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Vielfalt in Bildern

KVHS: Ausstellung zu Körper, Sprache und Gender

KREIS GROSS-GERAU – Im Rahmen des Projekts „Vielfalt im Alltag“ beleuchtet die Kreisvolkshochschule Groß-Gerau (KVHS) die gesellschaftliche Dimension von Geschlecht: Wieviel Macht hat der Körper auf das Geschlecht und wieviel die Sprache? Multiplikator*innen wurden hierzu geschult und in Veranstaltungen mit Neuzugewanderten über sexuelle Orientierungen und Gender diskutiert.

Hassan Houseini hat sich in einem Fotoprojekt gemeinsam mit anderen neu zugewanderten Menschen künstlerisch mit dem Thema Gender und Diversität auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei eine Ausstellung, die sich nicht nur dem Verhältnis von Mann und Frau widmet, sondern auch den postmigrantischen Blick auf „Geschlecht“ offenbart. In welcher Form sind die Rollenbilder auch von Kultur geprägt? Das Frausein präsentiert Houseini in seiner eng gefassten Rolle von Weiblichkeit – in Stummheit, schönen Gaben, Verzierung und dem Fokus auf das Äußere. Die Frau muss sich auf diesem Raum begnügen, gleichsam droht auch immer die Erfahrung von Gewalt und Unterdrückung. Sei es als Mittel der Zurechtweisung oder als Widerherstellung männlicher Dominanz.

Der Mann tritt in den Bildern einerseits als Aggressor und andererseits als Leidender auf. Als Unterdrücker weist er die Frau auf ihren Platz. Aber der Mann kann auch an der Rolle des Kräftigen, Harten und Beschützenden leiden. Denn eine Seite, die mehr Zärtlichkeit und Fürsorge ausleben möchte, darf sich oftmals nicht zeigen.  Eindeutige Binaritäten stellen die Exponate bisweilen in Frage – welches Geschlecht hat ein Mensch mit Bart und rot angemalten Lippen? Oder eine Person mit kurzgeschorenen Haaren und roten Fingernägeln? Sind es nur äußerliche Attribute, die uns einem Geschlecht zuordnen?

Und was macht die Reduktion auf das rein Äußerlich- Körperliche mit der Person?

Deutlich thematisiert die Ausstellung, dass die Kategorie „Geschlecht“ gewaltsam ihre Ordnungsmacht vollzieht und durch die Heteronormativität viel Leiden produziert. Einer individuellen Dynamik von Begehren und Selbstverhältnis wird sie nicht gerecht.

Die Sichtbarkeit von sich nicht binär verstehenden Menschen oder Menschen mit homosexuellen Neigungen ist meist deshalb nicht gegeben, weil bislang in der Öffentlichkeit stehende Personen dazu angehalten werden, sich nicht zu outen. Was würde mit einer Gesellschaft passieren, die mehr Liberalität und Unterschiedlichkeit zulässt?

Die Ausstellung ist ab 8. März 2021 im Wasserweg 2 und im Schloss Dornberg in Groß-Gerau zu sehen oder online unter www.kvhsgg.de/info/fotoausstellung-via.

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