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Mehr Verständnis für Max und Lisa

Fachveranstaltung „Medienbildung leicht gemacht“

Aktiv bei der Fachveranstaltung zur Medienbildung im Landratsamt Groß-Gerau waren (von links) Annika Gramoll (EKHN), Daniel Leonhardt (Staatliches Schulamt), Moritz Becker (hinten; Referent von Smiley e.V.), Michaela Weiß (Kinder im Netz), Martina Schmiegelt (Netzwerk gegen Gewalt - Regionale Geschäftsstelle Südhessen), Kerstin Roth und Susanne Koenen, (beide Schulsozialarbeit des Kreises) Thomas Sartor (Medienzentren Groß-Gerau und Rüsselsheim), Peter Schlimme (Jugendbildungswerk) und der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – „Medienbildung leicht gemacht“ – diesen Titel hatte eine Fachveranstaltung des Medien-Netzwerkes des Kreises Groß-Gerau Anfang April. Die Schulsozialarbeit des Kreises Groß-Gerau, die Medienzentren Kreis Groß-Gerau und Rüsselsheim sowie das Staatliches Schulamt und die Kreisjugendförderung/das Jugendbildungswerk hatten den Nachmittag im Landratsamt organisiert. Gekommen waren 65 Gäste plus Workshop-Leitungen unter anderem aus den Bereichen Grundschule, Schulsozialarbeit an Grundschulen und weiterführenden Schulen, Kommunale Kinder- und Jugendarbeit, Beratung und Polizei.  

Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer begrüßte zu dem „Vortrag ohne jeden virtuellen Schnickschnack“ und dankte besonders der Regionalstelle Südhessen des Netzwerks gegen Gewalt Hessen für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung. 

Ansätze für die Praxis mit Sechs- bis Zwölfjährigen lautete der Untertitel des Fachtags – und Referent Moritz Becker vom Verein Smiley e.V. aus Hannover ging das Thema ganz praktisch an: Er ließ die Zuhörerinnen und Zuhörer mit Hilfe der Holzfiguren Max und Lisa und mit vier Roll-ups in das Mediennutzungsverhalten von Kindern eintauchen.  

Was Max und Lisa in diesem Alter kennzeichnet ist: Unbekümmertheit, Neugierde, die Suche nach Anerkennung oder zumindest nach Aufmerksamkeit, je weniger sie an Anerkennung bekommen. Die Kinder stehen mitten in ihrer Identitätsentwicklung, brauchen Orientierung und Freiheit. Dies ist heutzutage eng verbunden mit der Mediennutzung.

So sind die Sozialen Netzwerke Instagram, TikTok und Snapchat enorm wichtig dafür, Anerkennung zu bekommen und sich zu vergewissern, ob man okay ist, so wie man ist oder so wie man gerade aussieht. Die Rückmeldungen oder „Likes“ bieten Orientierung und Stabilität in kleinen Krisen. Ein Dutzend Mal am Tag den Charakter oder drei Mal täglich das Profilbild zu wechseln, gehört zum Ausprobieren innerhalb der Identitätsentwicklung. Ein positives Feedback darauf gehört zur Höflichkeit in der „Gefällt-mir-Kultur“. 

Wer viele Hobbys hat und noch gute Schulnoten, hat viele Freunde. Ein „Like“ ist dann nur ein kleiner Baustein im Puzzle, sagte Moritz Becker. Aber was ist mit denjenigen, die keine Freunde haben und einen „Daumen nach unten“ als Kommentar bekommen? Wozu sind sie bereit, um „Likes“ zu erhalten? Wem die Anerkennung fehlt, der ist verführbarer im Netz. Doch es gibt auch Beispiele, wie Außenseiter online Anerkennung finden, beispielsweise im Spiel „Minecraft“.  

Moritz Becker beschrieb darüber hinaus Stresssituationen durch WhatsApp. Durch die „blauen Häkchen“ nach dem Lesen der Nachricht erwarten alle eine schnelle Antwort. Deshalb gehöre es zu den heutigen Kulturtechniken zu wissen, dass man Nachrichten nur lesen sollte, wenn man auch Zeit hat, darauf zu antworten. Oder während der Hausaufgaben etwas zu „googeln“, ohne in die angekommenen Nachrichten zu schauen, oder ganz einfach beim Kindergeburtstag alle Smartphones in einen Pappkarton zu stecken und wegzustellen. 

Auch 500 Nachrichten schon vor Unterrichtsbeginn sind keine Seltenheit. Das gibt Stabilität, nervt aber, wenn man ein wichtiges anderes Bedürfnis hat. Wichtig sei es, in Klassenchats Regeln aufzustellen und vielleicht einen „Wichtig-Raum“ und einen „Smalltalk-Raum“ zu haben. Wichtig ist auch, dass nicht beleidigt wird – auch nicht aus Spaß, betonte der Referent. Und niemand darf von wichtigen Informationen ausgegrenzt werden.  

Moritz Becker gelang es, einen einfühlsamen Einblick in die Lebens- und Gefühlswelt von Max und Lisa zu geben. Das Publikum war nach dem kurzweiligen Vortrag begeistert und tauschte sich rege über das Gehörte aus. Auch die im Anschluss angebotenen Workshops – Actionbound, Internet-ABC für Eltern, LearningApps.org, Medienbildung an der Grundschule –  trafen die Erwartungen der Teilnehmenden. Besonders gut besucht war der Workshop Medienbildung an der Grundschule, bei dem das Medienbildungskonzept der Eddersheimer Schule vorgestellt wurde und in dem Daniel Leonhardt, Fachberater für Medienbildung im Staatlichen Schulamt für den Kreis Groß-Gerau und den Main-Taunus-Kreis, zusätzliche Informationen zur Medienbildung aus Hessen lieferte. 

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