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Woche der Wiederbelebung:

Druckmassage üben mit „Mini Anne“

Schülerin Nathalie übte beim Kurs am Dienstag in der Rüsselsheimer Alexander-von-Humboldt-Schule an der Puppe „Mini Anne“, wie die Wiederbelebungsmaßnahmen funktionieren. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Maurice und Nathalie aus der Jahrgangsstufe 9 der Alexander-von-Humboldt-Schule in Rüsselsheim pusten die „Mini Anne“ auf. Dann kann es losgehen: Die beiden, die dem Schulsanitätsdienst angehören und bereits  einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, demonstrieren an der Puppe den ebenfalls an diesem Vormittag anwesenden rund 20 Siebt- bis Neuntklässlern, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert: ungefähr 100 Mal pro Minute mit den Händen, die übereinander auf Höhe der Brustwarzen des Patienten liegen, mitten auf dessen Brustkorb drücken.  

Das ist das Wichtigste für Ersthelferinnen und Ersthelfer: „Bei Atemstillstand schnell etwas tun. Denn bis der Rettungsdienst kommt, dauert es in der Regel länger als die vier, fünf Minuten, die das Gehirn ohne Sauerstoffzufuhr auskommt, ohne Schaden zu nehmen“, erklärt Dr. Marco Renth, Ärztlicher Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienste des Kreises Groß-Gerau bei der Veranstaltung am Dienstag, 19. September. Der Eigenbetrieb und das Rote Kreuz des Kreises Groß-Gerau haben aus Anlass der „Woche der Wiederbelebung“ (18. bis 24. September) in Zusammenarbeit mit dem Schulsanitätsdienst der Humboldtschule die Schulung der Jugendlichen organisiert. Das Interesse ist beachtlich. „Wir sind dabei, weil wir das lernen wollen“, sagen Lisa und Tamina,  die bislang keine Erfahrung mit der Ersten Hilfe haben. 

Das freut Marco Renth genauso wie Projektbetreuerin Viktoria Bleile vom Schul-
sanitätsdienst sowie die Kreis-DRK-Mitarbeiter Kemal Ünaldi, Daniele Tomaiuolo und Fabian Grein. Denn je mehr junge Menschen lernen, was in einem Notfall zu tun ist, desto besser für alle Hilfebedürftigen. „Wir wollen junge Menschen motivieren, ihnen die Angst nehmen zu helfen“, so Dr. Renth. Hemmungen und Vorurteile abzubauen, einfach ausprobieren, wie es sich anfühlt zu helfen - das funktioniert in jungen Jahren besser als bei älteren Leuten. Das richtige Verhalten wird den Kursteilnehmerinnen und Teilnehmern in der Humboldtschule zu Beginn mittels witzigem Kurzfilm und Disco-Vergleich näher gebracht: „Anschauen, ansprechen, anfassen – das ist die richtige Reihenfolge, wenn man einen hilflos auf dem Boden liegenden Menschen entdeckt“, sagte Kemal Ünaldi. Das und die weiteren gegebenenfalls nötigen Schritte – andere Menschen um Unterstützung bitten, Notruf absetzen, damit der Rettungsdienst kommt, stabile Seitenlage, Wiederbelebungsmaßnahmen starten – übten die Schülerinnen und Schüler dann fleißig selbst ein. 

Ihre Übungspuppen durften sie mit nach Hause nehmen, um ihren Familien zu erklären und weiterzugeben, was sie gelernt haben. Auch das ist wichtig, betont Marco Renth, denn 70 Prozent der Herzstillstände geschehen zu Hause, nicht auf der Straße, wo mehr potentielle Helfer zur Verfügung stehen. 

„Es geht vor allem darum, in einem Notfall die relativ kurze Zeit zu überbrücken, bis die professionellen Helfer da sind. Da ist es bei der Wiederbelebung gar nicht mal so wichtig, den Patienten zusätzlich zu beatmen, denn für die ersten paar Minuten ist noch genug Sauerstoff im Körper vorhanden.“ Die Vorstellung, einen (fremden) Menschen beatmen zu müssen, schrecke viele ab, Hilfe zu leisten. „Das sollte aber nicht sein, denn wichtiger ist die Herzdruckmassage.“

Die Rüsselsheimer Schülerinnen und Schüler wissen das nun. Vielleicht tragen sie irgendwann einmal dazu bei, die Hilfsquoten in Deutschland zu erhöhen. Wenn Ersthelfer aktiv waren, kommen die Patient/innen heute zu 25 bis 30 Prozent ohne bleibende Schäden wieder aus dem Krankenhaus. In skandinavischen Ländern liegt diese Rate dank verbreiteter schulischer Erste-Hilfe-Ausbildung bei 50 bis 60 Prozent, weiß Marco Renth. Er hofft, dass sie sich hierzulande ebenfalls noch verbessern lässt. Denn: „Man muss keine Angst haben, man kann bei der Wiederbelebung nichts falsch machen.  Ohne diese Hilfe ist der Patient in der momentanen Situation tot.“ 

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