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Lauf für Alleinerziehende

Interkulturelle Staffel beim Frankfurt-Marathon

Sie gehörten zu interkulturellen Staffel beim Frankfurt-Marathon (von links): Ralph Tschirner (Sportkreis FFM), Julia Keller (Verein Pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe e.V.), Omid Hashimi, Max Hohn (Gffb e.V.), Sara Igoulzan, Clara Plettner (Gffb e.V.), Amel Boutaleb (Gffb e.V.), Alessandro Mula (Gffb e.V.), Laura Ayelen Tavolara (berami e.V.), Christoph Joschko (berami e.V.), Vedrana Fink (berami e.V.), Patrizia Frank (WIR-Koordinatorin Büro für Integration, Kreis Groß-Gerau) und Laura Juoapavicius (Verein Pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe Mörfelden-Walldorf e.V.). Foto: Steffen Roth

KREIS GROSS-GERAU – Unter die 14.196 Läuferinnen und Läufer aus 110 Nationen, die am Sonntagmorgen beim Frankfurt-Marathon dabei waren, mischte sich eine bunte Gruppe mit einem besonderen Ziel. Unter dem Motto „einsam = Sport = gemeinsam“ ging um 10.35 Uhr eine interkulturelle Staffel mit Teilnehmenden aus dem Kreis Groß-Gerau auf die Marathonstrecke von 42,195 Kilometern. Der Staffel mit acht Abschnitts-Teams gehörten Vertreterinnen und Vertreter aus sozialen Initiativen und Vereinen an. Ihr Ziel war es, auf die soziale Ungleichheit Alleinerziehender aufmerksam zu machen.

Nach etwa 4.50 Stunden Gesamtlaufzeit bei Wind und viel Regen waren die letzten Teilnehmenden des Projekts mit der Stafette ins Ziel in der Festhalle gekommen. 

Wie schon in den vergangenen Jahren organisierte der Sportkreis Frankfurt während der Interkulturellen Wochen öffentlichkeitswirksame Aktionen beim Frankfurter Marathon, um für die Teilhabechancen aller Menschen in unserer Gesellschaft zu plädieren und auf Diskriminierung aufmerksam zu machen. Mit Unterstützung des Büros für Integration des Kreises Groß-Gerau, des Sportkreises Groß-Gerau und weiteren integrativ tätigen Vereinen und Institutionen – zum Beispiel Pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe e.V. aus Mörfelden-Walldorf, Väteraufbruch für Kinder Frankfurt e.V., Mehrgenerationenhaus Gallus mit dem Projekt Kulturbrücke, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV), GffB e.V., Family Playdates e.V. und berami e.V. – wurde schließlich eine 27-köpfige Staffel aus Athleten und Athletinnen mit unterschiedlichen Besonderheiten und Unterstützungsangeboten gemeldet. Jedes der acht Teams lief fünf, sechs Kilometer. Das Kick-Off zum Lauf bildete ein Netzwerktreffen aller Vereine am Vorabend beim Verein für Alleinerziehende Mütter und Väter in Frankfurt-Bockenheim. 

„Wir nutzen den Frankfurter Marathon als ältesten Stadtmarathon Deutschlands für diese Aktionen, um eine breite Öffentlichkeit zu erlangen“, sagt Patrizia Frank, WIRKoordinatorin im Büro für Integration des Kreises Groß-Gerau und Integrationskoordinatorin des Sportkreises GG, als Mitorganisatorin des Staffellaufs. Mit den jährlichen Aktionen beim Frankfurter Marathon hat sich die Gruppe zum Ziel gesetzt, möglichst alle Facetten von Benachteiligungen in der Gesellschaft auf die Marathon-Strecke – und damit in die Öffentlichkeit zu tragen. Somit soll ein Zeichen für eine Kultur der Teilhabe gesetzt und gegen Hass und Hetze appelliert werden.  

2017 war es ein interkultureller Staffellauf mit Zugewanderten und Geflüchteten, 2018 ein inklusiven Staffellauf mit über 100 Teilnehmenden, die die unterschiedlichsten Diskriminierungserfahrungen mitbrachten: von Rollstuhlfahrern, blinden Athleten bis hin zu Zugewanderten. Diesmal ging es um Alleinerziehende und andere Benachteiligte, die soziale Ungleichheit durch Trennungen, Scheidungen, Familiennachzug oder ähnliches erfahren. Das System „Alleinerziehend“ macht weder vor Religion, Staatsbürgerschaft, Gesundheitsstand noch Alter halt.

Mehr als die Hälfte aller Alleinerziehenden sind von Armut betroffen. Nur die wenigsten Eltern dieser Gruppe entscheiden sich freiwillig, als Ein-Eltern-Familie weiterzuleben. Bestehende Angebote, ganz gleich ob zur Erwerbstätigkeit oder Freizeitgestaltung, werden aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten oder finanzieller Möglichkeiten kaum genutzt.

An Aufklärung mangelt es insbesondere bei zugewanderten Personen. Die Dauer des bisherigen Aufenthalts kann maßgebend sein, welche sozialen Leistungen in Deutschland in Anspruch genommen werden können, ohne den weiteren Verbleib in Deutschland zu gefährden. Diese Punkte sind vor allem dann bedeutend, wenn Migrantinnen eine Trennung/Scheidung von ihrem Ehegatten in Erwägung ziehen und eine Perspektive unabhängig von ihm entwickeln wollen. Ziel muss es daher sein, Angebote zu schaffen, Hilfen anzubieten und Netzwerke aufzubauen – all dies bezweckt das diesjährige Staffelprojekt.  

Die Staffel in Frankfurt bestand aus folgenden Vereinen: Sportkreis FFM, Väteraufbruch für Kinder Frankfurt e.V., Mehrgenerationenhaus Gallus mit dem Projekt Kulturbrücke, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV), WIR Groß-Gerau, GffB e.V., Family Playdates e.V., berami e.V. Bei gemeinsamen Trainingsterminen und der Vorabendveranstaltung zum Marathon lernen sich die Kooperationspartner sowie die Läuferinnen und Läufer kennen und haben die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Während dieser Termine werden die Kinder der Alleinerziehenden kompetent betreut.  

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