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Neue Verfügung für die Schulen

Kreis: Ab Klasse 7 flexibel über Präsenz- und Distanzunterricht entscheiden

KREIS GROSS-GERAU – „Schulen sind als Ort der Begegnung aller Schulpflichtigen ein besonders geeigneter Bereich, in dem sich Infektionen leicht ausbreiten können. Daher ist es notwendig, in diesem Bereich besondere Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko einer Ausbreitung zu minimieren“ – mit diesen Worten begründen Landrat Thomas Will und der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer weitere Schutzmaßnahmen an den Schulen des Kreises. Zentraler Punkt: Wo der Abstand von 1,5 Meter im gesamten schulischen Geschehen nicht eingehalten werden kann, wird ab der Klasse 7 die „Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht“ verfügt. Die Allgemeinverfügung tritt am kommenden Montag, 9. November 2020 in Kraft und gilt vorerst bis zum 31. Januar 2021.  

Zum Hintergrund: Die Infektionslage entwickelt sich im Kreis Groß-Gerau äußerst dynamisch. Die gesundheitsamtlich ermittelte Zahl der Neuinfektionen im maßgeblichen Referenzzeitraum von sieben Tagen im Kreisgebiet beläuft sich nach Stand vom 4. November 2020 auf 217 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner*innen. Der Kreis ist der Stufe 5 (dunkelrot) des Eskalationskonzepts zugeordnet und weist eine der höchsten Infektionszahlen in Hessen aus. „Die hohe Zahl der Neuinfektionen stellt uns alle vor große Herausforderungen“, so Will und Astheimer. „Die Lage ist alarmierend, weil sich das Virus so schnell ausbreitet.“ 

Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen reicht nach Ansicht des Kreises nicht aus, um den Schulbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten. Er reagiert deshalb auf die aktuelle Situation mit einer neuen Allgemeinverfügung. „Die Schülerinnen und Schüler sollen ihren Anspruch auf Bildung unter Anbetracht der pandemischen Lage wahrnehmen können. Präsenzunterricht soll als wichtigstes Mittel der Lernstoffvermittlung möglich bleiben“, betonen Will und Astheimer. „Wir wollen den Regelbetrieb so gut und so lang wie möglich weiter aufrechterhalten, ein komplettes Schließen der Schulen verhindern und die Schule als sicheren Ort für die gesamte Schulgemeinschaft erhalten. Wir wollen ein Maximum an Sicherheit. Gleichzeitig soll der Schulbetrieb weitergehen. Da sind flexible Lösungen gefragt“, erläutert Landrat Will.  

Durch die Allgemeinverfügung vom 13. Oktober 2020 mit der Anordnung der Maskenpflicht für alle Schulen ab Klasse 5 habe der Kreis bereits die Weichen für einen sicheren Schulstart nach den Herbstferien rechtzeitig gesetzt. „Dies allein genügt nicht, das wissen wir aus den vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen in den Schulen“, so Will. Nun hat der Kreis entschieden, dass folgende Regeln von Montag an gelten: An allen Schulen bis zur Klasse 6 müssen die folgenden Maßnahmen eingehalten werden: Einrichtung konstanter Lerngruppen, Abstand von 1,5 Meter im Gebäude sofern möglich, Einhaltung des Abstandsgebots zwischen Lehrkraft und Lerngruppe, Beachtung der Regelungen gemäß des jeweils aktuellen Hygieneplans Corona. Zudem müssen bis zur Klasse 4 an allen Schulen auch Lehrkräfte und pädagogisch Mitarbeitende im Präsenzunterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.   

Ab Klasse 7 gilt folgendes: „Einhaltung des Abstands von 1,5 Meter im gesamten schulischen Geschehen und, sofern nicht möglich, die Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht in jedem Fach und in jedem Lernfeld sowie die zeitliche befristete Teilung der Lerngruppen und täglicher oder wöchentlicher Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.“ Vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist befreit, wer eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder Behinderung per Attest nachweisen kann. Zudem wurde verfügt, dass in allen Schulen in geschlossenen Räumen und (Schwimm-) Hallen kein praktischer Schulsport ausgeübt werden darf. Der Sportbetrieb ist „ausnahmsweise nur gestattet zur Vorbereitung auf und die Abnahme von Einstellungstests, Leistungsfeststellungen sowie Prüfungen in Ausbildungen und Studiengängen, bei denen Sport wesentlicher Bestandteil“ ist.  

„Der Kreis Groß-Gerau hat diesen Schritt, den ich für überfällig halte und gerne bereits früher vollzogen hätte, in vielen Gesprächen und Arbeitsgruppen mit den Schulen konzeptionell vorbereitet“, so Will. „Weniger Schüler*innen in einem Klassenraum, feste Lerngruppen, Umsetzung der Hygienemaßnahmen, Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht – das sind notwendige Antworten auf die Herausforderungen durch die Pandemie an den Schulen“, betont der Landrat. Ein weiterer Vorteil sieht er darin, dass die Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht die Schülerbeförderung entzerrt: Die Busse seien einfach nicht mehr so voll. „Mit Maske und Abstand hoffen wir, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten“, so Will: „Das diffuse Infektionsgeschehen im Kreis spiegelt sich auch in den Schulen wider. Vor diesem Hintergrund sind die verfügten Maßnahmen Teil unserer Präventionsstrategie.“    

„Wir wägen sehr genau ab und entscheiden, welche Regeln und Maßnahmen angemessen und notwendig sind“, so der Landrat. „Sollten die Zahlen weiter dramatisch steigen, müssen wir auch ernsthaft über einen flexiblen Distanz- und Präsenz-

unterricht für die Klassen 5 und 6 mit einer Regelung der Betreuung nachdenken. Und auch die Maskenpflicht während des Unterrichts an den Grundschulen ist dann kein Tabuthema mehr.“  

„Im Kreis Groß-Gerau beobachten wir gegenwärtig einen starken Anstieg der Übertragungen“, gibt Dr. Angela Carstens, die Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Groß-Gerau, zu bedenken. „Es ist daher dringend notwendig, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz und gegen die weitere Ausbreitung der Corona-Infektionen engagiert und sich solidarisch zeigt mit denen, die einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung befürchten müssen“, sagt Dr. Carstens. Ihr drängender Appell: „Halten Sie Abstand, befolgen Sie die Hygieneregeln und tragen Sie eine Alltagsmaske. Gehen Sie Menschenansammlungen aus dem Weg und denken Sie in geschlossenen Räumen ans regelmäßige Lüften.“  

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