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Podiumsdiskussion der KVHS am Internationalen Frauentag:

Ein Leben selbstbestimmt führen

KREIS GROSS-GERAU – „Die Würde der Frau ist unantastbar“: Unter diesem Motto wurde am Internationalen Frauentag bei der Kreisvolkshochschule Groß-Gerau (KVHS) in der vollbesetzten Cafeteria lebhaft diskutiert – auf dem Podium und im Publikum. Eingeladen hatte der Fachbereich Politische Bildung der KVHS. Moderiert wurde der Abend vom Hörfunk-Journalisten Volker Siefert, der kurzfristig für Sedef Yildiz eingesprungen war. 

Die Würde der Frau ist unantastbar – dieser Leitsatz war auch Thema eines Films, den die Teilnehmenden des KVHS-Projekts „Demokratie erleben“ unter der Leitung von Kifah Zatari gedreht hatten. Für Nabila Bushra, Sozialarbeiterin und Studentin der Gender Studies, verletzten Rassismus und Diskriminierung die Würde der Frauen in hohem Maße. Jede Frau solle sich individuell entwickeln können. Zudem dürfe der Islam nicht instrumentalisiert werden, um das Patriarchat zu stützen. Wichtig sei, dass Einwander/innen ihren Kindern  nicht die Zugänge zu Bildung und einem selbstbestimmten Leben verwehren dürften, selbst wenn sie selbst weniger gut ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hätten.  

Monika Hettwer, Verdi-Gewerkschafterin, engagiert sich im Ehrenamt für Geflüchtete und ist auch Teilnehmerin im Projekt „Demokratie erleben“. Auch sie betonte, wie wichtig es sei, dass Frauen ihre Kinder offen und frei erzögen. „Frauen sind dann frei, wenn sie unabhängig sind“, sagte sie und brachte verschiedene Beispiele aus dem Arbeitsleben, in dem die Frauen stets gezwungen waren, ihre Rechte einzufordern. Viele Themen wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder die existenzbedrohende Teilzeitarbeit hätten sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Berufsleben gezogen, so Hettwer.

Judith Kolbe, Leiterin des Büros für Frauen und Chancengleichheit des Kreises Groß-Gerau, das die Veranstaltung mit gefördert hat, riet dazu, das Augenmerk vor dem Hintergrund des Jahrestags „100 Jahre Frauenwahlrecht“ nicht nur auf die parlamentarischen Erfolge oder Misserfolge zu legen, sondern auch das Engagement jenseits der politischen Räume wahrzunehmen. Ihre Frage, was die Herausforderungen für die nächsten 100 Jahren Frauenwahlrecht seien, stieß im Publikum auf großes Interesse. Das Büro für Frauen und Chancengleichheit wird das Thema in diesem Jahr mit einer Ausstellung vertiefen.

Meera Jamal zollte jenen Frauen Respekt, die es wagten, etwas zu verändern – auch wenn es angesichts der vielen Verletzungen der Menschenrechte, der Frauenrechte und der Diskriminierung von Minderheiten nur kleine Schritte seien. Sie nannte als Beispiel ihr Herkunftsland Pakistan, aus dem sie vor einigen Jahren fliehen musste. Auch in Deutschland seien Ungleichheiten allgegen­wärtig, und es gelte, daran zu arbeiten, um mit dem eigenen Leben zufrieden sein zu können – mit der Haltung: Ich darf entscheiden, was ich mit meinem Leben machen will.

Später am Abend beteiligte sich auch das Publikum lebhaft an der Diskussion, brachte persönliche Erfahrungen und auch Forderungen nach mehr Respekt vor der Entscheidung von Frauen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, ein. Der Journalist Volker Siefert moderierte den Abend souverän und zugewandt und schloss die Diskussion mit dem Hinweis, dass es schließlich darum gehe, die Rechte und auch Pflichten des Grundgesetzes als Basis für das Zusammenleben zu verstehen, zu achten und Demokratie im Alltag zu leben.

Bettina Krauß, KVHS-Fachbereichsleiterin Politische Bildung und Projektleiterin von „Demokratie erleben“, lud derweil zum nächsten öffentlichen Abend am 23. Mai 2018 im Kommunalen Kino in Groß-Gerau ein – zum Tag des Grundgesetzes. „Ich bin gespannt, was unsere Projektgruppen bis dahin an Erkenntnissen gesammelt haben werden.“

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