir sind die Kontrollinstanz im Kreis, aber Beratung steht an erster Stelle“, betont sie. So gibt es etwa infektionshygienische Begehungen von Praxen (Ärzte, Heilpraktiker, Fußpfleger) und Kliniken, aber auch von Kindergärten, Tattoo-Studios oder Altenheimen. Zu diesem Zweck sind Ärzte, Gesundheitsaufseher, Tierärzte, Lebensmittelkontrolleure und eine Hygienefachkraft unterwegs.

Überhaupt arbeiten im Fachbereich Veterinär- und Humanmediziner eng zusammen, um Tierseuchen frühzeitig zu bekämpfen und eine Übertragung auf den Menschen zu verhindern. Die Abteilung Veterinärmedizin überwacht außerdem die Einhaltung des Tierschutzgesetzes und die artgerechte Haltung der Tiere. Hierzu sind zwei Tierärztinnen und zwei Tiergesundheitsaufseher im Einsatz.

Als weiteres Beispiel für die zahlreichen Aufgaben ihres Fachbereichs erwähnt Dr. Carstens die Begutachtungen, die der amtsärztliche Dienst übernimmt. Dessen Mitarbeiterinnen begutachten zum Beispiel Lehrer/innen vor der Verbeamtung und untersuchen Klienten im Auftrag des Sozialamts und des Jobcenters, um zu beurteilen, ob gesetzliche Leistungen aus medizinischer Sicht notwendig sind. Bei all diesen Begutachtungen ist das Gesundheitsamt eine „neutrale, unabhängige Instanz“, so Angela Carstens.

Auch im kinder- und jugendärztlichen Bereich gibt es viel zu tun: Alle angehenden Erstklässler im Kreis Groß-Gerau werden bei den Schuleingangsuntersuchungen auf ihre Gesundheit untersucht. Zusätzlich wird  vom Kinder- und Jugendzahnärztlichen Dienst der Zahnstatus aller Grundschulkinder  gecheckt. Die Zahnärztin und ihre Helferinnen fluoridieren die Zähne besonders gefährdeter Schülerinnen und Schüler.
Dank all dieser Untersuchungen gibt es gute Daten für die Gesundheitsberichterstattung, sagt Angela Carstens. So weiß man, dass es einen guten Impfstand bei den Kindern gibt. Dagegen treten manche sprachlichen Defizite zutage oder auch Schwächen bei der Motorik (Fein-/Grob-Koordination). Solche Erkenntnisse helfen wiederum, Maßnahmen zur Verbesserung ergreifen.

Auch die Frühen Hilfen (aufsuchende Hilfe für Mütter und Väter in psycho-sozialen Problemlagen, Unterstützung bei Pflege und Ernährung, Kommunikation mit dem Baby und Kleinkind) leisten ihren Teil, um die Lage der Menschen im Kreis zu verbessern; zwei speziell weitergebildete Kinderkrankenschwestern sind dazu im Einsatz. Überhaupt das Stichwort Sozialmedizin: Das öffentliche Gesundheitswesen unterstützt Menschen in Notlagen, die keinen oder wenig Zugang zum traditionellen Gesundheitssystem haben. So besuchen Sozialarbeiter Patienten zuhause, um sie zu beraten und Hilfen zu vermitteln.

Eine weitere Aufgabe kommt durch das neue Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz Hessen auf den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz zu. Eine zentrale, niederschwellige und neutrale Anlaufstelle für Leute mit psychischen Problemen soll ab Sommer 2017 auch im Kreis Groß-Gerau entstehen.

Es bleibt also immer spannend im Fachbereich. „Das Interessante an einer Tätigkeit im Gesundheitsamt ist die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Kombination von Individual- mit Bevölkerungsmedizin“, sagt die Fachbereichsleiterin. Sie schätzt den Teamgedanken in ihrer Abteilung. Fehlende personelle Ressourcen werden durch „Professionalität und Kompetenz der Beschäftigten“ kompensiert. Fortbildung wird großzügig unterstützt – und „wir kommen Müttern und Vätern in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit entgegen, damit sich Job und Familie optimal verbinden lassen.“

Sven Christiansen, Architekt in der Regionalentwicklung

Sven Christiansen

Sven Christiansen leitet den Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt in der Kreisverwaltung. Nach seinem Studium (Architektur und Städtebau) in Hannover, das er 1988 abschloss, trat er seine erste Stelle direkt im Kreis Groß-Gerau an. „Ich habe in der Bauaufsicht angefangen“, erinnert sich der 1962 geborene und aus Emden stammende Fachbereichsleiter. 

„Es hat mir viel Spaß gemacht in der Bauaufsicht“, die damals noch ein eigenständiger Bereich war, sagt Sven Christiansen. Seit 2015 gehört das Gebiet wieder zu seinen Aufgaben, weil es in seinen Fachbereich eingegliedert wurde.

Abteilungsleiter wurde Sven Christiansen 1993, als der damalige Landrat Enno Siehr ihn beauftragte, eine neue Abteilung Regionalentwicklung zu schaffen. Damals zählte auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zu den Arbeitsfeldern; Ende der neunziger Jahre folgte die Ausgliederung in die dann aus der Taufe gehobene Lokale Nahverkehrsgesellschaft.  Viel beschäftigt war Christiansen in dieser Zeit in Zusammenhang mit der 1995 vollzogenen Gründung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). „Das war damals eine echte Innovation“, betont der Fachbereichsleiter.

Im Laufe der Jahre kamen weitere Aufgabengebiete hinzu, zum Beispiel die Wasserbehörde und die Naturschutzbehörde. Insgesamt arbeiten rund 50 Leute in dem facettenreichen Fachbereich - etwa 25 von ihnen in der Bauaufsicht, in der auch Denkmalschutzfragen und die Wohnungsbauförderung behandelt  werden.

Sven Christiansen liegt der Natur- und Umweltschutz am Herzen, wird im Gespräch mit ihm deutlich. Er sagt selbst: „Ich bin sehr engagiert für Naturschutz.“ Ihn interessieren Fachthemen wie flächensparendes Bauen oder der Artenschutz. „Bei Bauprojekten wird, wenn es zu Verzögerungen kommt, gern auf dem Naturschutz herumgehackt. Aber oft ist der gar nicht der Grund für die Probleme. Artenschutz ist meist ein lösbares Problem, aber Planer müssen die Vorgaben ernst nehmen. Geschützte Arten dürfen nicht einfach getötet werden.“ Der Fachbereichsleiter legt in den Diskussionen Wert auf sachliche und unideologische Arbeit, betont er.

Um etwas für die Umwelt zu tun, fährt Sven Christiansen ein Hybrid-Auto, würde sogar gern auf ein hundertprozentiges Elektrofahrzeug umsteigen. Er ist sich sicher, dass solche Wagen bald erschwinglicher werden und die Zahl der Ladesäulen, auch im Kreis Groß-Gerau, zunimmt. Auch der Kreis hat Überlegungen gestartet, seinen Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen, sagt Christiansen. Nicht nur der Abgasskandal zeige, dass „wir Verbrennungsmotoren eigentlich nicht mehr brauchen“, sagt der verheiratete Vater einer Tochter.

Der Wallerstädter fährt ohnehin so oft wie möglich mit dem Fahrrad. Sportliche Betätigung und Yoga zählen zu seinen Hobbys.

 

Der Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt

Im Fachbereich Regionalentwicklung, Bauen und Umwelt hatte und hat Leiter Sven Christiansen es mit einer Vielzahl von Themen zu tun: von der Bauaufsicht über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – wobei die Bahnhöfe über viele Jahre ein wichtiges Thema waren – bis zu Grundwasser- und Umweltschutz. Der Fachdienst Wasser- und Bodenschutz erfasst zum Beispiel alle Öltanks und sonstige Tanks im Kreisgebiet, etwa an Tankstellen. „Das ist wie ein TÜV. In gewissen Abständen werden die Tanks überprüft“, sagt Sven Christiansen.

Als Naturschutzbehörde erlebt der Fachbereich häufig Kontroversen und Interessenskonflikte, wenn es um Bauprojekte geht. „Wenn man sich die Probleme im Detail anguckt, kommt man im Einzelfall aber oft zu Lösungen“, ist Sven Christiansens Erfahrung. Was die Naturschutzgebiete im Kreis Groß-Gerau betrifft, so ist zwar das Land Hessen dafür zuständig, „aber wir sind fachlich eingebunden mit unseren Biologen und Landschaftsplanern“. Auch das Thema Artenschutz beschäftigt den Fachbereich häufiger.

Zu den Verkehrsthemen, die unter der Überschrift Regionalentwicklung einsortiert sind, zählt nicht nur der ÖPNV. Der Fachbereich von Sven Christiansen ist auch mit dem Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis beschäftigt; die Radverkehrsbeauftragte des Kreises Groß-Gerau gehört zu den rund 50  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs. Als Straßenbaulastträger ist der Kreis für die Kreisstraßen zuständig, als Verkehrsbehörde für die Genehmigung von Beschilderung und Verkehrslenkung an/auf Bundesstraßen.

Enge Zusammenarbeit gibt es mit dem Fachbereich Wirtschaft und Energie, zum Beispiel bei der Klage gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens, die noch immer läuft. Die ICE-Neubaustrecke bleibt Thema. Immer aktueller für den Kreis und den Fachbereich wird die E-Mobilität. „Wir sind im Gespräch mit Elektroversorgern in der Region“, zum Beispiel, was die nötigen Ladestationen angeht, sagt Sven Christiansen. Auch solle geprüft werden, ob der Fuhrpark des Kreises auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden und man dabei mittelfristig sogar Geld sparen kann.

Im Fachdienst Bauen ist die Bauaufsicht angesiedelt. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen sich außerdem mit Denkmalschutz und Wohnungsbauförderung. Das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ ist dem Kreis so wichtig, dass er dazu Tagungen anbietet. Sven Christiansens Fachbereich berät die Kommunen bei der Bauleitplanung und befasst sich mit der vorangehenden Regionalplanung. „Der Wohnungsbau hängt auch wieder stark mit der Flughafenthematik zusammen“, sagt der Fachbereichsleiter. Denn manch ein Baugebiet ließ sich wegen der mit dem Flugbetrieb verbundenen Siedlungsbeschränkung nicht verwirklichen.

Sven Christiansen schätzt die „Vielseitigkeit im Job“, wie er sagt. Es ist spannend für ihn, Großprojekte – wie zum Beispiel die ICE-Neubaustrecke – inhaltlich mit zu betreuen. Er steuert die Arbeit im Fachbereich, er sitzt im Umwelt- und im Regionalausschuss des Kreistags als Verwaltungsfachmann dabei. Seinen Fachbereich sieht er als wichtige Schnittstelle zur Politik.

Claudia Geier, verantwortlich für Finanzen

Claudia Geier

Seit Oktober 2018 ist Claudia Geier Leiterin des Fachbereichs Finanzmanagement. 1967 geboren, begann sie im Jahr 1983 ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten im Landratsamt Groß-Gerau, die sie 1986 abschloss. Es folgten der Verwaltungslehrgang I und von 1993 bis 1996 das Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden. Ein Jahr darauf wechselte die Diplom-Verwaltungswirtin in die damalige Kämmerei. Dort war sie für die Sachbearbeitung Haushaltsplan zuständig, verantwortete einen Teilbereich des Kreisetats.

„Damals gab es noch die Kameralistik“, sagt die aus Nauheim stammende Fachbereichsleiterin, die mittlerweile in Klein-Gerau lebt. In der Umstellungsphase von Kameralistik auf Doppik in den Jahren 2004 bis 2007 leitete Claudia Geier ein Teilprojekt. 2007 schließlich übernahm sie die Fachdienstleitung Internes Rechnungswesen beim – wie es seit 2008 heißt – Finanzmanagement und nahm zuletzt die Aufgaben der stellvertretenden Fachbereichsleitung wahr: „Vieles, was jetzt in der neuen Funktion zu tun ist, kenne ich bereits von meiner bisherigen Tätigkeit. Dazu kommt aber die Verantwortung – die ich gern übernehme.“

Privat fährt die Fachfrau für Finanzen gern Rad – fast täglich nutzt sie ihr Gefährt für den Weg zur Arbeit und zurück. Auch Tennisspielen und ausgedehnte Spaziergänge mit dem Familien-Grönlandhund genießt sie. „Ich bin bewegungsfreudig“, sagt Claudia Geier, die im Urlaub gern mit ihrem Mann nach Schweden fährt. Weiteres Hobby: Hardrock- und Metal-Konzerte besuchen.

 

Fachbereich Finanzmanagement

Zum Fachbereich Finanzmanagement gehören drei Fachdienste. Im externen Rechnungswesen geht es um sämtliche Zahlbarmachungen, erläutert Fachbereichsleiterin Claudia Geier. Es ist mit 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Stand: Oktober 2018) der größte Teil. Der Fachdienst Internes Rechnungswesen befasst sich mit allem, was mit dem Haushaltsplan des Kreises Groß-Gerau zu tun hat. Dort geht es um die Planung und den Jahresabschluss. Im Fachdienst Vollstreckung werden sämtliche Forderungen eingetrieben, die bei öffentlichen Trägern entstehen. Insgesamt besteht das Team des Fachbereichs aus rund 40 Personen.

Über all diese Bereiche genauso den Überblick zu behalten wie über die politischen Diskussionen im Kreis und über neue Herausforderungen, wie zum Beispiel die Hessenkasse, ist für Claudia Geier ein „spannender Job“. Durch die Hessenkasse „bekommen wir mehr als 250 Millionen Euro an Kassenkrediten abgelöst“, sieht sie den Vorteil dieses Landesprojekts, „aber wir müssen auch unseren eigenen Beitrag an der Hessenkasse erwirtschaften“. Zudem gibt es immer wieder neue Aufgaben für den Kreis. Und neuerdings muss nicht mehr nur der Ergebnishaushalt im Gesamthaushaltsplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen sein, sondern auch der Finanzetat.

Der Spagat zwischen dem Ziel, die nötigen Mittel zu erwirtschaften, und berechtigten Wünschen und Anforderungen gerecht zu werden, ist schwierig. Claudia Geier nennt als Beispiele für unvorhersehbare und sich neu ergebende Aufgaben zum einen die zunehmenden Bevölkerungszahlen im Kreis Groß-Gerau und zum anderen die Investitionen in die Kreis-Schulen.  Auch wenn die Schulen in einem sehr guten Zustand sind, so waren sie nicht für die Anforderungen von Ganztagsschule oder Inklusion gebaut und saniert worden:  „Die Welt ändert sich. Darauf müssen wir uns einstellen. Dabei geht es immer gleich um sehr große Summen.“ Das Volumen des Ergebnishaushalts 2019 wird bei rund 375 Millionen Euro liegen.

Jeweils im letzten Quartal eines Jahres, wenn die Erstellung und Genehmigung des Haushalts fürs kommende Jahr ansteht, ist die Fachbereichsleiterin besonders viel unterwegs. Dann nimmt sie an Sitzungen der Kreistagsfraktionen teil, informiert über den Haushaltsentwurf und beantwortet Fragen. Diese Sitzungen sind naturgemäß noch intensiver als die Haushalts-Arbeitskreissitzungen der Fraktionen während des gesamten Jahres.

Hinzu kommt der Gedanken- und Informationsaustausch mit Kämmereileitungen aus dem Landkreis (zweitägige Tagung einmal im Jahr) sowie auf Ebene des Hessischen Landkreistags (zweimal im Jahr ein Tag). Claudia Geier: „Diese Treffen sind wichtig, um einen Vergleich zu haben: Wo stehen wir, wie machen es die anderen? Man merkt, man ist nicht allein mit seinen Fragen und seiner Verantwortung. Das sind sehr wertvolle Veranstaltungen.“

Oliver Hegemann, Fachmann für Soziale Sicherung

Oliver Hegemann
Oliver Hegemann (Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau)

Seit Anfang Juli 2019 leitet Oliver Hegemann den Fachbereich Soziale Sicherung der Kreisverwaltung Groß-Gerau mit seinen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er wechselte von der Kreisagentur für Beschäftigung des Landkreises Darmstadt-Dieburg, wo er seit 2006 gearbeitet hatte, ins Landratsamt Groß-Gerau. Die Verwaltungslaufbahn war nicht direkt geplant: Nach dem Abitur studierte er zunächst fürs Grundschullehramt Biologie, Sozialkunde und evangelische Religion.

Aus persönlichen Gründen orientierte er sich nach diesem Studium neu und arbeitete einige Monate beim Arbeitsamt Darmstadt, von wo er zum Landesarbeitsamt in die Gruppe Außendienst Bau wechselte.  „Der Job hat mir gefallen“, sagt Oliver Hegemann. So kam es, dass er – Jahrgang 1968 – mit Ende 20 noch eine Verwaltungsausbildung draufsattelte. Er studierte drei Jahre bei der Bundeswehrverwaltung in Mannheim mit dem Ziel Diplom-Verwaltungswirt. Danach arbeitete er ein Jahr in der Personalsachbearbeitung in der Wehrbereichsverwaltung IV. Wegen einer Reform bei der Bundeswehr, die mit einem Umzug nach Düsseldorf verbunden gewesen wäre, entschied sich der Pfungstädter für eine weitere berufliche Neuorientierung.

Dabei nutzten die bestehenden Kontakte zur Agentur für Arbeit in Darmstadt: Oliver Hegemann wurde dort Arbeitsvermittler. 2006 wechselte er als Teamleiter ins Kommunale Jobcenter des Kreises Darmstadt-Dieburg. Über die Sachgebietsleitung ging es schließlich, ab 2009, als Abteilungs- und nach Namensänderung Fachbereichsleiter des Fachbereichs Aktivierende Hilfen weiter. Dort ging es um Fallmanagement, Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung. „Während meiner Zeit dort stieg die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 46 auf 130“, erinnert sich Oliver Hegemann.

Der Fachbereichsleiter Soziale Sicherung ist verheiratet und hat zwei Töchter. In seiner Freizeit verreist er gern mit seiner Familie und nutzt die übrige freie Zeit mit Lesen. Er ist aktiv in der Pfungstädter Kommunalpolitik und ist dort Stadtverordnetenvorsteher. In dieser Funktion obliegt ihm auch die aktive Förderung und Entwicklung der vier Städtepartnerschaften Pfungstadts mit Retford/England, Figline e Incisa Valdarno/Italien, Gradignan/Frankreich und Héviz/Ungarn.

 

Fachbereich Soziale Sicherung

Der Fachbereich Soziale Sicherung, für den Oliver Hegemann seit Juli 2019 als Leiter zuständig ist, hat sechs Fachdienste. Diese sind: Allgemeine und Besondere Soziale Hilfen; Asyl und Zuwanderung (die frühere Stabsstelle Asyl und Zuwanderung wurde zum 1. Juli 2019 in den Fachbereich Soziale Sicherung eingegliedert); Grundsatz; Sozialplanung; Eingliederungshilfe, Sozialdienst, Pflegestützpunkt; Wohngeldbehörde, Bildung & Teilhabe, BAFöG. „Mit allen Fachdienstleitungen habe ich gleich nach Aufnahme meiner Tätigkeit im Landratsamt ein längeres Gespräch geführt, habe mich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgestellt“, so Oliver Hegemann.

Er möchte Gesicht und Präsenz zeigen, denn der Kontakt zum Team ist ihm wichtig. „Ich möchte, dass wir miteinander etwas bewegen“, sagt der Fachbereichsleiter. Es sei klar, dass er die strategischen Entscheidungen trifft und Aufgaben delegiert, aber „ich möchte die Leute mitnehmen, die Mitarbeitenden in Entscheidungen mit einbinden“, sagt Oliver Hegemann. Zum Beispiel mithilfe von Workshops, um die Kolleginnen und Kollegen für Neues und für gemeinsame Problemlösungen zu begeistern.

Zwei große Leistungsbereiche sieht er in seiner Abteilung: die Sozialen Hilfen und das Wohngeld. „Beide sind sehr wichtig zur Wahrung des sozialen Friedens im Kreis und im Land.“ Diese wesentlichen Aufgabengebiete „müssen operativ einfach funktionieren“. Aber auch die Eingliederungshilfe habe große Außenwirkung. Beim Thema Asyl und Zuwanderung sind für viele Angelegenheiten mittlerweile die Kommunen selbst zuständig. Doch der Kreis stellt die Infrastruktur sicher und kümmert sich ums Belegungsmanagement in den mehr als 80 Unterkünften.

Zu den Aufgaben, für die Oliver Hegemann verantwortlich ist, zählt in großem Ausmaß auch die Beratung der Politik. Stichwort Sozialplanung. Dabei sind immer die Auswirkungen auf die 14 Städte und Gemeinden des Kreises mit zu bedenken. „Die soziale Infrastruktur im Kreis wird von hier aus unterstützt und gesteuert“, so der Fachbereichsleiter, der in Ausschuss- und Kreistagssitzungen präsent ist.

Gremienarbeit gehört ohnehin zu seinen Aufgaben, zum Beispiel in der Sozialkommission, im Altenhilfebeirat oder im Inklusionsbeirat. Auch dabei gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Fachdienstleitungen. In engem Kontakt steht Oliver Hegemann naturgemäß zudem mit dem Kommunalen Jobcenter Kreis Groß-Gerau: weil es Zusammenarbeit bei Maßnahmen und Projekten gibt - und weil er durch seine frühere Tätigkeit bei der Darmstadt-Dieburger Kreisagentur für Beschäftigung schon einige Berührungspunkte mit dem Jobcenter des Kreises Groß-Gerau hatte.

Robert Hoffmann, führt das Jobcenter

Robert Hoffmann

Nach dem Abitur 1980 in Gernsheim und dem Zivildienst in Ober-Seemen studierte Robert Hoffmann in Frankfurt an der Fachhochschule Sozialarbeit. Das Studium schloss er 1986 mit dem Diplom ab. Sein Jahrespraktikum absolvierte er bei der Groß-Gerauer Kreisjugendpflege, dann wurde er dort Sozialarbeiter – und bekam 1988 die Leitung der Jugendpflege übertragen.

Ab September 1994 arbeitete Hoffmann für sechs Jahre in der IT-Abteilung im Landratsamt. „Das war gut, weil ich auf diese Art fast alle Bereiche der Verwaltung kennen gelernt habe“, erinnert sich Robert Hoffmann, der im Jahr 2000 Sozialamtsleiter in der Kreisverwaltung wurde. Nach den Hartz-IV-Reformen - wichtigstes Element der Sozialreform war die Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und weiter Teile der Sozialhilfe zum 1. Januar 2005 - übernahm Hoffmann Anfang 2005 die Jobcenterleitung: zunächst in der Arge – in der Arbeitsagentur und Kreis zusammenarbeiteten -, ab 2012, als der Kreis sogenannte Optionskommune wurde, im Kommunalen Jobcenter. Das Jobcenter ist als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) aufgestellt.

Seit 2005 war Hoffmanns Arbeit „geprägt von ständiger Veränderung“, beschreibt Robert Hoffmann das komplexe, vielschichtige Thema. „Bund, Länder und Kommunen ziehen nicht immer am selben Strang.“ Die permanenten Änderungen der gesetzlichen Grundlagen brächten viel Arbeit mit sich, aber auch Verbesserungen. Der Jobcenterleiter wünscht sich, dass mehr auf die „Stimme der Praxis“ gehört würde. Zum Beispiel auf den Wunsch, „dass wir aus Eingliederungsmitteln für Flüchtlinge auch Sprachförderung bezahlen können“. Auch Hauptschulabschlüsse finanzieren dürfe das Jobcenter nicht; es dürfe nur beraten und auf Anbieter verweisen.

Den Übergang zur AöR bezeichnet Robert Hoffmann als „mit die spannendste Zeit“ in seinem Berufsleben. Alles musste neu gedacht werden, vieles war zu regeln: Organisation, Übernahme von Belegschaft der Bundesagentur für Arbeit, IT (Statistik- und Controllingprogramme), Rechtsgrundlagen, Qualifizierung, Personalentwicklung, Immobilien. Das Jobcenter hat mehrere Servicebüros im Kreis: aktuell in Rüsselsheim, Groß-Gerau, Mörfelden-Walldorf und Biebesheim.

Um abzuschalten vom Jobcenter-Alltag, macht der 1961 geborene Robert Hoffmann mit seinem Bruder Musik („Molly Alone“ und  „Dirty Fingers“) und reist mit seiner Frau Kerstin und den beiden Hunden - am liebsten nach Schottland und Skandinavien.

 

Arbeit im Jobcenter

„Wir sind für die Menschen zuständig, bei denen es die Arbeitsagentur nicht geschafft hat.“ So beschreibt Robert Hoffmann, Leiter des Kommunalen Jobcenters Kreis Groß-Gerau, die berufliche Herausforderung. Seit Januar 2012 werden vom Jobcenter alle Aufgaben der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) wahrgenommen, also die Entscheidung über Leistungen zur Eingliederung in Arbeit und Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden. „Ich bewundere die Arbeit unserer Leute, die den direkten Kontakt haben. Was Sachbearbeiter und Arbeitsvermittler für ein Know-how haben, ist enorm. Ein Sachbearbeiter muss in ungefähr 90 Gesetzen sattelfest sein“, sagt Robert Hoffmann. Das Geld an die Leistungsbezieher müsse pünktlich raus, man dürfe keine Fehler machen, stehe sehr in der Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass es schwierig ist, qualifizierte Kräfte zu finden – „und es wird immer schwieriger“.  Auch weil das Jobcenter ein Imageproblem habe, die Arbeit nervenaufreibend sein könne.

Eine normale Verwaltungsausbildung reiche nicht aus. „Wir qualifizieren mittlerweile selbst – für den Kreis, für Rüsselsheim und für Riedstadt bilden wir aus“, so Hoffmann: Jeweils drei Monate kommen die Auszubildenden der Verwaltung ins Jobcenter, um ihren Sozialpart zu absolvieren. Möglicherweise wird künftig auch eine komplette Ausbildung im Kommunalen Jobcenter möglich; das werde geprüft. Eine weitere Art, an Fachpersonal zu kommen, ist der rund ein halbes Jahr dauernde Zertifikatslehrgang, der gemeinsam mit der Verwaltungsfachhochschule angeboten werde.

Die 300 Jobcenter-Angestellten haben alle eine Schulung in interkulturellen Kompetenzen absolviert. Zudem sind „Höflichkeit und Respekt im Umgang generell Basis“, betont Robert Hoffmann.

Bei der Vermittlung von Menschen in Arbeit trennt das Jobcenter nach Altersgruppen und nach besonderen Zielgruppen, denn alle haben unterschiedliche Bedarfe. Es gibt die unter 25-Jährigen, die über 50-Jährigen und die Hauptgruppe dazwischen. Alleinerziehende, Schwerbehinderte und junge Leute ohne Qualifizierung sind ebenfalls wichtige Zielgruppen. „Sinn der Sache ist, den Menschen ein dauerhaftes Einkommen zu sichern“, sagt Robert Hoffmann. Möglichst eins, von dem sie selbstständig leben können. Das ist nicht selbstverständlich: Im Herbst 2016 gab es dreieinhalb- bis viertausend Aufstocker im Kreis Groß-Gerau, die zwar arbeiteten, aber von ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt nicht komplett bestreiten konnten. Bei anerkannten Flüchtlingen, die erst nach und nach beim Jobcenter ankommen, werde daher auch Überzeugungsarbeit geleistet, dass nicht das schnelle Geld bei irgendeinem Job langfristig Perspektiven bringt, sondern eine  fundierte Ausbildung/Qualifizierung.

Um etwas für Langzeitarbeitslose zu tun, die länger als ein Jahr ohne Job sind, nimmt das Kommunale Jobcenter am ESF-Bundesprogramm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit teil (ESF: Europäischer Sozialfonds). Dabei fördert der Bund Integrationsmaßnahmen, das Jobcenter beschäftigt Jobakquisiteure, die Arbeitgeber und potenzielle Arbeitnehmer zusammenbringen. Qualifizierte Coaches von freien Trägern betreuen die Kunden bei der Arbeitsaufnahme und unterstützen sie im Lauf der ersten Monate. Innerhalb von eineinhalb Jahren gab es auf diesem Weg 80 Integrationen, bilanziert Robert Hoffmann. Das ESF-Programm ist auf 32 Monate begrenzt.

Ein neues Projekt ist das zentrale Callcenter, das das Kommunale Jobcenter plant und mit eigenen Leuten besetzen will. Ziel ist, die telefonische Erreichbarkeit zu verbessern. 

Ute Imig-Wittekind, Fan von lebenslangem Lernen

Ute Imig-Wittekind

Ute Imig-Wittekind, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Schule in der Kreisverwaltung Groß-Gerau, hat von 1984 bis 1989 in Marburg Pädagogik und Psychologie studiert. In dieser Zeit nahm sie auch an einem Ausbildungsseminar für Betreuer im Feriendorf des Kreises in Ober-Seemen teil; später leitete sie ihrerseits Ausbildungsseminare für Jugendbetreuer. Sie jobbte während des Studiums bei „Arbeit und Leben“ in Marburg und als Honorarkraft bei der Kreisjugendförderung im Jugendbildungswerk des Kreises.

Nach ihrem Examen – die Diplomarbeit behandelte das Thema sexuelle Gewalt und Ausbeutung an Kindern und Jugendlichen - arbeitete Ute Imig-Wittekind zwei Jahre bei der Stadt Rüsselsheim in einem Jugendzentrum. Ab 1990 folgte ihre pädagogische Mitarbeit bei der Kreisjugendförderung. 1994 wurde Imig-Wittekind, die aus Büttelborn stammt, Kreisjugendpflegerin. Sie war die erste Frau in dieser Position, erinnert sie sich, und „mit viel Herzblut“ bei der Sache. „Im Feriendorf Ober-Seemen kannte ich jeden Stock und Stein.“ Und im Schloss Dornberg fanden damals noch internationale Jugendbegegnungen statt.

Als Robert Hoffmann, Vorgänger von Ute Imig-Wittekind als Kreisjugendpfleger und ihr Weggefährte in der Jugendarbeit, im Jahr 2000 Leiter des Kreissozialamts wurde, wechselte sie ebenfalls ins Sozialamt.  Von dort ging es für Ute Imig-Wittekind, die die Abwechslung und neue berufliche Herausforderungen liebt, in den Stab Organisation und Personalentwicklung bei Landrat Enno Siehr. Damals sei erstmals in der Kreisverwaltung die Führungskräfteentwicklung in den Fokus gerückt, auch für die zweite und dritte Führungsebene. Auch als die Hauptverwaltung und damit der Stab aufgelöst wurden, war sie bis Oktober 2015 weiter für die Führungskräfteentwicklung, für Gesundheitsförderung und für eine familienbewusste Verwaltung zuständig. Bei diesen Aufgaben kam ihr zugute, dass sie sich berufsbegleitend fortgebildet hatte zu Trainerin und Coach sowie zur Gestalttherapeutin. Sie leitete unter anderem Teambildungs-, Zielvereinbarungsseminare sowie Kollegiale Coaching-Gruppen im Landratsamt.

Seit Herbst 2015, nach der Organisationsreform im Landratsamt, führt Ute Imig-Wittekind den Fachbereich Bildung und Schule. Landrat Thomas Will hatte sie angesprochen, ob sie diese Aufgabe übernehmen will. Als „Fan von lebenslangem Lernen“ hat sie zugesagt, den neuen Bereich zu übernehmen.

Ute Imig-Wittekind ist 1964 geboren. Sie ist Mutter eines Kindes, wohnte heute in Flörsheim. Zu ihren Hobbys zählen Motorradfahren, der Besuch von Rockfestivals und „in der Natur sein“.

 

Fachbereich Bildung und Schule

„Ich finde, Menschen sind das Spannendste, was es gibt. Es interessiert mich nichts so sehr wie Menschen.“ Das sagt Ute Imig-Wittekind, Fachbereichsleiterin Bildung und Schule im Groß-Gerauer Landratsamt. Zu ihrer Kontaktfreudigkeit und ihrem Interesse passt es, dass sie einen der großen Fachbereiche in der Kreisverwaltung zu führen hat. Er entstand 2015, als die Bereiche Jugend und Schule sowie Schul- und Gebäudeservice aufgeteilt wurden -  in Jugend und Familie, Gebäudemanagement und eben in Bildung und Schule: Rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören dazu. „Die meisten arbeiten dezentral“, so die Fachbereichsleiterin, nur 15 von ihnen sitzen direkt in der Kreisverwaltung. Zu den Beschäftigten draußen im Kreis zählen zum Beispiel Schulsekretärinnen, Ganztagsschulkräfte und Schulsozialarbeiter/-innen.

Der Fachbereich hat drei Fachdienste. Zum einen die Schulverwaltung: In dieser Abteilung geht es zum Beispiel um Schülerbeförderung, Gastschulbeiträge und die bedarfsgerechte personelle Ausstattung an den Schulsekretariaten.

Zweitens der Fachdienst Netzwerk Schulgemeinde/Schulsozialarbeit. Im Kreis Groß-Gerau wurde 2001 mit dem flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit begonnen. „Die Schulsozialarbeit ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz begründet. Sie ist die Bindestelle in die Jugendhilfe“, sagt Ute Imig-Wittekind. Beratung gibt es klassenweise genauso wie in Einzelfällen. Wesentliches Thema der  Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen ist der Übergang Schule – Beruf.

Der Kreis Groß-Gerau ist in dieser Hinsicht klug aufgestellt, betont die Fachbereichsleiterin, denn die präventive Schulsozialarbeit und ihre niederschwelligen Angebote entlasten letztlich das Jugendamt. Probleme werden frühzeitig erkannt und ein Scheitern junger Menschen, das sich negativ auf den weiteren Lebensweg auswirkt, lässt sich besser verhindern. Der Fachdienst steht zum Beispiel in engem Kontakt zum Allgemeinen Sozialen Dienst der Verwaltung, zu Betreuern unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge und zu Erziehungsberatungsstellen.

Dritter Fachdienst ist „ Regionale Bildungsplanung, Ganztagsschule und Jugendberufshilfe“. Mit dem Ausbau von Ganztagsschulen geht die Erwartung einher, langfristig eine kindgerechte Schule zu entwickeln, formuliert es Ute Imig-Wittekind. Dabei stehen Spannung und Entspannung, eigenständiges Lernen und angeleiteter Unterricht, Kultur, Sport und Soziales in einem anregenden Mischungsverhältnis.

Auch bei der Jugendberufshilfe steht der Übergang Schule – Beruf im Blickpunkt. Der Kreis beteiligt sich in diesem Zusammenhang an der OloV-Strategie des Landes, wobei OloV für „Optimierung lokaler Vermittlungsaktivitäten“ steht. Diese sieht vor, dass Akteure im Übergang von der Schule in den Beruf ihre Ziele und Aktivitäten untereinander abstimmen.

Insgesamt geht es im Fachbereich darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Schule im Kreis Groß-Gerau kind-, jugend- und familiengerechter wird und dass alle Schülerinnen und Schüler einen Abschluss und den Übergang in den Beruf erreichen.

Heinrich Krobbach, Mann mit Bildungsauftrag

Heinrich Krobbach

Heinrich Krobbachs erste Begegnung mit der Volkshochschule ist im Bild festgehalten: 1967, im Alter von 13 war er Teilnehmer eines Fotokurses. Bis zu seinem Einstieg als Volkshochschulleiter im  Kreis Groß-Gerau im März 1988 dauerte es dann noch ein bisschen. Dazwischen lagen folgende Stationen: Abitur 1975 in Darmstadt, zwei Jahre Landesgeschäftsführer der hessischen Schülervertretung, Studium der Fächer Sozialkunde und Deutsch für das Lehramt am Gymnasium, das er 1987 mit dem Zweiten Staatsexamen abschloss. „Zwischendurch habe ich ein paar Semester an der Startbahn West verbracht“, erinnert er sich an die frühen achtziger Jahre zurück, als die Zeit des Studierens für viele auch noch Welt-Erfahrung bedeutete.

1988 hatte die Kreisvolkshochschule (KVHS) sechs Hauptstellen: Groß-Gerau, Riedstadt/Stockstadt, Mörfelden-Walldorf, Raunheim, Kelsterbach, Mainspitze. Dazu kamen die direkt über den Kreis finanzierten Außenstellen in Nauheim, Trebur, Büttelborn und Biebesheim. In Gernsheim gab es eine ehrenamtlich geführte Volkshochschule.

Bereits 1988 wurde der Fachbereich EDV der Volkshochschule geschaffen, erinnert sich Krobbach. „Wir waren damals das größte Qualifizierungs- und Beschäftigungssicherungsprogramm in Deutschland“, sagt der KVHS-Leiter. Es habe einen riesigen Nachholbedarf bei der Arbeit mit Computern gegeben.

Die Zentralisierung der Kreisvolkshochschule beschäftigte die Politik und die Mitarbeiter danach über einige Jahre. Nicht jeder war von einer örtlichen Bündelung begeistert, manche fürchteten eine Abwendung von der Kundschaft. Die nervenaufreibende Phase mündete Mitte der Neunziger in einen Kompromiss: Zum 1. Januar 1996 wurde der Eigenbetrieb Kreisvolkshochschule Groß-Gerau gegründet; anfangs blieben Riedstadt, Gernsheim und Mörfelden-Walldorf dabei noch außen vor. 2003 folgte eine Veränderung bei der Kostenübernahme: Die KVHS wurde komplett vom Kreis finanziert. 2006 schließlich fand die Einrichtung  ihren Platz zentral in Schloss Dornberg.

Das bedeutet indes nicht, dass es keine Angebote in den Kommunen mehr gibt, betont Heinrich Krobbach. Die Kreisvolkshochschule unterhält mehrere Bildungszentren, die  jüngsten im Groß-Gerauer Wasserweg und in der Riedstädter Stahlbaustraße. Insgesamt hat sie rund 40 Unterrichtsräume. „Wir sind zukunftsfähig aufgestellt“, sagt der Volkshochschulleiter.

Der Erfelder Heinrich Krobbach ist 1954 geboren. Zu seinen Vorlieben zählt er Literatur, und dabei besonders Krimis. Ein Besuch der Frankfurter Buchmesse ist jedes Jahr ein Muss: allein schon, um sich dort Anregungen für die Krimireihe der Kreis-VHS zu holen.

 

Aufgaben und Schwerpunkte der Kreis-VHS

„Unsere Angebote zielen auf Persönlichkeitsentwicklung durch Bildung und Lernen. Wir achten auf aktuelle fachliche und erwachsenen-pädagogische Standards, qualifizierte Kursleiter/innen, angemessene Raum- und Sachausstattung und den Veranstaltungserfolg.“ Auch die Weiterbildungsberatung zählt zu den Bausteinen der Volkshochschularbeit. So steht es im Leitbild der Kreisvolkshochschule (KVHS) Groß-Gerau, das zum Beispiel im Internet nachzulesen ist.

„Wir haben ja einen Auftrag. Daran muss man immer wieder erinnern“, sagt Kreisvolkshochschulleiter Heinrich Krobbach. Die Volkshochschularbeit sei eine Pflichtleistung nach dem Weiterbildungsgesetz. Geliefert wird ein nach Fachbereichen gegliedertes Bildungsangebot - ob politische oder kulturelle Bildung, Bildungsreisen oder Förderung des Ehrenamts, Sprachkurse, Gesundheitsförderung oder berufliche Weiterbildung.

Für all ihre Aufgaben erhält die Volkshochschule aktuell eine Million Euro im Jahr vom Kreis. Davon werden allein rund 600000 Euro für Mieten und Nebenkosten gebraucht, erläutert Heinrich Krobbach: „Unser dezentrales Angebot in den Kommunen kostet Geld“, sagt er dazu. Aber es sei wichtig für die KVHS, in allen Städten und Gemeinden präsent zu sein.

Durch die Zuwanderung in den Kreis boomen die Sprach- und Alphabetisierungskurse, aber auch Angebote zur Gesundheitsbildung gibt es reichlich. Gemeinsam mit Partnern und Auftraggebern wie Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit oder Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden Projekte auf die Beine gestellt. Beispiel: „Gesundheitsförderliches Alltagsleben“ mit Informationen zu Gesundheit, Bewegung und Ernährung. Beim Projekt „Begegnung vieler Welten“ werden Jugendliche qualifiziert, die sich mittels verschiedener Medien mit dem Thema Zuwanderung befassen. Ein anderes, dreijähriges Projekt der politischen Bildung mit dem Titel „Demokratie erleben“ befasst sich mit der Ausbildung von Multiplikatoren zum Thema Demokratieförderung.

Ziel der KVHS ist es, die Balance zwischen ihren verschiedenen Angeboten zu halten, auch wenn und gerade weil derzeit mehr als die Hälfte der hauptamtlich bei der Volkshochschule Beschäftigten im Fachbereich Sprachen arbeitet. Neu aufstellen muss sich der Fachbereich Berufliche Bildung und digitale Medien, wie er seit Mitte 2016 heißt (vorher: EDV und Berufliche Bildung), sagt Heinrich Krobbach. „Mobile Geräte, Clouds, soziale Netzwerke: All das ist hochspannend. Wir müssen uns fragen: Was kann Volkshochschule zu dieser Entwicklung beitragen? Ziehen da noch die traditionellen Kurse? Wie gehen wir mit der Konkurrenz Internet um?“, beschreibt er Fragestellungen und Aufgaben der nahen Zukunft. Auch der Fachbereich Gesundheit habe neue Mitbewerber bekommen, etwa durch private Anbieter und Fitnessstudios von Vereinen. Wobei die Nachfrage so hoch sei, dass keiner dem anderen etwas wegnehme.

Bange ist Heinrich Krobbach aber nicht, dass der Volkshochschule die Ideen ausgehen oder dass sie von Entwicklungen abgehängt wird. Was etwa das Internet angeht, so ist natürlich auch das gesamte Programm der KVHS dort, auf www.kvhsgg.de, immer aktuell zu finden. 

Christine Plenzig, trägt Verantwortung für Jugend und Familie

Plenzig

Einen großen Erfahrungsschatz aus mehreren beruflichen Stationen bringt Christine Plenzig mit in die Groß-Gerauer Kreisverwaltung. Seit August 2019 ist sie die Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie. Die Ur-Mainzerin hat nach dem Abitur zunächst Speditionskauffrau gelernt, ehe sie in Landau in der Pfalz Psychologie studierte. Schwerpunkte im Studium waren pädagogische und klinische Psychologie. Schon während des Studiums und für eine kurze Zeit nach dem Abschluss 2002 arbeitete sie in der Jugendhilfe in einem therapeutischen Heim in Offenburg.

Im Februar 2003 trat die 1974 geborene Mutter von zwei Kindern ihre erste Vollzeitstelle als Psychologin an: in einer Einrichtung der heilpädagogischen Erziehungshilfe in Bayreuth. Später arbeitete sie in Teilzeit im Sozialpsychiatrischen Zentrum in Bayreuth und absolvierte nebenher die Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin. Danach arbeitete sie bis zum Jahr 2008 als Selbständige in der Institutsambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bayreuth.

Bereits ab Herbst 2007 allerdings streckte Christine Plenzig, nachdem eine Studienkollegin den Kontakt vermittelt hatte, ihre Fühler Richtung Bundeswehr aus, wo sie insgesamt vier berufliche Stationen durchlief. Zunächst arbeitete sie als Psychologin im Flugmedizinischen Institut der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck. Später wechselte sie zur Personalpsychologischen Aus- und Fortbildung im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr nach Köln.

Ab 2014 war Christine Plenzig für rund zweieinhalb Jahre Truppenpsychologin im Kommando Streitkräftebasis in Bonn. Eine besondere Herausforderung stellte die Arbeit mit Einsatzgeschädigten und ihren Familien dar; hier einen Beitrag leisten zu können, „ist und bleibt eine wertvolle Erfahrung“, betont sie. Zuletzt, ab Oktober 2016, kam Christine Plenzig wieder zurück im Bundesamt. Dort leitete sie das Referat Computerassistiertes Testen (CAT), wo das Großprojekt Online-Assessments fachlich verantwortet und das System CAT in internationaler Kooperation weiterentwickelt wurde. Die Schwerpunkte tragen zur strategischen Weiterentwicklung der Personalgewinnung bei – „sehr technisch, aber spannend“. Ehrenamtlich engagierte sich die Psychologin bei der Kids Talents School, die Angebote für Kinder mit besonderen Interessen und Fähigkeiten macht und Eltern beratend zur Seite steht.

Aus familiären Gründen wollte Christine Plenzig zurück ins Rhein-Main-Gebiet. Die Stelle im Landratsamt sagte ihr gerade auch deswegen zu, weil sie dort Kinder- und Jugendarbeit, ihre Verwaltungserfahrung sowie strategisches Arbeiten miteinander verbinden kann.
Heute lebt Christine Plenzig mit ihrer Familie, zu der auch „ein Hund und mehrere Kleintiere“ gehören, in Groß-Gerau. Als ihre Hobbys nennt sie Bergwandern und Lesen.


Fachbereich Jugend und Familie

Fünf Fachdienste hat der Fachbereich Jugend und Familie der Kreisverwaltung: Wirtschaftliche und rechtliche Jugendhilfe, Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), Besonderer Sozialer Dienst (BSD), Kindertagesbetreuung und Erziehungsberatung. Schon kurz nach ihrem Dienstantritt als Fachbereichsleiterin betont Christine Plenzig die Bedeutung aller fünf Fachdienste.

Die Wirtschaftliche und Rechtliche Jugendhilfe stellt das sachgerechte verwaltungsrechtliche Verfahren (d.h. Gewährung, Kostenzusagen, Heranziehung Unterhaltsverpflichteter) und finanzielle Abläufe innerhalb der Jugendhilfe sicher. Der Fachdienst übernimmt bei festgestelltem Bedarf Beiträge zu Kindertagesstätten-Besuchen, gewährt Unterhaltsvorschuss, unterstützt bei Sorgeerklärungen, Beurkundungen, Vaterschaftsanerkennungen, ermittelt steuerungsrelevante Kennzahlen zur Weiterentwicklung der Bereiche und plant den finanziellen Aufwand im Rahmen der Haushaltsplanung.

Im ASD gibt es die besonderen Herausforderungen des Kinderschutzes und der Überprüfung von Meldungen über Kindeswohlgefährdungen. Der Fachdienst muss rund um die Uhr erreichbar sein. Darüber hinaus geht es im ASD immer um Einzelfälle, familiäre Schicksale, die sensibel und individuell behandelt werden müssen.
Das gilt auch für den BSD, der sich mit Pflegekindern, Amtsvormundschaft und der Jugendhilfe im Strafverfahren befasst. „Wir als Kreis schaffen den passenden Rahmen sowohl für Hilfesuchende, für Helfende und nicht zuletzt auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sehr engagiert und mit Herzblut im Bereich der Jugendhilfe arbeiten“, sagt Christine Plenzig, deren Respekt den Kolleginnen und Kollegen aus der Kreisverwaltung, aber auch Pflegeeltern gilt. Um allen Menschen gerecht zu werden, mit denen es Kontakt gibt, „ist eine stets hohe Achtsamkeit und Wertschätzung nötig“, weiß die Fachbereichsleiterin.

Auch der Bereich der Kindertagesbetreuung braucht viel Aufmerksamkeit, betont Christine Plenzig. Um gleiche Bildungschancen für alle Kinder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Kreis sicherzustellen, bedarf es der „engen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Achtung zwischen unseren Fachkräften, den Kommunen und den Eltern“. Hier sei auch die sehr gute Arbeit der Tagespflegeeltern wertzuschätzen.

Die Erziehungsberatung des Kreises mit der Zentrale in Groß-Gerau und dem neu aufgestellten Beratungszentrum in Riedstadt ist ein weiterer wichtiger Baustein des Fachbereichs Jugend und Familie. Dort erhalten Familien bei Bedarf umfassend Rat und Hilfe zu allen denkbaren Themen. Die Erziehungsberatung macht sich darüber hinaus im Bereich Prävention stark und wirkt so als unverzichtbares Element nachhaltig in den Bereich der Jugendhilfe hinein.

Gut funktionierende Netzwerke sind für Christine Plenzig grundlegende Voraussetzung für effektive und bedarfsgerechte Lösungen. Dabei sind ein enger Austausch und ein guter Kontakt mit den Kommunen für eine erfolgreiche Kreisarbeit von Bedeutung. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit den freien Wohlfahrtsverbänden ein wertvoller Baustein.

Die Fachbereichsleiterin ist angetan davon, wie breit der Kreis bereits aufgestellt ist, wie viele Angebote vorhanden sind - seien es Familienzentren, Lotsen oder Präventionskonzepte (z.B. das Konzept zur Sicherung der Sprachförderung oder das Konzept der Frühen Hilfen). Auch gefällt ihr, wie kreativ und stets lösungsorientiert vorgegangen wird. „Hier gibt es die Bereitschaft, in die wichtigen Kernbereiche zu investieren und mutig und entscheidungsfreudig zu sein“, so Christine Plenzig. Darum freut sie sich auf die Herausforderungen im Fachbereich.

Regina Plettrichs, Cheforganisatorin

Regina Plettrichs

Seit 1977 gehört Regina Plettrichs – seit dem Jahr 2015 Fachbereichsleiterin Politische Steuerung - der Kreisverwaltung Groß-Gerau an. Seit Juli 2017 heißt ihr Fachbereich Steuerung. Regina Plettrichs begann damals ihre Ausbildung als Stenosekretärin. Ab 1979 war sie bei Jugendpflege und Jugendbildungswerk tätig. Neben ihrer Arbeit absolvierte sie von 1984 bis 1986 den sogenannten Einserlehrgang für Sekretärinnen am Verwaltungsseminar in Darmstadt. Nach dessen Abschluss war sie Assistentin im Mittleren Dienst im Kreisfrauenbüro. 1988 folgten der Zweierlehrgang an der Verwaltungsfachhochschule in Darmstadt und die dafür nötige Verbeamtung. Bis 1991 absolvierte Regina Plettrichs die Vollzeitschule, dann war sie Diplom-Verwaltungsfachwirtin. Die Praxisphasen während der Ausbildung verbrachte sie in der Kreisjugendpflege und im Sozialdezernat beim damaligen Sozialdezernenten Herbert Tragesser.

Nach dem Diplom war sie von 1991 bis Ende 1992 in der Personalstelle. Dann wechselte die heutige Fachbereichsleiterin ins Vorzimmer von Landrat Enno Siehr, wurde bald darauf mit dem Sitzungsmanagement von Kreistag und Kreisausschuss beauftragt – was sie bis heute innehat.

Dazu kamen Sonderaufgaben: anfangs die Stabsstelle Büro Landrat, dann, ebenfalls in den neunziger Jahren,  das neu geschaffene Integrationsbüro.  Als nach dem Jahr 2010 noch die Personalentwicklung zu den Aufgaben hinzukam, entstand schließlich die Stabsstelle Büro Landrat, Steuerung und Integration. Regina Plettrichs war seit  2004 Stabsstellenleiterin.

Eine weitere Umorganisation, die auf Erkenntnissen des Gutachtens der Firma Rödl & Partner zur geplanten Haushaltssanierung fußte, brachte das Zusammenlegen von Fachdiensten mit sich sowie die Gründung neuer Abteilungen wie der Konzernsteuerung, die seit Sommer 2017 zum Fachbereich Steuerung gehört. So wurden 2015 zum Beispiel die Fachdienste Integration und Frauenbüro im Fachbereich Steuerung eng verzahnt. Eine personelle Veränderung in der Kreispressestelle führte dazu, dass auch noch der Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit unter Regina Plettrichs` Zuständigkeit fällt. Das Thema Aus- und Fortbildung gehört ebenfalls zu ihren Aufgabebereichen.

Regina Plettrichs ist 1960 geboren und lebt in Riedstadt. Ihre Hobbys sind Politik, Kino und Lesen.

 

Aufgaben in der Steuerung

Immer mehr Leitungsaufgaben hat Fachbereichsleiterin Regina Plettrichs im Lauf der Jahre dazubekommen. Das bringt mit sich, dass die Arbeit „sehr aufwendig geworden“ ist: Denn auf die ursprünglich „eigentliche“ Arbeit, das Kreistagsbüro in Fahrt zu halten, kommen jetzt noch die Leitungsfunktionen im 2015 gegründeten Fachbereich Politische Steuerung (heute: Steuerung) obendrauf. Dessen mannigfaltigen Fachdienste sind: Personalentwicklung und Aus- und Fortbildung, Frauen- und Chancengleichheit, Integration, Öffentlichkeitsarbeit sowie Kultur, Sport und Ehrenamt – und eben das Kreistagsbüro. Dazu gehört außerdem der Europabeauftragte der Kreisverwaltung.

Regina Plettrichs ist auch nach vielen Jahren in der Kreisverwaltung hoch motiviert, wie sie im Gespräch betont. Und sie weiß, dass ihre Abteilung gut organisiert ist. Eine Hilfe dabei ist zum Beispiel das Rats- und Bürgerinformationssystem, das seit 2004 auch online steht und das viele Kopierarbeiten überflüssig gemacht hat. „Mittlerweile wird es gut genutzt“, sagt Plettrichs. Alle Sitzungen, zum Beispiel auch die von Kommissionen, werden darüber erledigt. Es finden sich dort Termine und Unterlagen. Nicht nur der Kreis arbeitet mit diesem System. Auch die Kommunen Riedstadt, Nauheim, Ginsheim-Gustavsburg und Mörfelden-Walldorf haben seine Vorteile erkannt.

Die Anpassung an neue Gegebenheiten, Strukturen und Techniken -  sprich Flexibilität - gehört zu den Fähigkeiten, die Regina Plettrichs und ihr Team beweisen müssen. Die größere Verantwortung und steigender Arbeitsdruck sind zu spüren, sagt sie. Darum müsse sie bei der wachsenden Aufgabenfülle - wegen der zusätzlichen Aufgaben gibt es für Sekretariat und Kreistagsbüro zwei neue Stellen - immer auch die Fürsorgepflicht gegenüber ihren rund 20  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Blick haben.

Umgekehrt lässt Regina Plettrichs ihren Teams, so wie sie es selbst unter den drei Landräten Willi Blodt, Enno Siehr und Thomas Will erfahren hat, Raum für selbstständiges Arbeiten. „Ich bin immer gut informiert, bin da, wenn es Probleme gibt.“ In den Arbeitsalltag aber muss sie nicht hineinregieren.

Sie hat ja auch selbst noch ein paar Zusatzaufgaben zu erledigen. So leitet sie vier Mal im Jahr die Fachbereichsrunde, hat regelmäßige Gespräche mit ihren Fachdienstleiter/innen und ist zuständig für die Organisation der Treffen der Führungskräfte auf der höchsten Leitungsebene.

Nicht zu vergessen der Hessentag 2017 in Rüsselsheim, zu dem auch der Landkreis seinen Teil beigetragen hat. Zur Vorbereitung gab es eine Steuerungsgruppe, geleitet von  -  Regina Plettrichs. Und nach dem Hessentag ist vor neuen Herausforderungen. 

 

 

Friedrich Schmidt, Leiter der Gefahrenabwehr

Friedrich Schmidt

Nachdem der Fachdienst Gefahrenabwehr im Juli 2019 zum Fachbereich Gefahrenabwehr in der Kreisverwaltung geworden ist, gibt es auch einen neuen Fachbereichsleiter: Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt, Jahrgang 1966, der seine Laufbahn beim Kreis Groß-Gerau im Jahr 1982 begonnen hat. Er machte nach seinem Realschulabschluss die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, absolvierte nach und nach die Schule, Lehrgänge und Praktika für Mittleren und schließlich Gehobenen Dienst.

Eingesetzt war er zunächst bei der Personalstelle (ab 1987), danach (1991) in der Unterhaltssicherung. Als diese staatliche Abteilung im Oktober 1992 mit der Gefahrenabwehr zusammengelegt wurde, wanderte Friedrich Schmidt mit zu diesem Aufgabenbereich, wirkte mit bei der Erarbeitung von Satzung und Geschäftsordnung von Brandschutz und Rettungsdienst. Nach Ende der Ausbildung für den Gehobenen Dienst, Anfang Oktober 1995, arbeitete er dort weiter.

Seine Feuerwehrausbildung absolvierte Friedrich Schmidt im Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort Rüsselsheim-Königstädten: von der Jugendfeuerwehr (ab 1982) bis zum Verbandsführer. Dieses Engagement und die Verwaltungsausbildung brachten ihn im Jahr 2013 ins Amt des Kreisbrandinspektors. Bis Ende 2014 war er Sachgebietsleiter Brandschutz, ab 2015 Fachdienstleiter Gefahrenabwehr – jetzt also Fachbereichsleiter. Ab Oktober 2019 ist er zudem Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienst.

Friedrich Schmidt ist verheiratet und Vater eines Sohns und einer Tochter. Zu seinen Hobbys zählen Lesen, das Fotografieren und Radfahren – gern auch im schönen Kreis Groß-Gerau.

Breites Aufgabenspektrum

„Theoretisch kann ich als Kreisbrandinspektor jederzeit die Einsatzleitung übernehmen. Aber im Grunde besteht die Arbeit zu 95 Prozent aus Verwaltungstätigkeit: Pläne lesen, Bescheide erteilen, Normen kennen“, sagt Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt, der Anfang Juli 2019 die Fachbereichsleitung Gefahrenabwehr der Kreisverwaltung übernommen hat. Außerdem ist es nicht sein Ziel, den örtlichen Einsatzleitern ihre Aufgaben abzunehmen. Bei Großeinsätzen „sind wir mit vor Ort, schauen, ob alles läuft, und beraten“, sagt Schmidt. Aber nur falls mehrere Gemeinden von einem Schadensfall betroffen sind, übernimmt der Kreisbrandinspektor das Zepter.

Als Fachbereichsleiter hat Friedrich Schmidt die Fachdienste Brandschutz (allgemeiner und vorbeugender Brandschutz, Koordination) sowie Einsatzplanung und Katastrophenschutz unter sich. Außerdem hat er die Leitung des Eigenbetriebs Rettungsdienst mit Zentraler Leitstelle, der direkt dem Landrat untersteht. Zu den Verwaltungsaufgaben zählen zum Beispiel die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben nach dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) und dem Hessischen Rettungsdienstgesetz (HRDG).  Zuständig ist Friedrich Schmidt auch für die Personalkoordination des Fachbereichs und des Eigenbetriebs, er hat die Verantwortung für die Mitarbeiterführung und für den Etat.

„Ein elementarer Bestandteil der Arbeit ist zudem der Kontakt mit allen kommunalen Feuerwehren und der Kontakt zu den Bürgermeistern als Chefs der kommunalen Feuerwehren“, sagt der Fachbereichsleiter Gefahrenabwehr. Mit den Freiwilligen Feuerwehren werden die kommunalen Bedarfs- und Entwicklungspläne abgestimmt, die jeweils für fünf Jahre gelten. Dabei werden die Wehren persönlich beraten – wobei der Chef, wie bei anderen Dingen auch, Unterstützung von seinen sechs Kreisbrandmeistern erhält.

Gremienarbeit – nicht nur auf Kreisebene – ist ein weiterer wichtiger Punkt, denn auf diese Art wird der Kreis Groß-Gerau an Gesetzgebungsverfahren, am Vorbereiten von Verordnungen und Erlassen beteiligt. Friedrich Schmidt ist nicht nur Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Als stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes kann er auch auf Landes- und Bundesebene mitreden. Er sitzt zudem im Arbeitskreis des Hessischen Landkreistages (HLT) für die Kreisbrandinspektoren, im HLT-Gesundheitsausschuss und in der HLT-AG Rettungsdienst, deren Vorsitz er übernommen hat. Über den HLT gibt es dann auch Kontakte zum Deutschen Landkreistag. Diese breite Vernetzung bringt zugleich Kontinuität mit sich, sagt Friedrich Schmidt. 

Ihm ist ein kooperativer Führungsstil wichtig, betont der Fachbereichsleiter. Bei aller langjährigen Erfahrung sei es gut, Ratgeber in der Umgebung zu haben, die auch mal ein kritisches Wort sagen und zur Selbstreflexion anregen. Denn, so Friedrich Schmidt: „Das finde ich das Tollste an diesem Job: Man lernt jeden Tag etwas Neues.“

Thomas Schmitt, Mann für Sonderaufgaben

Thomas Schmitt

Der Europabeauftragte und Breitbandkoordinator Thomas Schmitt ist gelernter Zimmermann und hat Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Darmstadt studiert. 1992 kam er in die Kreisverwaltung Groß-Gerau. Dort arbeitete er bis 1998 in der Bauaufsicht und übernahm auch Sonderaufgaben -  unter anderem die Einführung einer EDV. Das Programm OTS Bau ist noch heute im Einsatz.

Ab 1998 wurde Thomas Schmitt in der Bauverwaltung mit der Einführung eines geografischen Informationssystems (GIS) betraut. Nächste Station in der Verwaltung war ab 2001 die Stabsstelle Büro Erster Kreisbeigeordneter, wo Schmitt mit Controlling, Sitzungsvorbereitung/-dokumentation und GIS-Steuerung beschäftigt war. Von 2006 bis 2011 folgte die Arbeit in der Zentralabteilung (unter anderem Anbindung des Gefahrenabwehrzentrums ans GIS, Finanzmanagement: strategisches und zentrales Controlling).

In den darauffolgenden zwei Jahren 2011 und 2012 bekam Thomas Schmitt den Auftrag, ein Energiekompetenzcenter für den Kreis Groß-Gerau aufzubauen. Die drei Infrastruktur-Themen dabei waren alternative Energien, Geoinformationswesen und Breitband. So lag es nahe, dass er 2013 und 2014 in der Breitbandgesellschaft des Kreises tätig wurde. Sie war gegründet worden, weil zunächst kein Privater den Ausbau des Breitbandnetzes  angehen wollte. Als die Kreis-Gesellschaft gegründet war, überlegte es sich die Telekom doch anders und wurde in einigen Kommunen aktiv. Daraufhin war klar: Die Breitbandgesellschaft wird wieder abgewickelt, was bis Ende 2017 geschehen sein soll. Trotzdem blieb Thomas Schmitt Breitbandkoordinator des Kreises. Das Thema begleitet ihn nach 2014 auch deshalb weiter, weil der Kreis das Versorgungsziel schnelles Internet besonders für bildungs- und sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Schulen, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser im Blick hat und sich um Fördermittel von Bund und Land bemüht.

Parallel zu dieser Arbeit entwickelte Schmitt ein Konzept für Europaangelegenheiten. Im März 2016 wurde er durch den Kreisausschuss zum Europabeauftragten des Kreises bestellt. Seine vorgesehenen Hauptaufgaben: Akquirieren von Fördermitteln und die Information der kommunalen Ebene über die Auswirkung von EU-Recht.

Thomas Schmitt wurde 1963 geboren. Er lebt in Weiterstadt, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Schwerpunkt Europa

Im März 2016 war es soweit: Thomas Schmitt wurde vom Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau zum Europabeauftragten bestellt. Hintergrund dieser Entscheidung war die Erkenntnis, dass die Europäische Union ein „zunehmend bestimmender Faktor für die kommunalen Gebietskörperschaften“ ist, wie Schmitt die Ausgangslage beschreibt. Entscheidende Rahmenbedingungen für die kommunale Selbstverwaltung werden verstärkt in Brüssel geschaffen. Und 80 Prozent aller Entscheidungen der europäischen Institutionen sind auf kommunaler Ebene zu beachten und umzusetzen. Fast alle Verwaltungsbereiche sind betroffen.

Zu den Aufgaben Schmitts zählen die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Kontakt zu bestehenden Einrichtungen, wie etwa dem Europabüro der Metropolregion FrankfurtRheinMain oder die Europa Direct-Zentren, sei hilfreich und bringe Unterstützung bei den teilweise sehr komplexen Themen. Finanziell ist der Kreis mit 6000 Euro pro Jahr am Europabüro der Metropolregion beteiligt, das eine Dependance in Brüssel hat. „Darüber lassen sich kreisspezifische Themen einbringen“, sagt Thomas Schmitt. Darüber hinaus erscheinen ihm regionale Netzwerke erstrebenswert: mit den Nachbarkreisen und auf der Ebene des Hessischen Landkreistags.

Schmitt – der in unmittelbarem Auftrag des Landrats handelt und organisatorisch dem Fachbereich Politische Steuerung angegliedert ist - möchte dafür sensibilisieren, „dass wir Informationen zu kommunal relevanten Beschlüssen frühzeitig erhalten“. Auch will er Strategien zur nachhaltigen Verbreitung des europäischen Gedankens vermitteln. Es geht darum, Europafreundlichkeit im Kreis zu fördern. Eine Möglichkeit dazu gibt es jeweils am Europatag im Frühjahr: Nach dem Erfolg mit dem „Marktplatz der Vielfalt“ am 9. Mai 2016 soll dieses neue Veranstaltungsformat fortgesetzt werden. Der Europatag 2016 im Kreis Groß-Gerau wurde  von der Hessischen Staatskanzlei gefördert.

Ebenfalls im Blick hat Thomas Schmitt die Auswirkung von EU-Recht auf die Kreisebene. „Über kommunale Spitzenverbände wollen wir schon im Vorfeld von Gesetzgebungsverfahren unsere Interessen mit einbringen“, sagt der Europabeauftragte des Kreises. Es gehe darum, Anregungen und Bedenken  zu äußern, sich zu wappnen.  Der Europabeauftragte soll die Fachbereiche über (geplante) EU-Regelungen mit Auswirkung auf die kommunale Ebene informieren und mit den betroffenen Fachbereichen die Teilnahme an öffentlichen Konsultationsverfahren koordinieren.

Weiteres wichtiges Thema ist die Akquise von Fördermitteln. „Da sind unsere Fachabteilungen schon gut aufgestellt“, sagt Thomas Schmitt. Weil es für Pflichtaufgaben keine Fördergelder aus Europa gibt und der Kreis für freiwillige Leistungen kaum Geld hat, müsse man schauen, wo Akquise noch sinnvoll ist. Das könnte „in erster Linie im Hinblick auf Breitbandförderung“ sein. Da passt es, dass auch dieses Thema  zu Schmitts Arbeitsbereich gehört.  Auch aus dem Europäischen Sozialfonds ließen sich Mittel generieren. „Ich mache das gern – Struktur reinbringen, Daten und Infos sammeln und bewerten“, sagt Thomas Schmitt.

Elisabeth Straßer, hat Wirtschaft und Energie im Blick

Elisabeth Straßer

Elisabeth Straßer, Fachbereichsleiterin Wirtschaft und Energie, stammt aus der Pfalz und hat Erziehungswissenschaften an der Mainzer Universität studiert. Schwerpunkte waren Soziologie und Anthropologie. In diesem Studium, das sie mit dem Diplom abschloss, „habe ich gelernt, wie Kultur funktioniert, wie Systeme funktionieren“, sagt die 1954 geborene Elisabeth Straßer, die zudem Psychologie als Hauptnebenfach studierte. „Mich interessieren immer Prozesse, Mechanismen,  Systeme. Wenn man die Struktur von etwas – zum Beispiel von einer Verwaltung - verstanden hat, kann man darin agieren.“

Bereits während ihres Studiums war Elisabeth Straßer, die in Lampertheim lebt, freie Mitarbeiterin beim ZDF. Danach arbeitete sie fünf, sechs Jahre in den ZDF-Redaktionen Aktuelles sowie Kinder und Jugend. Schließlich strebte sie aber eine Festanstellung an und fand diese in Bensheim bei der Kreishandwerkerschaft. Die Zielgruppen, mit denen sie damals hauptsächlich zu tun hatte, waren Jugendliche, die eine Qualifizierung für den Arbeitsmarkt brauchten, und Frauen, die den beruflichen Wiedereinstieg wollten, erinnert sich die Fachbereichsleiterin.  Nach dieser Tätigkeit wurde Elisabeth Straße externe Frauenbeauftragte der Stadtverwaltung Bensheim. Dabei hatte sie immer die ökonomische Unabhängigkeit der Frau im Blick und damit verbunden die Möglichkeiten der Mobilität für Frauen in ihrer Region.

Nach mehreren Jahren bei der Stadt Bensheim folgte in den neunziger Jahren der Wechsel zum Kreis Groß-Gerau, wo Elisabeth Straßer ebenfalls Frauenbeauftragte wurde. Die Themen waren ähnlich.  „Ich habe zum Beispiel Arbeitsmarktkonferenzen organisiert“ oder es ging um Existenzgründung aus Frauensicht. Sie lobt ihre Vorgängerin Ulrike Cramer, die als Kreisfrauenbeauftragte eine „super Vorarbeit“ geleistet habe: „Das Feld war astrein bestellt, die Netzstrukturen waren alle schon vorhanden.“ Die Aufstellung des Aufgabengebiets durch die Vorgängerin habe der ihren entsprochen: „Das hat gepasst“.

Aber es gab noch neue Herausforderungen für Elisabeth Straßer in der Kreisverwaltung: Als das Büro für Arbeit, Umwelt und Technologie (BAUT) zur Zeit des Kreisbeigeordneten Folkmar Schirmer aus der Taufe gehoben  wurde, wurde sie dessen Leiterin. Aus dem BAUT entstand dann neu die Abteilung Wirtschaftsförderung, die Elisabeth Straßer ebenfalls leitete.  Zu ihren Aufgaben zählte zum Beispiel der Aufbau des Technologie-, Innovations- und Gründungszentrums (TIGZ) im Kreis, das in Gustavsburg angesiedelt ist. Ursprünglich gab es zwei Konzepte dafür – eins für den Südkreis und eins für Rüsselsheim. Aber zwei waren eins zu viel für den Landkreis, und sie musste die Projekte zusammenführen: „Da hatte ich gut schaff.“

Das gilt auch noch für die heutige Zeit. Zu neunt sind sie im Fachbereich und betreuen die Fachgebiete Energie, Wirtschaftsförderung und Flughafen.

Fachbereich Wirtschaft und Energie

Zum Bereich Wirtschaft zählen Wirtschaftsförderung, Existenz- und Unternehmensgründung, Marktförderung, Standortsicherung und Marketing. Fachbereichsleiterin Elisabeth Straßer sprudelt, wenn sie von den vielfältigen Aufgaben erzählt, die „meine Leute und ich sehr gerne machen. Die Arbeit ist hochinteressant“, sagt sie. Überall im Kreis sei unternehmerisch viel los, nicht nur im industrieller geprägten Norden. „Ich pendele seit jeher von Süden in den Kreis ein. Auch dort, im ländlicheren Teil, findet schon immer Wirtschaft statt.“

2017 gibt es die Existenzgründungsberatung, für die Margit Kühner zuständig ist, 20 Jahre. Seien es Einzelberatungen, Seminare, Fachkonferenzen oder Gründungstreffen: Wirtschaftsförderung und das Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum (TIGZ) in Ginsheim-Gustavsburg wirken zusammen, um für Informationsaustausch zu sorgen und zusätzlichen unternehmerischen Schwung in den Kreis Groß-Gerau zu bekommen, in dem es bereits mehr als 20.000 Unternehmen gibt – eine enorme Zahl, wie Elisabeth Straßer betont. Der Fokus liegt dabei auf Automobil- und metallverarbeitender Industrie sowie Chemie. „Ich sehe darin die Stärke des Kreises“, sagt sie: „Alte Industrie mit innovativem, zukunftsweisendem Gesicht.“ Seit 2003 besteht das Automotive Cluster, das Elisabeth Straßer mit initiierte. Und es gibt viele weitere „Perlen“, seien es Handwerksbetriebe  oder Dienstleister.

Für die Marktförderung sei es nötig, „Wissen zu sammeln und daraus Bedarfe zu entwickeln“. Darum sollen die Mitarbeiter im Fachbereich möglichst viele Unternehmen kennen und deren Einschätzungen hören. Diesem  Ziel dienen zum Beispiel Betriebsbesuche, um im persönlichen Gespräch zu bleiben, der Aufbau einer Datenbank (kommunales Wirtschaftsinformationssystem), sowie die Unternehmensbefragung, die alle zwei Jahre organisiert wird. „Damit erhalten wir aktuelle Informationen, hören, ob Betriebe zufrieden mit den Bedingungen im Kreis sind oder nicht. Die Umfrage ist ein praktisches Instrument der Bestandssicherung.“  Denn oft gehe es bei Problemen um Erweiterungswünsche von Firmen. Da könne der Kreis manchmal ebenso moderierend eingreifen wie in Bau- und Planungsfragen.

Planungssicherheit ist wichtig für Unternehmen, weiß Elisabeth Straßer. Wenn es Probleme gibt, ist sie dafür, diese nicht zu verschweigen. „Sie tauchen sowieso irgendwann auf. Deswegen habe ich gern alle Beteiligten an einem Tisch, um Fragen bei unseren sogenannten Genehmigungskonferenzen zu klären“, sagt Straßer, die ihren Fachbereich auch als Dienstleister für Unternehmen sieht.

Auch Betriebe und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiden unter Lärm, sei es Lärm vom Straßenverkehr oder Lärm vom Flughafen Frankfurt, leitet Elisabeth Straßer zu einem anderen Zuständigkeitsfeld ihres Fachbereichs über: den Flughafen. „Wie geht man damit um, wenn das Wachsen des einen Nachteile für den anderen bringt“, fragt sie im Gespräch. Niemand habe Startbahn-West-Zeiten, zu der auch Krawalle und Gewalt gehörten, wiederholen wollen, als der Flughafen sich erneut ausweiten wollte. „Wir haben uns ins Planfeststellungsverfahren für die Nordwest-Landebahn eingebracht. Wir wollen eine Schnittstelle sein für Bürger aus dem Kreis und Bürgerinitiativen.“ Es geht dem Kreis um die Balance zwischen Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum. Als Zeichen und Mittel des solidarischen Einsatzes für die Daseinsvorsorge von Menschen, die nah am Flughafen leben, wurde 2001 die Initiative Zukunft Rhein-Main (ZRM) gegründet: „Der Schulterschluss in der Region funktioniert bis heute“, so Straßer. ZRM holt sich fachliche Kompetenz  bei Anwält/innen und externen Gutachtern, informiert, klagt vor Gericht, schafft Öffentlichkeit – alles mit dem Ziel, die Lärmbelastung für die Kreisbürger, die vom Flughafen ausgeht, zu verringern.

Der Fachdienst Energie ist aus dem Energiekompetenzcenter hervorgegangen. Sein Bestreben ist es, die Möglichkeiten für erneuerbare Energien im Kreis auszuloten und zu verbessern. Dass das Projekt Geothermiekraftwerk der Überlandwerk-GmbH gescheitert ist, bedauert Elisabeth Straßer: „Es ist schade, dass es nicht klappt.“ Der Pioniergeist sei bemerkenswert gewesen und habe keine Häme verdient. Wärme bleibe aber ein Thema im Kreis Groß-Gerau – Sonne und Erdwärme ließen sich hier für die Energiegewinnung nutzen, nicht Wind und Wasser. „Sonnenenergie und Wärmepumpen – das wird strategisch betrachtet unser Thema. Die Fördermittelkulisse darf sich nicht nur um Strom drehen.“

Außerdem spielen Energieeffizienz und -einsparung eine wichtige Rolle, betont Elisabeth Straßer. Sie lasse sich durch bauliche Veränderungen verbessern, durch die Art der Bebauung, durch Grün, das natürliche Kühlung im Sommer bringt. Der Fachbereich bietet in diesem Zusammenhang  „qualifizierte Impulsberatung“. Zielgruppen dabei sind Bürger und Unternehmen, der Kreis mit seinen eigenen Liegenschaften und die Kreiskommunen, aber auch Schulen. Schon bei Grundschülern, zum Beispiel mittels Aufführungen des Energietheaters, ein Bewusstsein für endliche Ressourcen zu schaffen, ist ein Ziel der Arbeit im Fachbereich Wirtschaft und Energie.

Frank Tollkühn, zuständig für zentrale Dienste

Frank Tollkühn

Von Januar 2019 an gibt es in der Kreisverwaltung den neuen Fachbereich Zentrale Dienste. Die Leitung hat Frank Tollkühn (Jahrgang 1986) übernommen, der seit Juli 2013 für den Kreis Groß-Gerau arbeitet. Nach dem Abitur an der Immanuel-Kant-Schule in Rüsselsheim studierte Frank Tollkühn in Wiesbaden Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Controlling, Finanzierung und Investition. Seinen Master-Abschluss machte er 2011. Danach arbeitete er zwei Jahre als Controller beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main. 

Nach dem Wechsel in die Kreisverwaltung bestand seine Aufgabe darin, das Sachgebiet Beteiligungsmanagement aufzubauen. Dieses gehört bis heute zu seinen Themenfeldern. Im Sommer 2017 übernahm Frank Tollkühn die Fachdienstleitung Konzernsteuerung mit den Sachgebieten Beteiligungsmanagement, Liquiditätsmanagement und Controlling. Die Konzernsteuerung wiederum ist seit 2019 Teil des Fachbereichs Zentrale Dienste, zu dem als weitere Fachdienste die Organisation und das IT-Center gehören.

Auch in seiner Freizeit ist Frank Tollkühn vielbeschäftigt. Er ist ehrenamtlich politisch in Rüsselsheim tätig. Seit 2016 ist er außerdem Vorsitzender des Mieterbundes in Rüsselsheim, der mit seinen rund 2500 Mitgliedern der zweitgrößte Verein in der Stadt ist. Früher selbst sportlich sehr aktiv, nimmt der Fachbereichsleiter nun an den Sportarten Leichtathletik und Fußball eher passiv als interessierter Zuschauer Anteil, wobei er sich selbst als „Eintracht-Frankfurt-Sympathisant“ bezeichnet. Er mag gutes Essen und als Freund von Wärme genießt er vor allem die Sommerurlaube.

 

Der Fachbereich Zentrale Dienste

Im Fachbereich Zentrale Dienste werden die Fachdienste Konzernsteuerung, IT-Center sowie Organisation und Digitale Verwaltung gebündelt. Insgesamt arbeitet Leiter Frank Tollkühn dort mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. „Vieles greift bei uns thematisch ineinander. Daher arbeiten wir möglichst mit fachdienstübergreifenden Teams“, sagt Frank Tollkühn. Er schätzt die Bedeutung von Kommunikation innerhalb des Fachbereichs als auch fachbereichsübergreifend sehr hoch ein. Ob es darum geht, Prozesse in der Verwaltung zu dokumentieren und zu digitalisieren, oder entsprechend dem Online-Zugangsgesetz Bürgerkonten zu ermöglichen und das Dokumentenmanagement auszubauen: „Die Zusammenarbeit von Organisation, Digitaler Verwaltung und IT ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Digitalisierung. Deshalb ist es auf jeden Fall sinnvoll, dass diese drei Bereiche nun zum Fachbereich Zentrale Dienste gehören“, so der Fachbereichsleiter.

Das IT-Center kümmert sich zudem um die Software- und Hardware-Ausstattung im Landratsamt und in den Außenstellen, damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung und in den Schulen das nötige Equipment vorfinden.  Eine wesentliche Aufgabe des IT-Centers ist auch die Datensicherheit. 

Der Fachdienst Organisation hat drei Sachgebiete: die klassische Organisation, das Infrastrukturmanagement und die digitale Verwaltung. Die Felder des Infrastrukturmanagements sind Poststelle, Infothek im Landratsamtsfoyer und Konferenzraummanagement. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der klassischen Organisation kümmern sich zum Beispiel um Jobtickets, um die Raumzuteilung, um den Fuhrpark und die Parkplätze, um die Kantine oder auch ums Umzugsmanagement, wenn ganze Abteilungen oder einzelne Mitarbeiter/innen aus strukturellen Gründen in andere Zimmer wechseln müssen. „Organisation ist alles, was mit Service im Haus zu tun hat“, beschreibt Frank Tollkühn. Um den Service optimal leisten zu können, sollen die zuständigen Orga-Kräfte regelmäßig im Haus unterwegs sein, um frühzeitig zu erkennen, ob es vielleicht an irgendeiner Stelle hakt. Die Digitale Verwaltung ist einerseits für die Pflege und den Support verschiedener Fachanwendungen zuständig. Darüber hinaus ist sie die zentrale Stelle, wenn es um die Digitalisierung der Verwaltung geht. 

Zur Konzernsteuerung gehören Beteiligungsmanagement, Controlling und Liquiditätsmanagement. Aufgabe des Beteiligungsmanagements ist unter anderem, den jährlichen Beteiligungsbericht zu erstellen – einen Bericht zu den Gesellschaftsbeteiligungen des Kreises in den Bereichen Gesundheit, Bildung und berufliche Bildung, Beschäftigungsförderung, Existenzgründungsunterstützung, Ver- und Entsorgung, Verkehr, Infrastruktur, Jugend und Soziales. Zu den Gesellschaften und Einrichtungen gehören die Kreisklinik GmbH, der Zweckverband Riedwerke, das Kommunale Jobcenter (Anstalt des öffentlichen Rechts), der Eigenbetrieb Kreisvolkshochschule, das Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum sowie der Eigenbetrieb Rettungsdienst.  Bei den „großen Beteiligungen“ wie Kreisklinik oder Jobcenter gibt es regelmäßige Strategierunden sowie Treffen mit dem Finanzmanagement. 

Beim Controlling geht es darum, monatlich Berichte für die Fachbereiche zu erstellen sowie einen Bericht zur Mitte des Jahres, um den Überblick über Erträge und Aufwendungen zu behalten, die jeweils aktuellen Zahlen mit den Haushaltsplänen abgleichen und gegebenenfalls reagieren zu können.

Im Bereich Liquiditätsmanagement geht es unter anderem um die Sicherstellung der Liquidität des Kreises, um die Aufnahme und Umschuldung von Darlehen und Kassenkrediten sowie um die rechtzeitige Sicherung der Finanzierung der Investitionen des Kreises.     

Gabi Walter-Reichelt, die Frau fürs Bauen

Gabi Walter-Reichelt

Die Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement, Gabi Walter-Reichelt, stammt aus Worms. Sie studierte an der TU – damals noch Technische Hochschule – Darmstadt Architektur und schloss das Studium 1988 mit dem Diplom ab. Im Anschluss arbeitete sie im Architekturbüro Kargel. „Dort habe ich das Bauen von der Pike auf gelernt“, sagt sie.  Beim Bau des Feuerwehrstützpunkts Rüsselsheim ist sie erstmals mit dem Kreis Groß-Gerau in Berührung gekommen, erinnert sich Gabi Walter-Reichelt: „Ich habe bei Werkplanung, Ausschreibung und Bauleitung mitgearbeitet.“

1995 machte sie sich selbstständig, war mit An- und Umbauten sowie Sanierungen beschäftigt. Allein zu arbeiten, gefiel ihr auf Dauer aber nicht, sie ist lieber im Team aktiv. Am 15. Februar 1999, sie weiß das Datum noch genau, fing Gabi Walter-Reichelt im Bereich Bauen und Liegenschaften der Kreisverwaltung Groß-Gerau als Projektleiterin an. Zunächst hatte sie als Schwangerschaftsvertretung eine befristete, danach eine halbe Stelle. Im Jahr  2002 übernahm sie eine Teamleitung innerhalb des Gebäudemanagements.

2008/09 folgte dann die Verantwortung für den neu geschaffenen Fachdienst Bau und Technik und damit die Verantwortung für alle Gebäude des Kreises Groß-Gerau. Heute hat der Fachbereich diese Fachdienste: Bau und Technik, Service, Finanzen sowie Bauentwicklung, Versorgung und Ausstattung (BVA).

Gabi Walter-Reichelt wurde 1960 geboren und ist verheiratet. Sie lebt in Traisa. Ihre Hobbys sind Kochen, der Garten und Lesen.

 

Fachbereich Gebäudemanagement 

Der Fachbereich kümmert sich um die Kreisimmobilien, als da sind Verwaltungsgebäude, Volkshochschule, Kfz-Zulassung, Erziehungsberatungsstelle Groß-Gerau und vor allem die Schulen im Kreis (mit Ausnahme von Rüsselsheim und Kelsterbach, die selbst Schulträger sind; in Rüsselsheim gibt es allerdings drei kreiseigene Schulen). Die Sanierung von Schulen, die anhand einer Maßnahmen- und Dringlichkeitsliste vorangetrieben wurde, ist sehr weit gediehen, verlängert sich jedoch auch von Jahr zu Jahr.

Neue Herausforderungen entstehen durch die Entwicklung zu Ganztagsschulen und durch die Aufgabe, die  räumlichen Voraussetzungen für Schulsozialarbeit zu schaffen. Zudem gilt es Platz zu schaffen für die vielfältigen Angebote, die heute Bestandteil von Schule sind: von Mediation bis Meditation. Auch für spezielle Fördermaßnahmen im Rahmen der Inklusion braucht es zusätzlichen Raum und Umbaumaßnahmen, die Barrierefreiheit herstellen. Nicht zuletzt „laufen uns die Schülerzahlen davon“, so Gabi Walter-Reichelt. Die Bevölkerung wächst im Kreis Groß-Gerau, und durch steigende Schülerzahlen werden in Zukunft wieder Schulerweiterungen notwendig.

Das alles kostet viel Geld. Und weil bei starker Nachfrage die Preise und Kosten steigen, müssen jedes Jahr auch Maßnahmen geschoben werden. Dazu kommen Einflüsse von außen: ein sich ständig änderndes Vergaberecht, das laut Gabi Walter-Reichelt durch immer weitere Pflichten und Regeln der öffentlichen Hand das Bauen erschwert. Bei deutlichen Kostenüberschreitungen gegenüber dem ursprünglichen Auftrag muss heute genau überprüft werden, ob der Auftrag nicht neu ausgeschrieben werden muss. Und solche neuen Erkenntnisse, die zusätzliche Maßnahmen erforderlich machen, welche zu zusätzlichen Kosten führen, sind bei Sanierungen im Bestand kaum zu vermeiden. Was passiert dann, wenn es für ein Bauprojekt Fördermittel geben sollte? „Man muss höllisch aufpassen, nichts falsch zu machen, damit man nicht hinterher Geld ans Land zurückzahlen muss“, sagt Gabi Walter-Reichelt.

Spannend ist die derzeitige Entwicklung im Schulbau, erklärt die Fachbereichsleiterin Gebäudemanagement.  „Wir kommen weg vom Klassenraum zählen.“ Es werde flexibler geplant, zum Beispiel würden größere Räume vorgesehen, die man unterteilen kann. Ein wenig wie in den siebziger Jahren. An der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim etwa ließen sich vier bis sechs Räume zu einem großen Saal zusammenfassen, „wie ein Lernlabor“. In den Grundschulen werden die Schüler jahrgangsweise zusammengefasst und es entsteht „Heimat“ für die jeweiligen Jahrgänge mit eigenen Aufenthalts- und Lehrerbereichen und eigenen Toiletten.

Das Gebäudemanagement arbeitet eng mit dem Fachbereich Bildung und Schule zusammen. Gemeinsam wird über Schulentwicklung, Baubedarfe und Lösungen von schulischen Problemen beraten. Zum Beispiel geht es um die Perspektive für die Beruflichen Schulen Groß-Gerau, wie nach Abriss des verwaisten PDS-Oberstufengebäudes - in dem die Beruflichen Schulen derzeit noch Räume nutzen - der „Campus“ Berufsschule weiterentwickelt werden kann.

Ein Projekt von vielen: „Wir haben eine Menge Baustellen parallel“, sagt Gabi Walter-Reichelt, die zum Beispiel auch für das Archiv des Landratsamts zuständig ist. Nach den Bauarbeiten und zahlreichen Umzügen von Abteilungen ist alles neu zu organisieren. Ein Zwischenlager für Akten gibt es jetzt in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt in Goddelau, bei der dortigen Grundschule.

 

 

Michael Weingärtner, Kreiswahlleiter und noch viel mehr

Michael Weingärtner

Seit Sommer 2000 ist Michael Weingärtner Leiter der Kommunal- und Bürgerdienste in der Kreisverwaltung. Der 1960 geborene Darmstädter studierte nach dem Abitur in Darmstadt Jura in Marburg und Frankfurt am Main. Nach dem Zweiten Staatsexamen Anfang der neunziger Jahre arbeitete er im Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Dort war er an mehreren Stationen tätig, zum Beispiel im Ausländerdezernat und im Baurecht, als Bürgerbeauftragter des RP und in der Kommunalaufsicht. In dieser Zeit erlebte Michael Weingärtner drei Regierungspräsidenten und war im Bereich Kommunalaufsicht einmal für ein dreiviertel Jahr ins Innenministerium in Wiesbaden abgeordnet.

Im Jahr 2000 erfolgte dann der Wechsel ins Landratsamt Groß-Gerau. Im Fachbereich Kommunal- und Bürgerdienste in der Kreisverwaltung hat sich immer wieder einmal etwas geändert. So gehört dort ursprünglich die Wasserbehörde mit in den Zuständigkeitsbereich. Sie wurde 2005 aus- und an anderer Stelle eingegliedert, dafür kam nachträglich zum Beispiel die Verantwortlichkeit für die Untersagung unerlaubten Glücksspiels hinzu. Auch das Gebiet Wahlen – Michael Weingärtner ist Kreiswahlleiter – wurde ihm später übertragen.

„Früher waren wir eine staatliche Behörde und befanden uns, via RP, im direkten Weisungsstrang der Landesregierung“, erinnert sich der Fachbereichsleiter. Mit der Änderung im Jahr 2005 seien auch die Beamten zu kommunalen Kreisbediensteten geworden. Heute sei man überwiegend Kreisordnungsbehörde – die allerdings immer noch im erwähnten „Weisungsstrang“ liege: zum Beispiel als Ausländerbehörde. „Als Fachbereich sind wir in den meisten Dingen ans Regierungspräsidium angebunden“, sagt Weingärtner.

Michael Weingärtner ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Als seine Hobbys nennt er Sport und Lesen.

 

Aufgaben im Fachbereich Kommunal- und Bürgerdienste

Drei Fachdienste gehören zum Fachbereich: erstens Kommunalaufsicht, Wahlen, Ordnungs- und Gewerberecht; zweitens Ausländer- und Personenstandswesen; drittens Verkehr. Alle drei sind wiederum in mehrere Aufgaben untergliedert. Allein das bedingt schon, dass die Dienste sehr selbständig arbeiten, wie Michael Weingärtner betont.

Die Ausländerbehörde steht seit einiger Zeit im Fokus: Die große Zahl von Flüchtlingen, die seit Sommer 2015 auch im Kreis Groß-Gerau angekommen sind, macht sich bemerkbar. Im Jahr 2016 gibt es, so die Erwartung Michael Weingärtners, bis zu 35.000 Kundenkontakte. Zeitweise wollen so viele Menschen ihre Papiere neu ausgestellt oder verlängert bekommen, dass „wir das kaum noch schaffen“. Daher gibt es etwa alle 14 Tage Sammeltermine für 100 bis 200 Leute. Die Vorbereitungen dafür dauern jeweils mehrere Wochen; dann stehen die nötigen Dokumente bereit.

„In Anbetracht der Gesamtlage ist die Atmosphäre relativ entspannt“, sagt Michael Weingärtner. Allerdings könnte noch mehr qualifiziertes Personal gebraucht werden, die Fluktuation im Team sei hoch. Bei aller Zusatzbelastung: „Der Fachdienstleiter der Ausländerbehörde und ich versuchen eine Überlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermeiden“. Gut findet der Fachbereichsleiter, dass die Ausländerbehörde nach Ende der Bauarbeiten im Haus wieder im ersten Stock des Landratsamts angesiedelt ist und nicht mehr im Erdgeschoss: „Dort gibt es mehr Platz, Luft und Tageslicht.“

Ebenfalls viel Publikumsverkehr zieht die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt an, die neben der Erteilung von Fahrerlaubnissen der zweite Aufgabenbereich des Fachdienstes Verkehr ist. In der Fahrerlaubnisbehörde werden jährlich rund 9000 Antragsverfahren bearbeitet (inklusive dem begleiteten Fahren mit 17). Auch werden pro Jahr rund 1200 Fahranfänger oder Leute mit Punkten in Flensburg verwarnt oder zur Teilnahme an einem Aufbauseminar verpflichtet.

In der Kfz-Zulassungsbehörde verteilen sich jährlich rund 225.000 Aktionen auf die Hauptstelle in Groß-Gerau sowie die Nebenstelle in Rüsselsheim (Opel-Standort), wo mit 60 Prozent sogar der größere Teil der Zulassungen erfolgt. Nur für die Zulassung sind rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. „Im Lauf der Zeit haben wir versucht, die Öffnungszeiten bei der Zulassungsstelle zu optimieren“, sagt Michael Weingärtner, „und wir sind nah dran“. Gut angekommen würden die Angebote, einmal in der Woche bereits um 7 Uhr zu öffnen (in Groß-Gerau dienstags, in Rüsselsheim mittwochs) und einmal nachmittags bis 17 Uhr (Groß-Gerau mittwochs, Rüsselsheim donnerstags).

Viele andere wichtige Dinge fallen in die Zuständigkeit von Michael Weingärtner und seinem Team. Da sind  zum Beispiel die Standesamtsaufsicht, Namensänderungen oder die Vorbereitung von Einbürgerungen. Bei den staatlichen Wahlen (Bundestag, Landtag, Europawahl) werden die Wahlvorbereitungen koordiniert und die Ergebnisse festgestellt. Bei den kommunalen Wahlen auf Kreisebene (Kreistag, Direktwahl des Landrats) ist der Fachbereich für die gesamte Organisation zuständig. 

Unter der Überschrift Ordnungs- und Gewerberecht findet sich das Thema Waffen und Sprengstoff: Im Zuständigkeitsbereich der Behörde sind rund 15.600 erlaubnispflichtige Lang- und Kurzwaffen bei Sportschützen, Jägern, Waffensammlern und Erben registriert. Die Waffenbehörde ist berechtigt, bei verdachtsunabhängigen Kontrollen die Aufbewahrung von erlaubnispflichtigen Schusswaffen zu kontrollieren. Derzeit gibt es rund 4100 Waffenbesitzer im Kreis Groß-Gerau.
Als Jagdbehörde erteilt der Fachbereich Jagdscheine, verlängert und widerruft sie. Rund 600 Jagdscheininhaber gibt es im Landkreis. 

Yvonne Wiegers, verantwortlich für Personal und Recht

Yvonne Wiegers

 

Nach dem Abitur und einer abgeschlossenen Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau war der Bildungsweg für Yvonne Wiegers, Fachbereichsleiterin in der Kreisverwaltung Groß-Gerau, noch längst nicht zu Ende. Es zog sie zum Jurastudium nach Mainz. Das Referendariat nach dem Ersten Staatsexamen spielte sich zwar überwiegend in Darmstadt ab. Die Verwaltungsstation im Referendariat führte sie allerdings für vier Monate zum Rechtsamt des Kreises Groß-Gerau. Und auch der Leiter ihrer wöchentlichen Referendars-AG in Groß-Gerau gehörte der Kreisverwaltung an.

 

So waren wichtige Kontakte geknüpft: Nach dem im Januar 2009 bestandenen Zweiten Staatsexamen fing Yvonne Wiegers, Jahrgang 1978, bereits im darauffolgenden März an, im Rechtsamt der Groß-Gerauer Kreisverwaltung zu arbeiten. Der Zufall hatte es gewollt, dass gerade zwei Stellen im Rechtsamt ausgeschrieben worden waren. Ihre erste Stelle war befristet, dann wurde Yvonne Wiegers fest übernommen. Seit Herbst 2015 war sie Personalmanagerin in der Personalstelle. Seit Juli 2019 ist sie Fachbereichsleiterin Personal und Recht. Der Fachbereich hat die drei Fachdienste Personal, Rechtsamt und Kommunales Vergabezentrum.

 

Yvonne Wiegers fühlt sich in der Kreisverwaltung wie im Landkreis wohl. Aus Kelsterbach stammend, in Trebur lebend ist sie „im Kreis Groß-Gerau verwurzelt“, wie sie selbst sagt. Zwar lebt ihre Schwester schon seit vielen Jahren auf Mallorca, die sie dort auch regelmäßig besucht. Aber es ist für Yvonne Wiegers keine Option, ebenfalls wegzuziehen. 

 

Wenn sie einen Kontrast zur flachen Heimatlandschaft braucht, fährt sie zum Wandern in die Berge – eines ihrer Hobbys. Reichlich Zeit ihrer Freizeit widmet sie auch ihrem Border Collie „Milo“. Der wird zwar mittlerweile wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr bei Agility-Wettbewerben angemeldet. Aber ordentlich in Bewegung bleiben „Milo“ und Yvonne Wiegers weiterhin.

 

 

Aufgaben im Fachbereich

 

„Wie schon zuvor als Personalmanagerin habe ich auch als Fachbereichsleiterin Personal und Recht mit allen Fachbereichen zu tun und habe einen guten Überblick über das Haus“, sagt Yvonne Wiegers. Zu Beginn ihrer Zeit im Landratsamt, im Rechtsamt, hatte sie es vor allem mit Kolleginnen und Kollegen von Bauaufsicht, Sozialamt und Jugendamt zu tun.

 

Yvonne Wiegers gefällt „das große Ganze“, das ihre Arbeit mit sich bringt. Und die Vielfalt der Aufgaben. „Sowohl die Personalstelle als auch das Rechtsamt sind Dienstleister für die Fachabteilungen als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist mir besonders wichtig“, sagt sie.

 

Zu ihren Aufgaben zählt die Bewirtschaftung des Stellenplans (Beschäftigung mit Stellen-Anträgen, Anträgen auf Arbeitszeiterhöhung oder der Blick auf Soll-Ist-Listen) genauso wie die Planung und Überwachung des Personalkostenbudgets für die gesamte Kreisverwaltung. Finanzmittelanmeldung und Stellenbeschreibungen/-wertungen gehören ebenfalls zu ihrer Arbeit. Viel Zeit verbringt Yvonne Wiegers in internen Arbeitsgruppen, zum Beispiel AGs zu Personal- und Organisationsentwicklung in der Kreisverwaltung oder zum Arbeitsschutz. Sie nimmt auch an Schulleiterdienstversammlungen und Leitungskonferenzen sowie an den Monatsgesprächen mit dem Personalrat teil.

 

Zweimal im Jahr gibt es die AG Steuerung, Organisation, Personal (frühere Hauptamtsleitertagung des Hessischen Landkreistags) mit Leitungskräften aus ganz Hessen. „Zusätzlich stehen wir per Mail das ganze Jahr über in Kontakt, können uns zu Themen austauschen, die alle betreffen“, sagt Yvonne Wiegers, die diese Kontakte nach außen und die Kooperation schätzt und pflegt. Nach innen ist die Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Personalentwicklung/Aus- und Fortbildung naturgemäß eng.

 

Was Yvonne Wiegers besonders gefällt an ihrer Arbeit, ist die Abwechslung: „Kein Tag ist wie der andere, kein Tag ist planbar. Wie oft ist mir schon mein Terminkalender zerschossen worden.“ Immer wieder neue Aufgaben sind im Lauf der Jahre aufgetaucht: seien es Flüchtlingsbetreuung, die Kreisklinik, die AG Sicherheit oder die leistungsorientierte Bezahlung in der Kreisverwaltung gewesen.

 

„Durch die Organisationsänderung und damit verbundene Zuweisung der Fachdienste Rechtsamt und Kommunales Vergabezentrum werden in den nächsten Jahren weitere neue Herausforderungen auf mich zukommen“, sagt die Fachbereichsleiterin. Hierzu zählt insbesondere die noch engere Anbindung des Rechtsamts an das Haus. Das Rechtsamt soll als Dienstleister für die Fachabteilungen wahrgenommen und genutzt werden. „Dabei muss die hohe Qualität der juristischen Tätigkeit im Rechtsamt selbstverständlich erhalten bleiben.“

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