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Informationen zu „Hate Speech“ und „Fake News“:

Schleichende Wirkung von Hassrede

Akteurinnen und Akteure aus der Kreisverwaltung trafen bei der Infoveranstaltung „Hate Speech – Hassparolen und Hetze im Netz“ mit den Referent/innen zusammen. Von links: Tobias Trautmann, Ulrike Cramer, Elke Draxler, die Medienpsychologen Astrid Carolus und Frank Schwab, Medienpädagogin Alia Pagin, Sedef Yildiz und Nilüfer Kus. Foto: Kreisverwaltung

KREIS GROSS-GERAU – Durchweg positive Rückmeldungen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gab es für die Veranstaltung „Hate Speech – Hassparolen und Hetze im Netzder Kreisjugendförderung in Kooperation mit dem Büro für Integration der Kreisverwaltung Groß-Gerau. Zwei Vorträge informierten Interessierte aus der Jugendarbeit, Sozialarbeit, Kreispolitik sowie Bürger/innen über medienpsychologische und medienpädagogische Erkenntnisse zu den Wirkungen von Hasskommentaren, Falschmeldungen, manipulierten Nachrichtenseiten und rassistischer Stimmungsmache.  

Bereits in der Begrüßung wies Ulrike Cramer, Fachbereichsleiterin Jugend und Familie, auf die schleichende Wirkung von „Hassrede“ hin, die, zunächst unbemerkt wie winzige Arsenmengen, erst nach einiger Zeit ihre volle Giftwirkung erreichen. Diese Entwicklungen müssen ernstgenommen werden - in den Bildungsangeboten der Jugendarbeit wie auch in der politischen Diskussion. Dafür bieten Veranstaltungen wie diese im Rahmen des Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus wichtige Impulse. 

Eine starke Motivation für Hate Speech ist der soziale Abwärtsvergleich. Die Inhalte sind immer herabwürdigend und stellen den anderen als dümmer, wertloser, hässlicher als die eigene Person oder Gruppe dar. Zwar weisen Befragungen darauf hin, dass 48 Prozent aller Internet-User schon Hasskommentare gelesen und nur ein Prozent selbst solche gepostet haben. „Allerdings: Wer würde das bei Befragungen schon öffentlich machen?“, sagte Dr. Astrid Carolus, Medienpsychologin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, in ihrem Vortrag.

Insgesamt sind die Phänomen Hetze und Hassparolen oder verbale Angriffe auf die Menschenwürde nicht neu, aber sie haben sich verändert. Durch fehlende soziale Indikatoren wie Mimik, Gestik und Hintergrundinformationen über das Gegenüber fühlen sich Menschen in der digitalen Kommunikation anonym. Die Hemmschwelle für verbale Attacken sinkt.  

Menschen können sich heutzutage viel einfacher und mit weitaus größerer Reichweite gegenseitig von Meinungen, Kampagnen und Verhaltensweisen überzeugen. Informationen bekommen durch das eigene Vorwissen eine Relevanz. „So bleiben Falschmeldungen trotz Richtigstellung in meinem Kopf, wenn sie in mein Schubladensystem und in mein Weltbild passen“, erläuterte Professor Dr. Frank Schwab, Medienpsychologe an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Auch wenn das Gehörte aus einer dubiosen Quelle stamme, wirke der Inhalt durch den „Sleeper-Effekt“ nach einiger Zeit besonders stark. Die fragwürdige Quelle sei bis dahin längst vergessen. 

Die Medienpädagogin Alia Pagin empfiehlt, beim Lesen von Postings oder Kommentaren auf Irritationen zu achten und auf das „Bauchgefühl“ zu hören. Hilfreich sind auch Fragestellungen wie „Welches Medium veröffentlicht diese Information? Welches Weltbild wird hier transportiert? Was sind die Kernaussagen der Nachricht?“. Außerdem müssen wir uns immer bewusst machen, dass unsere persönlichen Daten die neue Währung in der „kostenfreien“ Internetkommunikation sind:  Persönliche Interessen, Anschauungen und Haltungen werden von den Anbietern von Plattformen herausgelesen, Algorithmen empfehlen und positionieren dazu passende Inhalte. Echokammern mit einseitigen Informationen und maßgeschneiderten Nachrichten entstehen, die das Weltbild der Nutzerin/des Nutzers bestätigen.  

„Rassistischen Verbalattacken und menschenverachtenden Postings direkt zu widersprechen, empfiehlt sich nicht immer und muss gut überlegt werden“, rät Alia  Pagin. Aber auf keinen Fall sollte man diese einfach wegklicken oder übergehen, sondern immer entweder beim verantwortlichen Betreiber (Facebook, Instagram etc.) oder bei Jugendschutz.net melden.  

Vertiefende Fachveranstaltungen zu diesem wichtigen Thema werden von der Kreisjugendförderung unter anderem für den Arbeitskreis „Kommunale Jugendarbeit im Kreis Groß-Gerau“ angeboten.

Weitere Hinweise, Tipps und Links gibt es bei der Kreisjugendförderung Groß-Gerau, Wilhelm-Seipp-Straße 4, 64521 Groß-Gerau, Tobias Trautmann (Telefon 06152 989-466) und Elke Draxler (Telefon 06152 989-438), E-Mail jf@kreisgg.de. 

 

Der Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau
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64521 Groß-Gerau

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