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Zehn Jahre Schulsozialarbeit an Beruflichen Schulen:

Bilanz einer Erfolgsgeschichte

Sie zogen beim Gespräch im Groß-Gerauer Landratsamt Bilanz von zehn Jahren Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen des Kreises: Kerstin Roth, Martin Gonnermann, Michaela Eißler, Ulrike Maurischat und Peter Querbach (von links).

KREIS GROSS-GERAU – „Wir sind Bindeglied zwischen Jugendlichen, Lehrkräften und Eltern sowie anderen Institutionen. Wir gestalten Schulkultur und wir wollen Schule noch lebendiger machen.“ Auf diesen Nenner brachte Schulsozialarbeiterin Ulrike Maurischat ihre Arbeit bei einer kleinen Geburtstagsfeier im Landratsamt: Die Diplom-Sozialarbeiterin ist seit zehn Jahren an der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim tätig. Ihr gleichgetan hat es Michaela Eißler, die seit zehn Jahren als Schulsozialarbeiterin an den Beruflichen Schulen des Kreises in Groß-Gerau wirkt. Die beiden kamen mit den beiden Schulleitern Peter Querbach (Rüsselsheim) und Martin Gonnermann (Groß-Gerau) ins Landratsamt, um mit Kerstin Roth, Fachdienstleiterin Schulsozialarbeit im Fachbereich Bildung und Schule der Kreisverwaltung, das zehnjährige Bestehen der Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen im Landkreis zu begehen.

Hauptschwerpunkt der Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen ist die Berufswegplanung und zum anderen die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Fünfzehn- bis Anfang Zwanzigjährigen, erläutert Kerstin Roth. Dabei stehen nicht alle Schülerinnen und Schüler im Fokus (die Werner-Heisenberg-Schule hat rund 2900 Schüler, die Beruflichen Schulen in Groß-Gerau haben rund 2800), sondern das Angebot der Schulsozialarbeit richtet sich an die Absolventen der Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung (BzB) und der Berufsfachschule.

Schulleiter Peter Querbach erinnert sich an die Anfänge der Institution Schulsozialarbeit an Beruflichen Schulen im Kreis. Anfang der 2000er Jahre „ging die Zahl der jungen Leute in besonderen Bildungsgängen in die Hunderte. Es gab viele arbeitslose Jugendliche“. Da habe der Kreis Groß-Gerau etwas tun wollen, und auch er selbst habe die Maßnahme vehement gefordert, so Querbach. Martin Gonnermann, der Ende 2009 an die Beruflichen Schulen in Groß-Gerau (BSGG) kam, hat bei der Schulsozialarbeit eine Situation vorgefunden, die  bereits „ein Stück weit normal“ war, erzählt der Schulleiter. „Michaela Eißler beobachtet mit sozialpädagogischem Blick und gibt das nötige Feedback“, lobt er.

Die Entwicklung in den vergangenen Jahren sehen die beiden Sozialarbeiterinnen positiv. „Der Kontakt zu den Lehrkräften hat sich zum Positiven geändert“, sagt Michaela Eißler: „Das Verhältnis ist vertrauensvoll.“ Nach und nach baute sie verschiedene Dinge mit auf, die heute selbstverständlich sind: zum Beispiel das soziale Lernen gemeinsam mit einem Religionslehrer in einer Doppelstunde pro Woche. Bei Bedarf gibt es Einzelgespräche. Im Schnitt berät die Schulsozialarbeiterin in 50 bis 60 Einzelfällen pro Jahr über alle Schulformen hinweg. Erfolge des engagierten Arbeitens sind sichtbar. „Ausgrenzung gibt es in den Klassen wenig“, sagt Michaela Eißler. Die Schüler/innen nähmen bei Problemen das Beratungsangebot der Schulsozialarbeit an, alle Eltern erschienen zu den angebotenen Elterngesprächen.

„Wir haben die Jugendlichen im Blick, die mit familiären Belastungsfaktoren zu kämpfen haben“, ergänzt Ulrike Maurischat. Schulsozialarbeit fördert diese jungen Menschen, hilft ihnen in der Phase der Ablösung von den Eltern. Umso schöner ist es, wenn sie, die zwischendurch alles hinzuwerfen drohen, sich dank der Unterstützung wieder fangen, Schule und Ausbildung beenden oder später die Abendschule besuchen.

„Wir motivieren, glauben immer neu an die Jugendlichen“, so Maurischat. Auch wenn nicht in jedem Fall Erfolge vorzuweisen sind, gibt sie nicht auf. Mittlerweile existiert ein großes Netzwerk mit Kontakten zu Betrieben, die Praktika anbieten. Erst kürzlich fand dadurch ein junger Mann, der kein gutes Zeugnis hatte, erst einen Praktikumsplatz und dann eine Lehrstelle. Nun, am Ende des ersten Ausbildungsjahrs, bringt er auch in der Berufsschule Leistung. So eine Geschichte setzt auch bei den Schulsozialarbeiterinnen Kräfte frei.

Dass die Hilfe funktioniert, liegt auch am Präventionsnetzwerk, betont Peter Querbach. Dieses Netzwerk wurde im Lauf der Zeit immer größer, sagt Kerstin Roth. Sie erwähnt die Kooperation mit der Verbraucherberatung - die es seit sieben Jahren gibt. Mit ihr werden zum Beispiel Finanzkompetenz der Jugendlichen oder der Umgang mit Neuen Medien geschult. Die Schulen greifen ihrerseits Schwerpunktthemen für Projekte auf, so Martin Gonnermann. An den BSGG gibt es zum Beispiel die Woche der Verkehrssicherheit und der Suchtprävention.

Schulsozialarbeit im Kreis Groß-Gerau ist fest im schulischen Alltag verankert und wirkt, war sich die Runde bei der Geburtstagsfeier einig. Das gilt auch für die anderen Schulformen, sagt Kerstin Roth. Mittlerweile sind neben der Sekundarstufe I auch die Grundschulen mit Schulsozialarbeitern versorgt. Das Gesamtteam der Schulsozialarbeit umfasst mehr als 50 Leute.

Dank ging daher in der Gesprächsrunde in alle Richtungen: von den Schulleitern zum Schulträger und zu allen Beteiligten, von den Schulsozialarbeiterinnen an Kerstin Roth für die gute fachliche Begleitung und regelmäßige Weiterbildungsmöglichkeit und an die Schulleiter für Vertrauen und Offenheit. „Ich fühle mich sehr gut im Kreis aufgehoben“, sagte Ulrike Maurischat. Kerstin Roth betonte: „Die qualifizierten Mitarbeiterinnen sind der Garant für den Erfolg, ebenso Kooperationsbereitschaft und Unterstützung von Schulleitung und Lehrkräften. Es ist gut, dass es funktioniert.“

 

Zum Hintergrund:

Im Jahr 2001 beschloss der Kreistag Groß-Gerau, das Netzwerk Schulgemeinde/Schulsozialarbeit in allen Schulformen Schritt für Schritt umzusetzen. Der Titel Netzwerk bringt zum Ausdruck, dass es sich um ein gemeinsames Programm des Schul- und Jugendhilfeträgers und der Schule handelt. Nur durch die Zusammenarbeit der Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen befasst sind, kann der Erziehungs- und Bildungsprozess umfassend gefördert werden.

Start mit Phase 1 war 2001/02 an den sieben Gesamt-, Haupt- und Realschulen.

Zum Schuljahr 2006/07 folgte Phase 2: die Schulsozialarbeit an den beiden Beruflichen Schulen des Kreises. Auch dort, wie im Sekundarstufe-I-Bereich, ist das Besondere, dass ein Rahmenkonzept vorliegt. Es berücksichtigt die vorhandenen Strukturen des Kreises und bezieht die Region mit ein. Das heißt, es ist inhaltlich und organisatorisch eng verknüpft mit den anderen Angeboten im Übergang Schule-Beruf und entspricht damit dem Auftrag des § 13 Kinder- und Jugendhilfegesetz. Die Aufgabe der Schulsozialarbeit an Beruflichen Schulen ist im Vergleich zur Sekundarstufe I weniger präventiv: Sie befasst sich dort in der Hauptsache mit der Berufswegplanung - durch Angebote, Begleitung und individuelle Beratung.

Die Angebote der Schulsozialarbeit an den beiden Beruflichen Schulen des Kreises richten sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler in Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung. Ebenso arbeiten die Mitarbeiterinnen mit Lehrkräften und anderen schulinternen Unterstützungssystemen (zum Beispiel QuABB: Ausbildungsbegleitung in Berufsschule und Betrieb) und außerschulischen Kooperationspartnern zusammen.

Der Kreis ist Träger der Schulsozialarbeit an beiden Beruflichen Schulen. Er finanziert die beiden Vollzeitstellen, je eine pro Schule. Die Fachaufsicht liegt beim Kreis und wird eingebunden in die bereits gut funktionierende Steuerung des Kreises im Rahmen der Schulsozialarbeit an den Sek.I-Schulen.

Detaillierte Informationen sowie Praxisbeispiele zur Schulsozialarbeit an den Beruflichen Schulen sind auf der Homepage des Kreises www.kreisgg.de zu finden.

Der Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau
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