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Ökologisches Zusammenspiel zählt

Kreis will sich des Themas Folien in der Landwirtschaft annehmen

Ein Luftbild des NABU Worfelden zeigt das Ausmaß der Foliennutzung.

KREIS GROSS-GERAU – Besonders im Frühjahr, zur Spargel- und Erdbeerzeit, stechen auf landwirtschaftlichen Flächen im Kreis und in der Region vermehrt Folien und Folientunnel ins Auge. Landwirte sehen Vorteile im Benutzen der Folien, da sie dann mit ihren Produkten früher im Jahr auf dem Markt sein können sowie am Einsatz von Wasser und Herbiziden sparen. Für die Natur haben Folien jedoch Nachteile. Sie verkleinern ohnehin knapp gewordenen Lebensraum für Vögel und andere Tiere. Zudem ist zu bedenken, dass Plastikteile das Erdreich und am Ende auch das Wasser belasten.

Dieses Thema beschäftigt einige Menschen im Kreis. Der Naturschutzbund (NABU) Worfelden ist darum aktiv geworden und hat eine Folienkartierung in zwei Büttelborner Ortsteilen gemacht. Ergebnis: Mittlerweile 38 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Worfelden und Klein-Gerau waren in diesem Jahr von Folien bedeckt; insgesamt eine Fläche, die der Größe von 412 Fußballfeldern entspricht. Eine Idee vom Ausmaß der Flächenabdeckung vermitteln Bilder eines Drohnenflugs, die auf youtube zu finden sind: https://youtu.be/BHIqZRsyJKw. Gleichzeitig beobachtete der NABU, dass die Bestände von Kiebitzen, Rebhühnern und Feldlerchen in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgingen bzw. bereits erloschen sind.

Diese Problematik veranlassten den Kreis und die Gemeinde Büttelborn zu einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem NABU. Im Landratsamt Groß-Gerau kamen dazu der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer, Elke Grimm von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises sowie Torsten Petri und Jürgen Hoyer vom NABU Worfelden zusammen. Büttelborns Bürgermeister Marcus Merkel war verhindert, hatte jedoch vorher unter anderem darauf verwiesen, dass Büttelborn gerade mit viel Geld die 4. Stufe seiner Kläranlage realisiert – und das Thema Mikroplastik dabei eine Rolle spielt. Zehn bis 15 Prozent des Mikroplastiks, so schätzt die Wissenschaft, stammen aus der Landwirtschaft, sagt Elke Grimm.

„Der Kreis Groß-Gerau gehört zur Ökomodell-Region Süd. Das passt nicht zusammen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer. Er will gemeinsam mit dem NABU aufrütteln, damit das ökologische Zusammenspiel bei der landwirtschaftlichen Nutzung stärker mitbedacht wird. „Mit immer mehr Folien ist Flora und Fauna nicht gedient, Arten werden zurückgedrängt. Wir wollen aber die Biodiversität erhalten und fördern. Dafür müssen Einsicht und die Rahmenbedingungen vorhanden sein“, so Astheimer.
Mit den NABU-Vertretern war er sich einig, dass gemeinsam mit der Landwirtschaft und Umweltverbänden nach Lösungen gesucht werden muss. Der Erste Kreisbeigeordnete strebt einen Termin mit Landesregierung bzw. hessischem Umweltministerium an, um für das Thema zu sensibilisieren: „Ich fordere das Ministerium auf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Einsatz von Folien in der Landwirtschaft einzuschränken.“ Walter Astheimer und Bürgermeister Merkel sind sich einig: „Wir müssen gemeinsam ein Maß finden, das landwirtschaftliche Produktion und den Erhalt der Artenvielfalt berücksichtigt.“

Kreis und NABU haben bereits ein paar Ziele formuliert: nicht mehr als zehn Prozent der Fläche unter Folie; Ausgleich des Verlustes von Lebensraum und Schaffung von Rückzugsgebieten für Bodenbrüter; mindestens fünf bis zehn Meter breite Geländestreifen entlang von Gräben, Feldgehölzen, Feldwegen usw. von Folie freihalten; Unterbrechung der bewirtschafteten Fläche je vier Hektar durch Grünstreifen; Landwirte, die Folientunnel errichten, sollten dies unbedingt mit den jeweiligen Naturschutzbehörden abstimmen, damit nicht noch die letzten Brutplätze der Lerche und des Kiebitzes verlorengehen.

Zudem sollen ökologische Ausgleichsmaßnahmen im Zuge von Bauvorhaben möglichst nah an Folienkulturen umgesetzt werden, nicht viele Kilometer entfernt. Besonders wichtig ist den Naturschützern die Beratung der Landwirte: „Der Landesbetrieb Landwirtschaft in Hessen sollte den Verzicht von Folien in seinen Beratungsgesprächen thematisieren und Alternativen anbieten.“ Auch ein Siegel für Lebensmittel aus folienfreiem Anbau wurde bei dem Termin ins Gespräch gebracht. Denn es gebe immer mehr Menschen, denen es – auch beim Einkauf – wichtig ist, dass die Lebensbedingungen wildlebender Tiere sich verbessern.

„Wir müssen unserer Landwirtschaft vermitteln, dass es eine Chance ist, auf Bioanbau umzustellen. Es gibt viele Verbraucher und Verbraucherinnen, die dies honorieren und etwas höhere Preise zahlen würden. Die Akteur*innen der Ökomodell-Region können beim Umstieg helfen“, so die Initiatoren für weniger Folien in der Landschaft.

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