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Jugendpolitik als Standortfaktor

Fachgespräch über Kinder- und Jugendbeteiligung

Haben die Fachveranstaltung gestaltet: Fachbereichsleiterin Ute Imig-Wittekind, Alexander Fiedler (Jugendförderung), Referent Winfried Pletzer, Fachdienstleiterin Elke Draxler und Landrat Thomas Will (von links). Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Kinder- und Jugendbeteiligung ernstnehmen, passende Formate gemeinsam mit den jungen Menschen finden und kommunal umsetzen - das ist seit langem ein wichtiges Anliegen von Kreisjugendförderung/Jugendbildungswerk. Am internationalen Tag der Demokratie (15. September) hat darum die Fachabteilung der Kreisverwaltung Bürgermeister, Kreis- und Kommunalpolitiker*innen, Amtsleitungen und Fachkräfte der kommunalen Jugendförderungen zur Veranstaltung „Kinder- und Jugendbeteiligung als integraler Bestandteil kommunaler Kinder- und Jugendpolitik“ eingeladen. 

Bereits in seiner Begrüßung wies Landrat Thomas Will darauf hin, „dass die Demokratie die einzige Staatsform ist, die gelernt werden muss“. Am Wohnort und im unmittelbaren Lebensumfeld entscheidet sich, welche Einstellungen junge Menschen zu Politik, deren Vertreter*innen und zu Demokratie im Allgemeinen entwickeln. „Kinder- und Jugendbeteiligung ist dabei kein „Bitte, bitte-Thema“, wie der Referent Winfried Pletzer betonte. „Im Gegenteil - eine erfolgreiche kommunale Jugendpolitik ist ein wichtiger Standortfaktor für eine Kommune.“ Pointiert und lebendig präsentierte der Politologe, Sozialpädagoge und Kommunalberater, warum Kinder- und Jugendbeteiligung als integraler Bestandteil der Kommunalpolitik unverzichtbar ist und was das für die praktische Umsetzung bedeutet. 

Er appellierte an die anwesenden Mandatsträger*innen: „Sie müssen einen klaren Standpunkt haben, denn kompetente Jugendpolitik braucht eine strategische Ausrichtung und muss tief verankert sein im politischen Bewusstsein.“ Als Ausgangspunkt der Strategie dienen u. a. die Bevölkerungsprognosen, wie Winfried Pletzer anhand des Kreis-Sozialdatenmonitors aufzeigte. Es gilt, die „Bleibe- und Haltefaktoren junger Menschen zu stärken, eine aktive Identifikation mit der Heimatgemeinde anzuregen und zu ermöglichen.“ 

Für die fast 40 Teilnehmenden wurde deutlich herausgearbeitet, dass Jugendpolitik nicht an die Kinder- und Jugendförderung delegierbar, sondern die Aufgabe der Kommunalpolitiker*innen ist. In der Diskussion betonten auch die anwesenden Fachkräfte der kommunalen Jugendförderungen, dass die Kommunalpolitik hier verantwortlich den jugendgerechten Rahmen stecken und halten muss, aber „das operative Geschäft den Jugendförderungen überlassen kann“. Gerade die Entscheidung für ein Beteiligungsformat nimmt hier eine wichtige Rolle ein.  

Winfried Pletzer bewertet, nach langjähriger Erfahrung, die repräsentativen Formen wie Jugendparlamente als zu formalisiert, unflexibel und schwerfällig für junge Menschen. „Eigentlich braucht es im Sozialraum den Beteiligungsmix, der auch ein niedrigschwelliges, kurzfristiges Engagement ermöglicht“, sagte ein Jugendpfleger. Beteiligungsprojekte sollten laut Pletzer „lieber klein und fein sein, als zu groß und nichts los“.

Am Ende nahmen die Teilnehmenden viele Impulse und Anregungen mit, die auch nach Ende der Veranstaltung für Diskussionen sorgte. Elke Draxler und Alexander Fiedler von der Kreisjugendförderung waren mit dem Verlauf und der Resonanz der Veranstaltung sehr zufrieden. Sie hoffen, „damit einen wichtigen Denkanstoß für eine kommunale Jugendpolitik“ gegeben zu haben. „Schließlich darf Partizipation nicht darauf reduziert werden, junge Menschen zu Wort kommen zu lassen und ihnen Gehör zu schenken. Kompetente Beteiligungspolitik muss als Querschnittaufgabe der Kommunalpolitik, als Chefsache und strategische Entwicklungsfrage einer Kommune definiert werden.“ 

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Thema Kinder- und Jugendbeteiligung gibt es über die Kreisjugendförderung Groß-Gerau, Alexander Fiedler, Telefon 06152 989-84194, Mail jf@kreisgg.de

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