Nachrichten_Einzelansicht

Leoni Jocham war als Freiwillige ein Jahr in Nicaragua:

„Cooles Jahr“ bei Reis mit Bohnen

Wichtige Erfahrungen gesammelt: Die Abiturientin Leoni Jocham aus Mörfelden-Walldorf war als Freiwillige ein Jahr in Masatepe in Nicaragua. Der Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe hat den Aufenthalt ermöglicht. Im Bild links: Ute Jochem, stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

KREIS GROSS-GERAU – 17 junge Menschen aus dem Kreis Groß-Gerau haben seit 2008 als Freiwillige im Partnerkreis in Nicaragua arbeiten können – Leoni Jocham aus Mörfelden-Walldorf ist eine von ihnen. Die 19-Jährige ist vor wenigen Wochen aus Mittelamerika zurückgekehrt. Reich an neuen Eindrücken und prägenden Erfahrungen. „Ich bin froh, dass ich dort gewesen bin“, sagt die Abiturientin. „Ich kannte das Land vorher nicht. Doch Nicaragua ist cooler und exotischer, als ich gedacht hätte.“

Genau zwölf Monate und zwei Wochen währte ihr Dienst in Masatepe. Der Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe hat den Aufenthalt organisiert, den Rahmen dafür bildet der von der Bundesregierung geförderte entwicklungspolitische Freiwilligendienst „Weltwärts“. Dort hat sie zur Vorbereitung in der „Nicaragua-Gruppe“ zwei Seminare und eine vereinsinterne Schulung absolviert. Spanisch spricht sie seit der sechsten Klasse. „Trotzdem war es war eine Reise ins Ungewisse. Es ist immer schwer, sich in einer fremden Sprache auszudrücken“, erzählt sie.

Herzlich wurde sie in der Gastfamilie aufgenommen, liebevoll kümmerten sich die Mitglieder des Partnerschaftsvereins sowie die Vorgängerin im Freiwilligen Dienst anfangs um sie – das Abenteuer konnte beginnen. Fortan arbeitete sie in Kindergarten und Schule, unterrichtete in der fünften und sechsten Klasse Englisch, zeigte in Sport, wie man mit Springseilen spielen kann, führte mit Kindern das von ihrer Vorgängerin begonnene Recycling-Basteln mit Plastikflaschen und Eierbechern weiter. „Natürlich war es für mich anfangs sehr ungewohnt und auch etwas schwierig, in die Rolle der Lehrerin zu schlüpfen und bei den Schulkindern Gehör zu finden, aber das hat sich mit der Zeit gegeben“, berichtet sie. „Mit Hilfe der eigentlichen Lehrerin ist es mir dann gelungen, die Kinder zusammen zu halten.“

Viel Freude bereiteten ihr die abendlichen Sprachkurse. „Die Erwachsenen im Unterricht hatten Spaß, sie wollten auch etwas lernen“, sagt sie. Und gerne erinnert sie sich an die Schwimmkurse. Mit Schwimmnudeln und Brettern hat sie den Kindern beigebracht, wie sie sich über Wasser halten können. „Das Meer ist nicht weit weg, ebenso die Lagune, der See, aber nur wenige konnten das aktiv nutzen, eben weil sie nicht schwimmen konnten“, berichtet sie. Einigen hat sie die Angst vor dem Wasser nehmen können – eine der vielen Erfolgsgeschichten, die sie im Rückblick mit ihrem Aufenthalt in Nicaragua verbindet.

„Den ganzen Unterricht und die Kurse selbst zu planen, war eine großartige Erfahrung“, betont sie. Sie habe ganz unterschiedliche Projekte kennen gelernt und vor allem „ganz nette, herzliche Menschen“. „Die Kleinstadt hat es mir leicht gemacht, Kontakte zu knüpfen. Ich habe vor Ort gewohnt und gearbeitet.“  Und selbst am Nationalgericht „Gallo Pinto“ (Reis mit Bohnen) hat sie Gefallen gefunden. „Profesora Leoni“ wurde sie von den Kindern genannt – und von ihnen mit einer zu Herzen gehenden Feier als Freiwillige verabschiedet. Auch heute noch bekommt sie Post aus Masatepe. Die Kinder schreiben ihr, wie sehr sie sie vermissen.

Landschaftliche Schönheiten, Vielfalt, wunderschöne Wälder, bezaubernde Küsten – das hat sie in Nicaragua gesehen. Aber auch: Geringachtung der Umwelt, vermüllte Ecken, achtlos weggeworfener Plastikmüll, schwierige hygienische Verhältnisse, Armut. Und sie hat aber auch gesehen, wohin die Spenden gehen, die der Partnerschaftsverein zum Beispiel über die Schulen im Kreis Groß-Gerau sammelt. „Es ist schön zu wissen, wie wertschätzend Kindergarten-Kinder mit Malstiften, Papier und Heften umgehen, die mit Geld aus Deutschland angeschafft wurden“, sagt sie.

Der Partnerschaftsverein, der seit 1989 existiert, wünscht sich natürlich, dass die Arbeit des Vereins auf die nachfolgende Generation übergeht, wie Ute Jochem, stellvertretende Vorsitzende, betont. „Wir wollen, dass sich das Leben der Menschen in Masatepe nachhaltig verbessert.“ Deshalb habe der Groß-Gerauer Verein mit finanzieller Unterstützung des Kreises, einiger Kreiskommunen und Schulen in den zweieinhalb Jahrzehnten dort investiert, Schulen, Kindergärten und ein Gesundheitszentrum gebaut, eine Solaranlage für die Trinkwasserversorgung errichtet, Wassertanks bereit gestellt. Jungen Menschen aus Nicaragua ermöglicht der Verein ebenfalls ein Freiwilligendienst im Kreis Groß-Gerau.

Leoni Jocham jedenfalls möchte ihr Jahr in Mittelamerika nicht missen, „das war eine Super-Erfahrung“, betont sie. Mit vielen Ideen und der Erkenntnis, manchmal nicht alles so furchtbar ernst zu nehmen, strebt Leoni Jocham nun einen Abschluss in einem internationalen BWL-Studiengang an. „Vielleicht führt mich ein Praktikum wieder nach Nicaragua, mal sehen“, sagt sie. „Einen anderen Blick auf das Leben werfen, das hat mich persönlich schon weiter gebracht.“

 

Entwicklungsarbeit in Nicaragua: Wer als Jugendlicher aus dem Kreis Groß-Gerau über den Partnerschaftsverein den Freiwilligendienst in Masatepe absolvieren möchte, sollte das Abitur, das Fachabitur oder über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und zwischen 18 und 28 Jahren alt sein. Interessierte können sich auf der Homepage www.masatepe.de informieren.

 

 

 

Der Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau
Wilhelm-Seipp-Str. 4
64521 Groß-Gerau

06152 989-0
Fax: 06152 989-133
info@kreisgg.de