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Ruf nach dem Masterplan

Bildungsfrühstück an der Bertha-von-Suttner-Schule

Angeregte Diskussionen gab es beim Bildungsfrühstück in Mörfelden-Walldorf. Auf dem Podium saßen (von links) Bürgermeister Thomas Winkler, Schulleiterin Ute Zeller, Moderator Udo Döring, Landrat Thomas Will, Abteilungsleiterin Dorlies Zielsdorf und Elternbeirat Bernd Riedel. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Strukturen der Bildungslandschaft waren der rote Faden, der sich durchs jüngste Bildungsfrühstück des Kreises Groß-Gerauer zog. Landrat Thomas Will hatte dazu in die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf eingeladen. Mit ihm diskutierten am vergangenen Samstag Schulleiterin Ute Zeller, Bürgermeister Thomas Winkler, Dorlies Zielsdorf, Abteilungsleiterin Unterrichtsentwicklung an der Integrierten Gesamtschule, Bernd Riedel vom Schulelternbeirat sowie Männer und Frauen aus dem Publikum. Udo Döring moderierte die Runde in der Mensa der „Bertha“. 

Das Spannungsfeld zwischen erwünschter Bildungspolitik und deren Finanzierung beziehungsweise der Sicht der kommunalen Kämmerer beschrieb Landrat Thomas Will. Auch wenn der Kreis Groß-Gerau mit der Sanierung seiner Schulen weit fortgeschritten ist und daher aus anderen Landkreisen Lob und Bewunderung erfährt, sind durch den steten Zuzug in den Kreis ständig Erweiterungsbauten nötig. „In dieser Dimension war das nicht abzusehen“, so der Landrat. Der Kreis will darauf mit einer Schulbauinitiative reagieren. Finanzieren muss er die Investitionen im Großen und Ganzen mit Mitteln der Kommunen – die Schulumlage, die diese zu zahlen haben, steigt deswegen im nächsten Jahr.

Bürgermeister Thomas Winkler blickte ebenfalls auf die Herausforderungen, die durch Wachstum entstehen: In seiner Stadt sind in der jüngeren Vergangenheit bereits 180 neue Kita-Plätze geschaffen worden, doch „wir stoßen immer noch an Kapazitätsgrenzen“. Es müsse ein Finanzierungskonzept von Land und Bund her, forderte er: „Die Finanzierung der Bildungsbereiche muss den Kommunen abgenommen werden.“ 

Ute Zeller fügte an: „Wir sind ein reiches Land, und es treibt mir die Tränen in die Augen, dass wir so über Bildung und Investitionen reden müssen.“ Sie wie ihre Kollegin Dorlies Zielsdorf hatten dabei nicht nur die Raum- und Sachausstattung der Schulen im Auge (die Kreisangelegenheit ist), sondern auch die Besetzung von Stellen und die angemessene Bezahlung von Lehrkräften (Landesebene). Auch Bernd Riedel sprach von dieser Problematik, die die Schule halt so gut löse, wie es die ihr gegebenen Mittel erlaubten.  

Dies könnte besser funktionieren, wenn es denn andere Strukturen gäbe, schilderte Dorlies Zielsdorf plastisch. Aber die „komplexen Verflechtungen zwischen Bund, Land und Kommune, die alle separate Etats zur Verfügung stellen“ und die gesplitteten Zuständigkeiten erschwerten es, rasch auf konkret anstehende Bedarfe der Schule zu reagieren. „Und am Schluss fallen die Kinder durchs Raster.“ 

In der anschließenden Diskussion über die allseits ungeliebten Container, die auch an der „Bertha“ übergangsweise Schülerinnen und Schüler aufnehmen, meldete sich der Leiter des Mörfelden-Walldorfer Sozial- und Wohnungsamtes zu Wort. Dass steigende Schülerzahlen und der damit einhergehende Bedarf an zusätzlichen Unterrichts- und Betreuungsräumen nur einen Teil der mit Wachstum verbundenen Strukturveränderungen ausmachen, betonte Heimo Boschert. Er regte an, die Gesamtthematik zusammenzuführen: Bildung, Wohnen, Baugebiete, Grünflächen, Verkehrsinfrastruktur. Unterstützung erhielt er von Bürgermeister Winkler („Die Probleme bleiben am Schluss immer bei den Kleinen hängen“) und Landrat Will: „Wir brauchen eine öffentliche bildungspolitische Debatte und wir brauchen einen Kommunalen Finanzausgleich, der Strukturunterschieden in den Regionen stärker berücksichtigt.“ 

Beim Thema Digitalisierung und Digitalpakt wurde deutlich: Die Bertha-von-Suttner-Schule ist zwar bereits gut ausgestattet mit Smartboards. Schwierig wird es aber dann, wenn etwas an den Geräten kaputtgeht, wie Anthony Amokwe vom Schulleitungsteam schilderte. Für Wartung und Reparatur steht zu wenig Personal des Kreises zur Verfügung, wie auch der Landrat sagte. Zum einen ist es schwer, IT-Fachkräfte für den Öffentlichen Dienst zu gewinnen, zum anderen sei sehr schnell der Vorwurf zu hören, der Kreis stelle zu viel Personal ein. „Und externe IT-Firmen können wir uns nicht leisten“, sagte Thomas Will. Theoretisch könnte der Kreis zehn zusätzliche Leute für die IT an den Schulen beschäftigen – wegen der damit verbundenen zusätzlichen finanziellen Belastung der Kommunen ist dies aktuell aber kein Thema.
Was der Kreis seinen Schulen jedoch bieten kann: die Arbeit einer Medienpädagogin, die an der Schnittstelle IT und Schulen beratend zur Seite steht. Gerade jetzt, da im Zusammenhang mit dem Digitalpakt alle Schulen ein Medienbildungskonzept erstellen müssen, lassen sich auf diese Art Synergieeffekte schaffen. 

Insgesamt aber, da waren sich alle einig, fehlt es dem Bildungsbereich auf höherer Ebene an einem „Masterplan“, wie Ute Zeller es ausdrückte. „Ob Inklusion, ob Digitalisierung: Es wäre wichtig, dass wir nicht immer nur den Anforderungen hinterherhecheln.“ 

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