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„Ressourcen müssen stimmen“

Bildungsfrühstück an der Peter-Schöffer-Schule in Gernsheim

Angeregt diskutierten beim Bildungsfrühstück in Gernsheim (von links) Erika Erhardt, Rainer Marpe, Udo Döring, Landrat Thomas Will und Hildgard Bolenz von der Stadt Gernsheim. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – „Das Spannungsfeld wird von Jahr zu Jahr größer. Die Bevölkerung im Kreis wächst. Wir haben mehr Kinder an unseren Schulen. Von diesen bleiben immer mehr länger in der Schule, weil sie dort zu Mittag essen und Nachmittagsangebote nutzen. Wir reden über zusätzliche Klassenräume, moderne Mensen, Digitalisierung, bewegungsfreundliche Schulhöfe, Schulsozialarbeit. Und das böse Wort heißt dann: Schulumlage.“ Denn alles, was für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt wird, kostet Geld. „Und bezahlen muss es ja jemand.“ Landrat Thomas Will sprach beim Bildungsfrühstück des Kreises Groß-Gerau Ende März in der Mensa der Gernsheimer Grundschule gleich zu Beginn aus, was ihn, die Kreisverwaltung, aber auch die Kreiskommunen beim Thema Bildung beschäftigt.

Gut, wenn da die Kooperation zwischen Kreis und Kommune beim Thema Schule und Bildung so gut funktioniert wie mit der Stadt Gernsheim, die Maßnahmen mit Geld und Personal unterstützt, wo sie kann. Hildegard Bolenz von der Stadtverwaltung, die den Bürgermeister in der Gesprächsrunde vertrat, lobte die gute Zusammenarbeit und sagte, dass die Schulen in ihrer Stadt gut dastehen. So auch die Peter-Schöffer-Schule (PSS), die aktuell rund 340 Kinder besuchen. In drei Jahren werden es voraussichtlich 410 bis 430 Schülerinnen und Schüler sein, sagte Schulleiter Rainer Marpe. Schon jetzt laufen jeden Tag zwei, drei Klassen zur nahe gelegenen Schillerschule, in der es freie Klassenräume gibt.

In der Raumfrage finden sich in Abstimmung mit dem Kreis Lösungen. Nicht zuständig ist der Landkreis indes, wenn es um die Lehrerversorgung geht. Da sieht Rainer Marpe insgesamt eine „dramatische Situation“, die auch in fünf Jahren noch nicht behoben sein werde. Um den Beruf des Grundschullehrers und der Grundschullehrerin attraktiver zu machen, wünschte er sich eine Höherstufung bei der Bezahlung. Von Moderator Udo Döring am Ende nach einem drängenden Wunsch gefragt, nannte der Schulleiter denn auch die bessere personelle Ausstattung. „Am besten wären pro Klasse zwei Lehrkräfte“, wünschte er sich angesichts veränderter gesellschaftlicher und anderer Rahmenbedingungen.

Erika Gerhardt, Vorsitzende des Schulelternbeirats, lobte die Arbeit der Lehrkräfte der Peter-Schöffer-Schule und den hohen Standard: „Hier wird viel getan, um Probleme zu lösen“, sagte sie. Auch sie wünschte der Grundschule mehr Personal, etwa um die neue Aufgabe der Inklusion zu meistern. Aktuell werden neun Kinder inklusiv in der PSS beschult, sagte der Schulleiter. „Im Prinzip ist das eine gute Sache, aber die Ressourcen müssen stimmen.“ Dass es dabei hakt, machten die Wortbeiträge deutlich – egal, ob sie von der Elternbeirätin, einer Lehrerin der PSS oder der Mutter eines autistischen Kindes kamen.

Landrat Thomas Will ergänzte, dass in Deutschland einfach das Etikett ausgetauscht worden sei: von Integration zu Inklusion. Zudem stellte er fest, dass das bestehende Parallelsystem von inkludiertem Lernen und speziellen Förderschulen nicht ideal ist. Der Kreis Groß-Gerau aber leiste seinen Beitrag seit Jahrzehnten, um optimale Bildungsvoraussetzungen zu schaffen, betonte der Landrat: „Wir arbeiten unsere Maßnahmen- und Dringlichkeitsliste ab, haben seit Mitte der neunziger Jahre 360 Millionen Euro in die Schulen investiert.“

Das sieht man zum Beispiel an der Gernsheimer Peter-Schöffer-Schule, wo viel Geld in den Ganztagsbereich floss, aber auch in die Schulhofsanierung. Dies alles war beim Bildungsfrühstück ebenso Thema wie Elterntaxi, Schülerticket und Digitalisierung. Die Veranstaltungen zeigte erneut: Bildung ist facettenreich und es gibt noch viel zu besprechen. Das nächste Bildungsfrühstück ist daher schon geplant: für 24. August 2019 an der MPS Trebur.

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