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Römische Siedlungsreste festhalten

Archäologische Untersuchungen Auf Esch

Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (hinten links) erfuhr von Bezirksarchäologe Thomas Becker (rechts) beim Ortstermin Neues über die Untersuchungen Am Kastell in Groß-Gerau. Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Über den Stand der archäologischen Untersuchungen in der römischen Siedlung (Vicus) Groß-Gerau, Auf Esch, informierte Bezirksarchäologe Thomas Becker bei einem Ortstermin vor wenigen Tagen den Ersten Kreisbeigeordneten Walter Astheimer. Seit Mitte Februar und noch bis Mitte April sind diese Untersuchungen eines Teils des Vicus im Gang, um die dortigen Funde zu dokumentieren, wo möglich zu sichern und später zu bewerten – ehe die Baulücke im Neubaugebiet Auf Esch geschlossen werden kann. Der Bauherr, die Wildenborch Real Estate GmbH, muss sich mit ihren Aktivitäten bis dahin gedulden. 

„Die Untersuchungen ermöglichen eine detaillierte Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte Groß-Geraus und sind daher für die Region bedeutend“, sagte Lea Pflüger von der Denkmalbehörde des Kreises zu den Arbeiten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Walter Astheimer betonte, „dass es wichtig ist, sich seiner Geschichte bewusst zu sein“, und dankte dem Bauherrn – beim Termin vertreten durch Reinhold Seidl – für das Einvernehmen mit der Denkmalpflege. Die Baugenehmigung hatte die Auflage einer archäologischen Untersuchung zu Beginn der Bauarbeiten enthalten.  

Dabei, so erläuterte Thomas Becker, werden nun die noch im Boden befindlichen Strukturen freigelegt, fotografiert, gezeichnet und die vorhandenen Funde geborgen. Einen kleinen Teil davon – z.B. Münzen, eine Gürtelschnalle, Gefäßscherben (Terra Sigillata), Knochen oder ein Öllämpchen – bekamen die Gäste des Ortstermins sogar zu sehen; insgesamt wurden bereits 50 Umzugskartons mit Fundstücken gefüllt, so Becker. 

Von den Fachwerkhäusern der römischen Siedlung in Nachbarschaft des römischen Kastells sind nur noch Verfärbungen im Boden übrig. Auf den aktuell zur Untersuchung anstehenden rund 700 Quadratmetern befanden sich vier römische Grundstücke mit sogenannten Streifenhäusern. Zudem entdeckt wurden ein Keller, sechs Brunnen und etliche Gruben, die zur Abfallentsorgung gedient haben, erläuterte Thomas Becker, der in seinem Vortrag die enge und gute Zusammenarbeit mit dem Kreis Groß-Gerau hervorhob.  

Die ersten Römer waren um 70 nach Christus in Groß-Gerau. Das römische Militär blieb dort bis zum Jahr 115 n. Chr. ansässig. Im Kastell lebten 500 Soldaten, in der dazugehörigen Siedlung rund 2000 Menschen. Der Vicus hatte noch bis ca. 260 n. Chr. Bestand, wurde dann aber von den Römern aufgegeben. 

„Es ist spannend, Einblicke ins Alltagsleben und die Arbeit der Menschen vor 1900 Jahren zu bekommen“, sagt der Bezirksarchäologe. Mit der aktuellen Untersuchung werde ein weiterer Bereich der römischen Siedlung Groß-Gerau aufgedeckt. Thomas Becker betonte zugleich, dass Funde nur dann für Archäologen und die Denkmalpflege ihre wahre Bedeutung behalten, wenn sie im Grabungszusammenhang stehen. Darum baten die Vertreter*innen der Denkmalbehörden darum, nicht auf eigene Faust im Gelände Bodenfunde zu suchen und zu entfernen.  

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