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Start der Veranstaltungsreihe zur Entwicklungspolitik:

„Rote Heidi“ wirbt für Gerechtigkeit

Kreisvolkshochschulleiter Heinrich Krobbach begrüßte Heidemarie Wieczorek-Zeul als Rednerin beim Start zur Veranstaltungsreihe „Weltrettung. Entwicklungspoliktik heute“ von Kreis und Kreisvolkshochschule Groß-Gerau. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Als „eine der profiliertesten und engagiertesten Politikerinnen im Kreis Groß-Gerau“ begrüßte Kreisvolkshochschulleiter Heinrich Krobbach die Rednerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und begleitete sie durch den Abend im Landratsamt: Ihr Vortrag mit dem Titel „Gerechtigkeit und Frieden sind Geschwister“ eröffnete am Mittwoch die Veranstaltungsreihe „Weltrettung. Entwicklungspoliktik heute“ von Kreis und Kreisvolkshochschule Groß-Gerau. 

Wieczorek-Zeul, noch immer auch unter dem Namen „Rote Heidi“ bekannt, war zwischen 1965 und 1985/86 im Kreis Groß-Gerau tätig und vermochte es später als Bundesministerin für Entwicklungs­zusammenarbeit, weltweite Verbindungen zu schaffen. Die rund 40 Gäste im Georg-Büchner-Saal erlebten die Rednerin als zugewandt, engagiert und klar in ihren Positionen. Im Anschluss an ihren Vortrag beantwortete sie Nachfragen und definierte gemeinsam mit dem Publikum einige Themen genauer, „an denen man weiterarbeiten kann“.  

Dass der Kreis Groß-Gerau etwas Besonderes sei, was das Engagement in der kommunalen Entwicklungspolitik angeht, belegte Landrat Thomas Will in seiner Eröffnungsrede gleich mit mehreren anschaulichen Beispielen: Die Partnerschaft mit Masatepe in Nicaragua leistet seit 25 Jahren anerkannte Arbeit, die Zertifizierung als Fair-Trade-Kreis fördert nachhaltige Landwirtschaft und partnerschaftliche Handelsbeziehungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der fairen Beschaffung, die mit der Bindung an soziale Standards bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen einhergeht, betonte der Landrat.

Ein erstes Vernetzungstreffen der entwicklungspolitischen Akteure im Kreis hat stattgefunden, organisiert von der vor einem Jahr geschaffenen Koordinationsstelle kommunaler Entwicklungspolitik in Hessen. Thomas Will freute sich darüber, dass die für diese Stelle engagierte Expertin Marta Wachowiak treibende Kraft bei der Veranstaltung des Abend mit Heidemarie Wieczorek-Zeul war - gemeinsam mit der Fachbereichsleiterin Politische Bildung und Umweltbildung an der Kreisvolkshochschule (KVHS) Groß-Gerau, Bettina Krauß.

Auch der Arbeitskreis Politische Bildung hat mit zu dem Abend eingeladen. Er besteht aus DGB-Kreisverband, DGB-Ortsverband, KVHS Groß-Gerau, Arbeit und Leben Südhessen, Evangelischem Dekanat Groß-Gerau – Rüsselsheim und der Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen.  

Neben dem Rednerpult türmten sich gut sichtbar 17 Würfel am Bühnenrand. Jeder einzelne davon benennt eines der der 17 Nachhaltigkeitsziele, die bis 2030 weltweit umgesetzt werden sollen. Das Ziel, mehr Gerechtigkeit und Frieden zu schaffen, bestimmte denn auch das Thema des Vortrags von Heidemarie Wieczorek-Zeul. Über diese Ziele  werde noch viel zu wenig gesprochen, sagte sie, „sie sind das bestgehütete Geheimnis der Bundesregierung. Wir leben in einer Welt von Umbrüchen verschiedener Art, Nationalismus und Egoismus greifen um sich, die Rüstungsdynamik verschärft sich“, analysierte Wieczorek-Zeul. Die Europäische Union habe jetzt die Chance, sich selbst zu behaupten und dem Festungsdenken entgegen­zuwirken. 

Heidemarie Wieczorek-Zeul legte dar, an welchen Punkten angesetzt werden sollte, um gegen Ungleichheiten zu kämpfen. Besonders am Herzen liegen ihr die Gleichberechtigung von Frauen, die Bildung von Mädchen, Kontrolle der Finanzmärkte, Veränderung der EU-Agrar- und Handelspolitik oder auch die Verhinderung von „profit shifting“ (grenzüberschreitendes Verschieben von Gewinnen durch Konzerne). 

Auf diesen Auftakt zur Reihe „Weltrettung“ - die teilweise von Engagement Global aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird – folgen sechs weitere Veranstaltungen, beginnend mit dem 19. Oktober 2018. Dann gibt es in Schloss Dornberg eine Ausstellung und eine Lesung zum Thema Flucht und Migration. Weitere Informationen im Internet auf www.kvhsgg.de/politischebildung.

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