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Landrat Thomas Will beim 2. Bildungsfrühstück in Goddelau:

„Mehr Geld für Schulen nötig“

Bildung im Mittelpunkt: Beim zweiten Bildungsfrühstück des Kreises Groß-Gerau wurde an der Martin-Niemöller-Schule (MNS) in Goddelau angeregt über Bildung diskutiert. Auf dem Podium saßen (von links): MNS-Schulleiter Martin Buhl, Krei-selternbeirat Stefan Stein, Moderator Udo Döring, Landrat Thomas Will und Ried-stadts Bürgermeister Marcus Kretschmann.

KREIS GROSS-GERAU – Reden wir über Geld: Beim „Bildungsfrühstück“, einer vom Kreis Groß-Gerau initiierten Reihe, geht es genau darum. Die lockeren Treffen nutzt Landrat Thomas Will, um über die Aufgaben des Kreises als Schulträger zu informieren. In Goddelau  an der Martin-Niemöller-Schule saßen Schulleiter Martin Buhl, der Vorsitzende des Kreiselternbeirats Stefan Stein sowie Riedstadts Bürgermeister Marcus Kretschmann mit dem Landrat auf dem Podium.   

Qualität kostet – das ist in der Bildung nicht anders. Denn damit sich Menschen bilden können, braucht es nicht nur selbstbewusste pädagogische Konzepte, sondern auch architektonisch ansprechende Schulgebäude und Klassenzimmer, die Kinder und Jugendliche einladen, mit Freude zu lernen. Und es braucht eine qualifizierte Betreuung. „Wenn Kinder von 7 bis 17 Uhr bei uns an der Schule sind, muss der Aufenthalt mehr sein als eine bloße Aufbewahrung“, mahnte die Leiterin der Insel-Kühkopf-Schule in Stockstadt, Edith Fritz-Knieriem. Und erntete damit beim Landrat zustimmendes Kopfnicken.  

In der Tat ist der Kreis für Erhalt, Sanierung und Ausbau seiner 45 Schulen mit rund 23.000 Schülerinnen und Schülern zuständig. Doch die Aufgaben reichen viel weiter – Beispiel Ganztag: Hier kümmert sich der Kreis um die Angebote an den Schulen, um Räume, um Infrastruktur, um Personal für die Betreuung, doch für die Einstellung von Lehrkräften ist das Land zuständig. Ändern sich Rahmenbedingungen, kann das für den Kreis als Schulträger schnell teuer werden. „Die Nachfrage nach Ganztagsangeboten ist viel größer als gedacht, Inklusion benötigt mehr Raum und mit den Integrationshelfern zusätzlich Personal, insgesamt steigen die Schülerzahlen“, fasste Landrat Will die aktuelle Entwicklung im Kreis zusammen.  

Und er hat nachgerechnet: „141 Millionen Euro zusätzlich wären nötig, um an allen Schulen den Standard zu erreichen, der wünschenswert und nötig wäre“, sagte Will in Goddelau. „Schulsozialarbeit, Verpflegung in der Mensa, Besetzung der Sekretariate und Hausmeisterstellen, Ganztagsbetreuung: Wir haben für unsere Aufgaben im Bereich Schule und Bildung schlicht nicht genug Geld.“ Dabei hat der Kreis in der Vergangenheit tüchtig investiert: Seit 1996 hat der Kreis nach den Worten des Landrats rund 335 Millionen Euro für Ausbau und Erhalt seiner Schulen ausgegeben.  

An den Kosten beteiligen sich die Kommunen im Kreis. Riedstadt, so Bürgermeister Kretschmann, habe 5,6 Millionen Euro an Schulumlage zu leisten. „Das ist kein Pappenstiel, deshalb möchte ich als Bürgermeister auch wissen, was mit dem Geld passiert.“  Transparenz sei sehr wichtig, so Kretschmann. Als Schulleiter, ergänzte Buhl, habe er natürlich zuerst die eigene Schule im Blick. „Und wenn es um Bedarfe geht, muss ich sagen: da reicht das Geld nicht.“ Längeres gemeinsames Lernen, Stärken stärken, keine Aufteilung nach Schulformen, Vielfalt als Chance – das sind Themen, die an der Martin-Niemöller-Schule, einer Integrierten Gesamtschule, gelebt werden. Und wofür sie mit dem Prädikat „Starke Schule“ prämiert wurde.  

Kreiselternbeirat Stefan Stein sagte, er sitze zwischen zwei Stühlen. Als Bürger möchte er natürlich nicht mehr Steuern bezahlen, als Elternvertreter wünsche er sich die beste Schulausbildung für die Kinder. „Geld für Bildung ist gut investiertes Geld“, so Stein. Der Kreis erhält laut Landrat aus dem 500 Millionen Euro schweren Kommunalen Investitionsprogramm des Landes 19,4 Millionen Euro, „gerade genug, um die drängendsten Probleme an drei Schulen zu lösen“.  

Eine „Schule für alle, die inklusiv arbeitet“, wünscht sich Schulleiter Buhl. Bürgermeister Kretschmann „Ganztag für die, die es wirklich brauchen“. Und Landrat Will erneuerte seine Forderung nach einem komplett steuerfinanzierten Bildungssystem „vom Kindergarten bis zur Hochschule und Meisterschule“. Landrat Will: „Geld genug ist doch da.“  

Die Reihe wird übrigens fortgesetzt. Ein weiteres Bildungsfrühstück folgt am 11. November 2017 in der Georg-Mangold-Schule in Bischofsheim.

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